Es geschah am 4. Mai des Jahres 1973: Damals wurde das erste Baby im Kreißsaal des Helmut-G.-Walther-Klinikums geboren. In den folgenden Jahrzehnten, bis zum Umzug ins neue, direkt nebenan erbaute Krankenhaus erblickten im Klinikum Lichtenfels genau 36 016 Kinder das Licht der Welt. Der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, Andreas Flessa, und Leitende Hebamme Martina Behr sind tief ins Archiv des Lichtenfelser Krankenhauses vorgedrungen. "Das erste im Helmut-G.-Walther-Klinikum geborene Kind war ein Junge und wog 3500 Gramm. Als Geburtszeit ist 7.29 Uhr festgehalten", weiß Martina Behr aus den Unterlagen.

Das Klinikum war bei seiner Eröffnung eines der modernsten Krankenhäuser im Land, so Flessa. Damals bedeuteten zum Beispiel Zwei-Bett-Zimmer Fortschritt, heute ist es der Gedanke der Nachhaltigkeit. Die neue Regiomed-Klinik, das "Green Hospital", setzt wiederum bundesweit Maßstäbe.

Unglaubliches wurde im Landkreis Lichtenfels geleistet, Unglaubliches gestemmt, finden die beiden Geburtshelfer. "Allen voran vom Altlandrat Reinhard Leutner und dem damaligen Geschäftsführer des Klinikums, Helmuth Zimmermann, von Landrat Christian Meißner, von Klinikdirektorin Eva Gill sowie vom Regiomed-Hauptgeschäftsführer, Joachim Bovelet", so Flessa weiter.

Trotz aller Modernität sei nicht auf Bewährtes verzichtet worden. "Ich bin dankbar, dass wir unser Kinderzimmer und unsere Kinderkrankenschwestern auch im neuen Haus haben dürfen." Kinderzimmer seien früher gang und gäbe auf den Entbindungsstationen gewesen. "Die Neugeborenen wurden bei Bedarf von Kinderkrankenschwestern in einem gesonderten Bereich umsorgt", blickt die Leitende Hebamme zurück. Später wurden Familienzimmer in den Kliniken etabliert: Mutter, Kind und immer öfter auch der Vater verbringen die ersten Tage nach der Geburt gemeinsam.

"Mit dem Kinderzimmer im Green Hospital können die jungen Mütter unkompliziert die ersten Tage verbringen. Rooming-In, Familienzimmer oder Versorgung im Kinderzimmer, so wie es die Mutter, die Eltern wollen und brauchen, das empfinde ich als perfekt", beurteilt Flessa das Konzept der Klinik, an der er arbeitet.

Auch Skurriles gab es: In den 1980er-Jahren kamen am selben Tag ein Mädchen und ein Junge im Klinikum Lichtenfels zur Welt. Nebeneinander lagen die beiden Kleinen im Kinderzimmer in ihren Bettchen. Später wurde aus den beiden ein Ehepaar. Ihr erstes Kind kam am gleichen Tag und Monat im Klinikum Lichtenfels zur Welt wie seine Eltern, das erste Geschwisterchen suchte sich ebenfalls den gleichen Tag und Monat aus und wurde ebenfalls im selben Kreißsaal im Klinikum Lichtenfels geboren. "In der Familie wird seitdem ein Vierfach-Geburtstag gefeiert", sagt Hebamme Martina und schmunzelt.

Auch an Geburten im Taxi direkt vor der Klinik erinnert sich die Hebamme. Vor zwei Jahren war wieder ein Baby schneller als der Fahrer: Diesmal kam das Baby im Privatauto vor der Pforte des Klinikums zur Welt.

"Das passiert schon immer wieder mal", stellt Luise Köster fest. Sie ist seit 42 Jahren Hebamme im Lichtenfelser Krankenhaus. Und ihre Kollegin Sigrid Löser ergänzt mit ihren 40 Berufsjahren: "Wir entbinden mittlerweile junge Mütter, die wir auf die Welt gebracht haben." Trotz der jahrzehntelangen Erfahrung und Routine, sei jedoch jede Geburt anders und werde mit Ehrfurcht und Respekt behandelt: "Jede Geburt ist etwas Besonderes."

Seit den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es gesellschaftliche Veränderungen in der Geburtshilfe. "Die Mütter sind im Durchschnitt älter, es gibt mehr Kaiserschnitte", erklärt Andreas Flessa. Einerseits seien Ängste vor der natürlichen Geburt Ursache, zum anderen würden Kaiserschnitte als unkomplizierter und der Geburtstermin als planbar erachtet. In letzter Zeit gehe es wieder vermehrt Richtung "natürliche Geburt".

Zur Normalität gehört heute, dass die Väter bei der Geburt im Kreißsaal dabei sind und auch an den Informationsveranstaltungen der Geburtshilfe teilnehmen. "Für manche werdenden Väter ist die Geburt eine schwierige und ungewohnte Situation, weil viele sich nicht aktiv dabei fühlen. Dabei ist alleine die Anwesenheit des Partners für die werdende Mutter enorm wichtig", meint Martina Behr. Das vielzitierte starke Geschlecht werde dabei nicht selten ganz schwach, ergänzt Chefarzt Flessa mit einem wissenden Lächeln

Unmittelbar bevor die Türen des Helmuth-G.-Walther Klinikums geschlossen wurden, kam am 21. Juli 2018 um 5.16 Uhr ein 3140 Gramm schweres, gesundes Mädchen auf die Welt. Und keine sieben Stunden später wurde im neuen Klinikum um genau 12 Uhr ein weiteres mal das Geschenk des Lebens gefeiert: mit Sebastian, einem 3970 Gramm schweren und gesunden Jungen.