Der Flugplatz der Modellfluggruppe (MFG) Phoenix-Lichtenfels liegt mitten in einer Felderlandschaft zwischen Wolfsloch und Zeublitz. Am Dienstagvormittag herrscht dort reger Betrieb. Einige der Vereinsmitglieder haben sich extra frei genommen. Doch zum Spaß sind sie heute nicht hier. Hoher Besuch hat sich angekündigt: Das Landratsamt Lichtenfels und das Luftamt Nürnberg wollen ihre kleinen Flieger genau untersuchen und messen, wie laut diese Modellflugzeuge sind. Den Anlass dazu gab eine Beschwerde von einer Familie, die am Ortsrand von Wolfsloch wohnt. Ihre Namen möchten sie aber nicht in der Zeitung lesen, sich zum Sachverhalt äußern ebenfalls nicht.

Die Beschwerde hat sie beim Landratsamt eingereicht, mitsamt genauer Auflistung der vermeintlichen Vergehen der MFG. Sieben Stück hat die Familie im Zeitraum vom 7. Mai bis 18. Juni aufgeschrieben. Im Grunde geht es einerseits darum, dass die Flieger zu nahe an das Anwesen der Familie geflogen seien, beziehungsweise darüber. Der zweite Grund: Die Flieger seien zu laut. Letzteres wollen die Ämter nun überprüfen.

Reiner Lux vom Luftamt baut sein Schallpegelmessgerät auf. Es nimmt alle Geräusche der Umgebung auf und speichert diese als Audiodatei, erklärt er. Im erstellten Diagramm kann er dann das jeweilige Fliegermodell erkennen und herausfiltern.


Amt legte Höchstwert fest

Als die MFG die Anlage im Jahr 2009 gepachtet hatte, legte das Landratsamt fest, in welcher Lautstärke der Schall am Wohngebiet in Wolfsloch höchstens ankommen darf: Das sind 55 dB/A. "Damals wurde das aufgrund eines Standardverfahrens bewertet", erklärt Lux. Es gebe dafür Abstandstabellen, "die basieren auf einem ganz starken Sicherheitspuffer, sodass ausgeschlossen wird, dass die Pegelgrenze im Wohngebiet überschritten wird", sagt Lux.

Das Landratsamt hat im Rahmen des Genehmigungsverfahrens 2010 auch nachmessen lassen, erklärt Pressesprecher helmut Kurz. Damals wurden die zulässigen Werte eingehalten. "Aufgrund dieser Messung war seitens des Lärmschutzes der Flugbetrieb auf dem geplanten Fluggelände nicht zu beanstanden", schreibt Kurz.

Die Flieger werden zunächst im Stand gemessen. Dabei geht es um die Modelle mit Verbrennungsmotor, mit denen der Verein aber nur noch in etwa fünf Prozent aller Fälle fliege, sagt Vorstand Jürgen Christ. Diese dürfen einen Pegel von 77 dB/A nicht überschreiten. Dabei zählt die Messung aus 25 Metern Entfernung. An drei verschiedenen Punkten prüft Lux dies nach. Jeweils 30 Sekunden lang sollen die Flieger "Vollgas" geben. Der Verein hat hierfür die jeweiligen Modelle ausgewählt, die in der Beschwerde auftauchten. Dazu noch das lauteste Modell, dass im Verein geflogen wird.

Als nächstes bewegt sich der Tross zum Haus der Beschwerdeführer. 630 Meter entfernt lassen die Modellflieger auf dem Platz ihre Maschinen mit Verbrennungsmotor aufsteigen. Maximal drei Stück dürfen gleichzeitig fliegen, sofern jede einzelne eine Lautstärke von 72 db/A nicht überschreitet.

Die endgültigen Ergebnisse kann Lux heute noch nicht präsentieren. Die Auswertung werde noch etwa zwei Wochen dauern. Seiner ersten vorsichtigen Einschätzung nach, seien die Vorschriften allerdings eingehalten worden.


Beweismaterial fehlt

Natürlich ändert dies nichts daran, dass die Geräusche für die Wolfslocher Familie "subjektiv" - wie es in der Beschwerde heißt - immer noch zu laut sind. Ob die Flieger ihrem Haus in der Vergangenheit tatsächlich zu nahe gekommen sind - vorgeschrieben sind hier 50 Meter Abstand - lässt sich durch den heutigen Test freilich nicht nachweisen. Hier steht zunächst Aussage gegen Aussage. Die Mitglieder des MFG beteuern, dass sie gar nicht so weit fliegen könnten, sonst würden sie ihr Flugzeug aus den Augen verlieren. Reiner Lux legt der Familie nahe, einfach Fotos zu schießen und sie ihm zukommen zu lassen, damit sich auch dieser Teil des Streits klären lassen kann.