Vor Peter Franz und Steffen Blau liegen viele Broschüren auf dem Tisch. Sie wollen sich umfassend zu der Kommunalwahl informieren und am 16. März wählen gehen. Die beiden haben Lernschwierigkeiten, und viele Informationen und Begriffe aus der Politik bereiten ihnen Schwierigkeiten. In ihren Wohngruppen in der Regens-Wagner-Einrichtung werden sie bei der Vorbereitung von vielen aktiven Mitarbeitern unterstützt.

Damit Peter Franz und Steffen Blau wissen, was im Wahllokal auf sie zukommt, bereiten sie sich sorgfältig vor: Beim Gruppenabend haben sich alle gemeinsam die Stimmzettel angesehen, und die Betreuer haben ihnen erklärt, wie viele Kreuze sie auf welchem Zettel machen dürfen. "Das ist nicht so einfach", sagt Steffen Blau.

Gute Vorbereitung ist wichtig

Steffen Blau erinnert sich an die Vorbereitungen zu der Bundestagswahl vergangenen September: "Die Mitarbeiter haben es erklärt - dann hab ich es auch gecheckt." Und Peter Franz weiß noch ganz genau, wie er sich nach der Wahl gefühlt hat: "Ich war glücklich, dass ich gewählt hab."

Um den Bewohnern von Regens Wagner die Bürgermeisterkandidaten und ihre Parteien vorzustellen, hat der Heimbeirat Wahlveranstaltungen organisiert. Peter Franz hatte sich sehr gut vorbereitet und glänzte in der Diskussion. Er fühlte den Politikern auf den Zahn und wollte ganz genau wissen, was sie vorhaben. Es sei schön, wenn man die Politiker auf der Straße erkennt, sagt Peter Franz.

Er interessiert sich besonders für die lokale Politik. Wichtige Themen sind für ihn die Förderungen von Kindergärten und der Straßenbau. Das Interesse für die Wahlveranstaltungen wuchs nach und nach bei den Bewohnern der Regens-Wagner-Einrichtung. "Keiner wird gezwungen", betont Stefan Schulte, Wohngruppenleiter. Interesse werde gefördert und Informationsmöglichkeiten angeboten. "Eine individuelle Vorbereitung ist sehr wichtig", sagt Schulte. Aber wie überall sonst auch gibt es einige, die keine Lust oder kein Interesse haben, sich mit der Politik auseinander zusetzen.

In Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung hat das Team um Irmgard Bandura, Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung, ein Wahl-Hilfe-Heft herausgegeben. Das Interesse sei sehr groß, und die gedruckten Auflagen waren schnell vergriffen. Hauptabnehmer für dieses Heft sind unter anderem auch Schulklassen, die das Heft als Unterrichtsmaterial bestellt haben.

Langsam stellt sich die Politik auf die Bedürfnisse von Behinderten ein. Fast jede Partei habe inzwischen eine entsprechende Broschüre mit Leichter Sprache, sagt Stephanie Pfadenhauer, Bereichsleiterin einer Wohngruppe. Es werde leichter für die Behinderten, seit die Behindertenrechtskonvention in Kraft getreten ist. Immer noch zu langsam, aber immerhin.

Wählen im Wahllokal

Steffen Blau und Peter Franz wollen am 16. März ins Wahllokal gehen und dort ihre Stimmen abgeben. Susan Hayessen, Öffentlichkeitsarbeit Regens Wagner, betont, dass das für die Behinderten wichtig sei: "So gehören sie dazu und sind Teil der Gesellschaft. Sehen und gesehen werden - das ist wichtig."

"Manche wollen ganz allein ins Wahllokal gehen", berichtet Stefan Schulte, so wie Peter Franz. Andere bitten um Begleitung, denn der Weg ist nicht immer leicht. Steffen Blau muss mit seinem Rollator zuerst das Kopfsteinpflaster in Burgkunstadt überwinden und dann in das Wahllokal hineinkommen. Es ist für Menschen mit Behinderung wichtig, dass das Wahllokal barrierefrei ist. Und auch für ältere Menschen oder Kinderwagen sind ebenerdige Eingänge oder Rampen nützlich. Auch wenn er seine Schützlinge ins Wahllokal begleite, stellt Stefan Schulte klar: "Wir assistieren nur. Beispielsweise beim Falten der großen Stimmzettel."

Mit der sorgfältigen Vorbereitung in Regens Wagner sind Steffen Blau und Peter Franz bestens für die Kommunalwahl gerüstet.