Der milde Winter und der frühe Frühlingseinbruch sind für viele Menschen ein Grund zur Freude. Die Schattenseiten dieser ungewöhnlichen Klimaentwicklung zeigen sich in den Wäldern und auf den Wiesen, auch im Landkreis Lichtenfels. Ein Blick auf die Internetseite des Deutschen Wetterdienstes (DWD) lässt in Sachen Waldbrandgefahr nichts Gutes erahnen. Viele Stationen, wie Kronach oder Bamberg, meldeten in dieser Woche die zweithöchste Warnstufe vier. Zum Ende der Woche geht es auf drei runter.

"Der Sommer könne auch verregnet werden, das kann man nie genau wissen", sagt Förster Hermann Hacker. Er ist zuständig für den westlichen Landkreis Lichtenfels und den südlichen Coburger Landkreis. Im Seerangen bei Horsdorf geht Hacker ein Stück in den Kiefernwald hinein. Vertrocknete Blätter aus dem Herbst, ein wenig Totholz und Frühjahrsblüher säumen den Waldboden.


Zu wenig Regen seit November

Er tritt in den Boden: "Ein wenig trocken ist es schon", sagt Hacker. Von einer akuten Waldbrandgefahr könne aber keine Rede sein, beschwichtigt der Förster. Aber er sagt auch: "Seit November haben wir ein Niederschlagsdefizit von 20 bis 30 Prozent."

Die Ursache für den "extrem trockenen März" kennt Hacker genau: Der Klimawandel sei schuld. Es gebe viel öfter das gleiche Wetter. Entweder Trockenheit, wie zurzeit, oder ein zu nasser Sommer wie im vergangenen Jahr. "Der Klimawandel neigt zu Extremen." Der 62-jährige kann die Ursachen dafür auch erklären: Der Jetstream wird langsamer und der Polarwirbel schwächer - zwei Wetterküchen für das globale Klima verändern sich und das hat auch Auswirkungen auf das Wetter über Europa.


Nadelwälder sind feueranfälliger

Zwar seien die Wälder in Hackers Bereich generell weniger anfällig für Waldbrände, denn es sind hauptsächlich Laubwälder, deren Bäume wenig Harz haben. Aber bei Nadelhölzern, wie bei Horsdorf ist die Gefahr größer. Es komme auch immer darauf an, was auf dem Waldboden liegt. Viel Totholz sei zwar aus Naturschutzgründen gewünscht und sinnvoll, denn viele bedrohte Arten seien auf diesen Lebensraum angewiesen, aber es vergrößere die Gefahr eines Feuers. Für den Wald ist Feuer aber nur eine einzelne Bedrohung. Hacker sieht den Borkenkäfer als weitaus gefährlicher.


Gefahr Borkenkäfer

"Die meisten Insekten lieben Wärme und Trockenheit. Der Borkenkäfer kann so eine dritte Generation hervorbringen. Von einem befallenen Baum werden dann 50 weitere infiziert", erklärt Hacker. Dennoch gibt es strenge Regeln für den Umgang mit Feuer im Wald: "Jedes Feuer, auch von Waldbesitzern, muss der Feuerwehr gemeldet werden, und von März bis Oktober besteht Rauchverbot im Wald", betont Hacker.

Besonders gefährlich wird es immer dann, wenn der Mensch ins Spiel kommt. Das bekam die Lichtenfelser Feuerwehr am 31. März zu spüren.


Wiesenbrand in Lichtenfels

Auf einer Wiese in der Mainau, hinter einem Drogeriemarkt hatten, laut Polizei, vermutlich Kinder mit Feuerwerkskörpern gespielt. Ein Feuer brach aus.

"Es war schnell gelöscht, und wir mussten das Übergreifen auf die Hecke verhindern", sagt Peter Hönninger, Kommandant der Feuerwehr Lichtenfels. Aber dass solch ein Brand überhaupt entsteht sei für die Jahreszeit schon ungewöhnlich.

Warnstufen wie im Sommer

"Die aktuellen Werte des Waldbrandgefahren-Index haben wir normalerweise im Sommer. Für März und April ist das schon sehr ungewöhnlich", sagt Hönninger. Von allen Brandarten sei der Waldbrand einer der schwierigsten, denn es brenne auch unterirdisch weiter, und die Zufahrt mit Fahrzeugen sei kompliziert. Hönninger und einige Kollegen waren am Donnerstag in Ulm, um das erste von fünf neuen Feuerwehrfahrzeugen abzuholen, die verschiedene Kommunen gemeinsam angeschafft haben. "Ein Tanklöschfahrzeug mit 4000 Litern. Es ist auch für die Bekämpfung von Waldbränden geeignet."