Wie ein Puzzle setzen Archäologen an der Grabungsstätte Staffelberg die Spuren aus der keltischen Vergangenheit zusammen. Seit April sind sie dort zugange. Während Geschichtsinteressierte dies gespannt mitverfolgen, sind längst nicht alle Einheimischen von dem Projekt begeistert.

Das Zangentor der einstigen Befestigungsanlage konnte von den Experten in Position und wahrscheinlicher Größe nachgewiesen werden. Seine Rekonstruktion wird viel Geld kosten, auch wenn es zu einem beachtlichen Anteil Mittel der Europäischen Union sein dürften.

Wissenschaftlich fundiert soll das Ganze ablaufen, ein Schatz gehoben werden, der es erlaubt, als touristische Attraktion vermarktet zu werden.

Das wiederum treibt denen Sorgenfalten auf die Stirn, für die am Staffelberg schon jetzt oft viel zu viele Menschen sind. Es lässt sich also diskutieren über das, was aus den Erkenntnissen gemacht wird.

Fakt ist aber, dass es sich um spektakuläre Funde handelt. Ein Expertenvortrag in der letzten Kreistagssitzung des Jahres stellte dies unter Beweis.

Referent war Philipp Schinkel aus dem Team um Grabungsleiter Markus Schußmann. Der Archäologe sagte, er sei dankbar, am Staffelberg dabei sein zu dürfen, weil man es dort mit "Befunden mit Seltenheitscharakter" zu tun habe.

Anhand von Bildern und Skizzen gab er Einblicke in die harte Arbeit an der Grabungsstelle bei Wind und Wetter. Mal geht es sogar kopfüber, vom Kollegen an den Füßen gehalten, in ein Erdloch hinein, wie ein Foto dokumentiert.

Die Forscher gehen mittlerweile von einer 7,5 Meter breiten und acht Meter langen Toranlage mit zahlreichen Rückankern aus, was wiederum auf einen monumentalen Bau schließen lasse, wie Schinkel hervorhob. Man habe auch eine Pflasterung gefunden, die in Deutschland "ziemlich einzigartig" sei und von "viel Verkehr zeugt". Rechtsverkehr übrigens, auch dazu gibt es Anhaltspunkte. Ein rege befahrener Weg wiederum ist für ihn Beleg für "eine immens hohe Bedeutung" der keltischen Siedlungsanlage, wie man das nur aus dem Mittelmeerraum kenne. Der Archäologe glaubt auch, dass das Torhaus mehrere Stockwerke gehabt haben muss. Anlass zu dieser Annahme geben die Proportionen: "Sonst wären die Mauern überdimensioniert" und versperrten die Aussicht.

Zu den Funden, die Begeisterung auslösen, gehören auch Reste von mindestens zwölf menschlichen Schädeln, die in Aussparungen der 65 Zentimeter breiten Steinpfosten platziert waren. Vergleichbares kenne man nur von keltischen Heiligtümern, sagte Philipp Schinkel. Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: "Heute verliert man auf dem Staffelberg nicht mehr so leicht seinen Kopf!" Und verband dies mit einer Einladung, doch im nächsten Jahr einmal bei den Grabungsarbeiten vorbeizuschauen. Mindestens bis zum Mai/Juni werden die wohl noch andauern, wie zu erfahren war.

Landrat Christian Meißner (CSU) zollte dem Archäologenteam Anerkennung und kündigte an, man werde sich Gedanken machen müssen, wie die Rekonstruktion aussehen könnte. Bekanntermaßen wird das benötigte Eichenholz von den Bayerischen Staatsforsten zur Verfügung gestellt. Dass es allein aus dem Landkreis Lichtenfels kommen wird, davon ist nach den geschilderten Größenverhältnissen und dem daraus abzuleitenden Bedarf nicht mehr auszugehen.

Falls sich einer der Kreisräte wundern sollte, dass unter den Anschaffungen des Landkreises im abgelaufenen Jahr zwei Weinkühlschränke aufgelistet sind, gab Meißner hierzu die Erklärung: Darin würden diverse archäologische Fundstücke gelagert - bei der richtigen Temperatur.