Die Förderzusage für die Deichnachrüstung ist schon zehn Jahre alt, jetzt rückt ein möglicher Baubeginn in Sichtweite. In diesem Herbst könnte mit den ersten Bauabschnitten begonnen werden - wenn die Zustimmung des Bayerischen Umweltministeriums wie erwartet erfolgt. Aus dessen Etat nämlich wird der Hauptanteil des mit 8,25 Millionen Euro veranschlagten Vorhabens finanziert. Der Gemeindeanteil beliefe sich nach den jüngsten Berechnungen auf knapp unter einer Million Euro. Dem stimmte der Gemeinderat am Mittwochabend einmütig zu.

Wartungsaufgaben abstimmen

Abstimmungsbedarf besteht noch, was die Unterhaltsverpflichtung der Gemeinde anbelangt. Wie der für den Landkreis Lichtenfels zuständige Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamtes Kronach, Matthias Trau, erläuterte, wird der Aufwand der Gemeinde für Leistungen wie Grasmähen auf den Deichen oder Wartungsarbeiten in den Pumpengebäuden von deren Eigenanteil abgezogen. Die hierfür angesetzte Summe von rund 250 000 Euro entsprach allerdings nicht den Erfahrungswerten der Gemeindeverwaltung, die von ziemlich genau den doppelten Kosten ausging. Sollte dies nicht entsprechend abgeändert werden, würde die Gemeinde Michelau lieber die 250 000 Euro zusätzlich bezahlen und damit von den künftigen Unterhaltsaufgaben entbunden sein, wie Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) anmerkte, der von einer "sehr teuren und hochwertigen Maßnahme" sprach. Die ersten Kostenschätzungen von vor zehn Jahren waren von einer weitaus niedrigeren Gesamtsumme - etwa 4,8 Millionen Euro - ausgegangen. Hauptgrund für die Verteuerung sind die beiden neuen Bauwerke für den Hochwasserschutz, die sich inzwischen als erforderlich herausgestellt haben: die Schleuse am Mühlbach mit zwei Schiebern und ein neues Pumpwerk bei der Kläranlage, das 7500 Liter in der Sekunde schafft. "Michelau hat sich entwickelt, es gibt mehr versiegelte Fläche seit dem Bau des alten Pumpwerks", erklärte Diplom-Ingenieur Richard Lieb vom Wasserwirtschaftsamt diese Erfordernis.

Michelau wird derzeit von rund 4,5 Kilometer langen Deichen vor Hochwasser geschützt. Die werden aber nach den aktuellen Bemessungsgrundlagen inklusive eines "Klimazuschlages" von 15 Prozent an den meisten Stellen für nicht ausreichend hoch erachtet, um einen Schutz vor einem hundertjährigen Hochwasser - die Fachleute nennen es "HQ 100" - zu gewährleisten. Hierbei sollte ein "Freibord" von 70 bis 100 Zentimetern bestehen. Unter "Freibord" versteht man den Abstand, der zwischen der Wasseroberfläche bei Hochwasser bis zur Deichkrone noch verbleibt. Es gibt in Michelau auch keinen durchgängigen Deichhinterweg. An die 1100 Häuser und 30 Gewerbebetriebe wären im Katas trophenfall betroffen - ein immenses Schadenspotenzial.

Immenses Schadenspotenzial

Nicht zuletzt angesichts des verheerenden Hochwassers 2013 in Niederbayern und der Befürchtungen von Klimaforschern, dass künftig häufiger mit Starkregen und Überflutungen zu rechnen sein werde, dürfte der Wunsch nach optimalem Schutz in der Bevölkerung gestiegen sein. Der Michelauer Bürgermeister räumte ein, dass auch er die Lage in seiner Gemeinde heute nicht mehr so entspannt beurteilt wie noch vor einigen Jahren.
Wie die Experten des Wasserwirtschaftsamtes bei der Deichnachrüstung in Michelau konkret vorgehen wollen, interessiert die Bürger. Dies wurde durch die für eine Gemeinderatssitzung außergewöhnlich vielen Zuhörer deutlich. Richard Lieb erinnerte daran, dass man sich in einem Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet befinde und Eingriffe in dieses Schutzgebiet so gering wie möglich zu halten seien. Der Deich-Abschnitt nahe dem Biberbach werde als erster in Angriff genommen, wozu der Bachlauf geringfügig verlegt werden müsse.

Durch das Einbringen von Stahl-Spundwänden können die Deiche erhöht werden, ohne dass dem Fluss in der Aue Ausdehnungsfläche weggenommen wird. Zudem stabilisiert nach Einschätzung der Fachleute diese Methode einen Damm zusätzlich und hat in Michelau den Vorteil, dass kaum Eingriffe in Privatgrundstücke erforderlich werden. Höher als 1,40 Meter werden diese Wände nicht herausschauen, versicherte Lieb, an manchen Stellen gar nicht. In Schwürbitz ist der Bau einer 300 Meter langen, 1,45 Meter hohen Mauer am Festplatz vorgesehen. Eine mobile Lösung konnte der Ingenieur aufgrund des immensen logistischen Aufwands und der höheren Kosten nicht befürworten. Der Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamtes, Matthias Trau, machte deutlich, dass es nur im Gesamtpaket Aussicht auf besseren Hochwasserschutz für diesen Ortsteil gibt und man auf Zustimmung des Ministeriums hoffe. "Als Einzelmaßnahme würde in Schwürbitz in den nächsten 20 Jahren nichts gebaut."