Der Turm der alten Mälzerei muss nun doch weichen. "Während der Abbrucharbeiten am Mälzereigebäude haben wir festgestellt, dass sich unter dem Turm Hohlräume befinden, möglicherweise ehemalige Kellergewölbe", sagt Kreisbaumeister Stefan Weisser. "Wir haben die Meinung eines Statikers eingeholt, und der sagte ganz klar, dass es besser wäre, den Turm ebenfalls abzureißen."

Der Landkreis musste handeln

Im Juni hatte der Abriss des alten Mälzereigebäudes in Maineck begonnen, das seit Jahren zusehends verfallen war. Das Dach war undicht, aus der Mauer sprossen Gras und Birkenstämme. Als im März ein Teil der Fassade in den Garten des Nachbargrundstücks stürzte, musste gehandelt werden. Das Gebäude befindet sich in Privatbesitz, doch der Eigentümer hat kein Geld. Weil weitere Fassadenteile auf die Straße zu stürzen drohten, musste der Landkreis die Sache in die Hand nehmen. Der Kreisausschuss beschloss, das Gebäude abreißen zu lassen. Der Turm, hieß es damals, könne aber stehen bleiben.

"Die Hohlräume waren vorher nicht ersichtlich, der Turm schien stabil", erklärt Weisser. "Als wir jedoch den Keller des abgebrochenen Mälzereigebäudes mit Taschenlampen abgegangen sind, konnten wir sehen, dass das Gewölbe, beziehungsweise der Hohlraum, weitergeht, und sich bis unter den Turm erstreckt." Der Turm sei noch nicht akut einsturzgefährdet. "Aber er ist eben statisch gesehen nicht mehr ausgesteift, nicht mehr dauerhaft stabil." Auch die Deckenkonstruktion sei nicht mehr einwandfrei. "Der Zustand des Turms würde sich in den kommenden Jahren verschlechtern, so dass sich ein Abbruch auf lange Sicht nicht vermeiden ließe."

Schwerer Spezialbagger rollt an

Mit den Abbrucharbeiten wird bereits heute oder morgen begonnen, die Baufirma ist schon vor Ort. "Das wird ziemlich aufwändig", so Weisser. Die Firma braucht einen Spezialbagger, der so schwer ist, dass schon für den Transport eine Sondergenehmigung nötig ist. "Außerdem kann nur von einer Seite aus gearbeitet werden, weil der Turm an drei Seiten von angrenzenden Gebäuden umgeben ist." Diese müssten außerdem für den Verlauf der Abbrucharbeiten gesichert werden. Etwa 14 Tage wird der Abriss dauern, schätzt Weisser.
Die Malzfabrik selbst ist inzwischen abgebrochen, bis auf die Rückwand, die stehen bleiben wird. Die Arbeiten sind aber noch nicht abgeschlossen. "Der Bauschutt muss noch geschreddert werden, damit werden die Kellerräume aufgefüllt, so dass wir eine stabile, saubere Fläche haben", erläutert Weisser.

"Ein Denkmal geht verloren"

Die alte Mälzerei und der Turm waren prägend für das Ortsbild von Maineck. Bald wird beides verschwunden sein. "Das ist wirklich traurig", sagt Günter Dippold, Kultur- und Heimatpfleger für den Regierungsbezirk Oberfranken. "Da geht ein wichtiges Industriedenkmal unserer Region verloren." Nicht nur, weil sie optisch ansprechend seien, etwa wie barocke Kirchen, seien Baudenkmäler erhaltenswert. "Ein Denkmal dokumentiert Geschichte. Mälzerei und Turm in Maineck erinnerten an die Industriegeschichte der Gegend." Denn auch im ländlichen Franken habe die Industrie Fuß gefasst und war für das Leben der Menschen von großer Bedeutung. "Ein wichtiges Zeugnis hierfür ist jetzt weg."

Der Abbruch sei aber nur die Konsequenz des jahrelangen Leerstands. "Ein Denkmal soll genutzt und mit Leben erfüllt werden." Gut gelungen sei das etwa bei der alten Schuhfabrik in Altenkunstadt, die jetzt ein Wohngebäude ist. "Eine alternative Nutzung für die Malzfabrik wäre wünschenswert gewesen. Sie stand ja schon seit 30 Jahren still." Was gefehlt hatte, sei der Investor gewesen.
Dippold: "Wenn das Gebäude in München gestanden hätte, wäre die Sache sicher anders ausgegangen."