Liebe und Sexualität sind Themen, die Jung wie Alt betreffen. Aber die jungen Mädels und Jungs müssen erst behutsam an das Thema herangeführt werden. Eine Aufgabe, der sich Sandra Hollmach, Lehrerin für Biologie und Chemie an der Viktor-von-Scheffel Realschule, widmet. Dabei geht es nicht bloß um eine Einführung in das Thema, sondern auch darum, verzerrte Vorstellungen aus dem Internet zu korrigieren.

Entwicklung der Kinder wichtig

Der Lehrplan sieht den Einstieg in das Thema in der fünften Klasse vor. Doch habe man sich an der Schule darauf geeinigt, es erst in der sechsten Klasse anzupacken. Denn, so Hollmach, die Schüler seien nach dem Schulwechsel noch sehr kindlich, unsicher und würden schnell überfordert. Sie befänden sich noch in der Phase, in der man nichts oder nur wenig mit dem anderen Geschlecht zu tun haben will. "Für die Kinder ist es besser von ihrer Entwicklung später zu beginnen", sagt sie.

Dem Alter entsprechend wird im Biologie-Unterricht auf die anstehenden körperlichen Veränderungen eingegangen. Die Geschlechtsorgane, Hygiene und die Reifungszeit werden behandelt. Also das Wachstum und die Entwicklung stehen im Fokus und bereiten so auf das Kommende vor. Die Kontakte seien eher freundschaftlich. Aktiver würden die Kinder erst in der siebten und achten Klasse.

Wenn es für die Jungs und Mädels konkreter wird, folgt dem auch der Unterricht: Periode, Verhütung, morgendliche Erektion. Dabei geht Sandra Hollmach sehr behutsam vor und orientiert sich auch an den Schülern. Daher wird die Klasse in Jungs und Mädels getrennt. Auch, um die Scham, über solche Themen vor der Klasse zu sprechen, zu verringern. "Die Kinder dürfen vorher anonym Fragen stellen", sagt sie, denn manche könnten zu Hause nicht nachfragen. Hollmach versucht außerdem, sich mit Meinungen zurückzuhalten.

Im Internet findet man alles

Damit setzt sie einen fundierten Gegenpol zu den Videos, die man zum Thema Sexualität im Internet finden kann. Denn das Interesse der Kinder sei auf jeden Fall da. "Die Kinder haben mehr Möglichkeiten, Informationen zu bekommen", schildert Hollmach ihre Beobachtungen, betont aber auch: "Ihnen fehlt manchmal die Möglichkeit, darüber zu sprechen."

Sie seien aufgeschlossen und kämen auch nach dem Unterricht zur Lehrerin. Der erste Weg führt aber oft ins Internet. Doch das Frauen- oder Männerbild sei dort oft mindestens fragwürdig, meint Hollmach. "Das Feedback fehlt", sagt sie. Alarmierend will sie aber nicht klingen. "Das prägendere Umfeld ist schon noch zu Hause." Das wird dann später auch in der zehnten Klasse unterrichtet werden. Dann geht es neben Vererbungslehre, genetischen Grundlagen und dem Ablauf einer Schwangerschaft auch um Erziehung und Familie. Die Frage, was ein Kind braucht, um aufzuwachsen, würde dann ebenso behandelt.

Die Sprache ist härter geworden

Außerdem werde die Lehrerin noch aus Autorität wahrgenommen, sagt Hollmach, die trotz dem Überangebot an Informationen Klarheit schaffen kann. Wichtig ist ihr vor allem, die Schüler zum Denken zu bringen.

Das betrifft auch die Sprache im Umgang miteinander. Denn da habe sich schon etwas verändert, meint die Lehrerin. Der Umgang sei härter geworden, was sie vor allem an der Sprache merke. Abwertende Ausdrücke höre sie schon häufig. Die kämen oft nicht von den Schülern selbst, sondern seien meist einfach nachgesprochen. "Die Kleinen wissen oft nicht, was sie sagen." Dem gehe sie aber entgegen. Etwa bei Witzen über Homosexuelle. "Die versuche ich, nicht als witzig dastehen zu lassen." Die Sprache übertrage sich aber nicht auf das Verhalten. Von Übergriffen und fehlendem Respekt kann die Lehrerin nicht berichten.

Im Gegenteil: Ab der siebten Klasse werden die Kinder aktiver. Vor allem die Mädchen seien mit ihrer Entwicklung etwas früher dran. In dieser Zeit entstünden die ersten Pärchen. Ob sie sich nun über das Internet informiert haben, oder von der Lehrerin Wichtiges gelernt haben: Auf dem Land trifft man sich vor allem bei Vereinen und Festen. Daran hat auch das Internet nichts geändert. So fügt Hollmach hinzu: "Letztlich kommt jeder zu Seinem."