Wann es das letzte Mal so wenig Futter gab? Josef Zenk muss kurz überlegen. "Das war 1976. Damals haben wir dann Stroh mit Zuckermelasse gemischt, damit es die Kühe gefressen haben." Doch zu dieser Zeit habe man noch keinen Mischwagen gehabt wie heute. So richtig gut klappte das Vermengen damals nicht. Meist fraßen die Kühe die süßen Ecken, das Stroh blieb liegen.
Heute kann man zwar besser Mischen, doch das grundsätzliche Problem bleibt: Das Futter muss eine gewisse Qualität aufweisen. Und deshalb bringt eine Entscheidung des bayerischen Landwirtschaftsministeriums, dass man aufgrund der Futtermittelknappheit Gras aus brachliegenden Flächen im Landkreis zum Verfüttern verwenden kann wenig. "Das ist kaum zu gebrauchen", sagt Hans-Jürgen Rebelein, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Lichtenfels.
80 Milchkühe und 40 Jungrinder stehen im Stall von Edeltraud und Josef Zenk am Ortsrand von Stublang. "Etwa 40 Kilogramm Futter braucht eine Milchkuh am Tag", sagt Sohn Georg. Es ist eine Mischung aus Grass- und Maissilage sowie Kraftfutter und Getreide. Etwa vier Tonnen werden täglich an die Tiere im Stall verfüttert.


Ein Drittel zu wenig

Auf rund 110 Hektar Fläche, 30 Hektar Wiese, 15 Hektar Luzerne, 15 Hektar Mais und 50 Hektar Getreide, konnten Zenks in normalen Jahren bisher genug ernten, um die Tiere durchzufüttern. Es war sogar noch etwas für den Verkauf übrig. In diesem Jahr, so zeichnet es sich ab, werden sie rund ein Drittel des Futters zukaufen müssen, ein Schaden von insgesamt um die 20 000 Euro. Immerhin, am Markt gibt es aktuell noch genug: "Es ist noch Futter vorhanden, aber das muss man sich sichern", sagt Georg Zenk.
Dazu kommt, dass den Kühen die Hitze nicht behagt: "Die idealen Temperaturen für Kühe sind um die 15 Grad", sagt Kreisbauer Manfred Bienlein.
Rund vier bis acht Prozent weniger Milch geben die Tiere bei solchen hohen Temperaturen wie in diesem Jahr, dazu ist auch der Gehalt an Fett und Eiweis geringer. Das führt aktuell zu weiteren Mindereinnahmen, mindestens 1000 Euro im Monat. Inzwischen läuft eine Diskussion, ob und wie nun notleidenden Landwirten geholfen werden kann. "Die Politik will vermutlich erst einmal die Ergebnisse der Ernte abwarten", meint Hans-Jürgen Rebelein, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes Coburg/Lichtenfels (BBV). "Oft gab es in der Vergangenheit nur verbilligte Darlehen als Liquiditätshilfe", sagt Kreisbauer Michael Bienlein.