Weniger als zehn Sekunden waren im zehnten und letzten Kampf am Freitagabende noch zu gehen. Die Stimmung in der AC-Halle war prächtig. Wäre nun Schluss gewesen, der AC Lichtenfels hätte mit 13:12 seinen ersten Sieg in dieser Ringer-Bundesliga-Saison gefeiert.

Entscheidung fast mit dem Schlussgong

Doch Krum Chuchurov musste - bei einem 12:13-Rückstand ins Duell mit dem neuen Kilo schwereren Alexander Michael gegangen - nach seiner 5:2-Führung noch einen Konter und einen Durchdreher nahezu mit dem Schlussgong zulassen, der zum 5:5-Ausgleich führte. Das gesamte Nürnberger sprang jubelnd auf die Matte, um ihren Ringer zu feiern. Die letzte Wertung gab den Ausschlag zugunsten der Mittelfranken, die mit dem 14:12-Sieg ihre Play-off-Hoffnungen wahrten. Enttäuschung dagegen im Lager des AC Lichtenfels - wieder wurde nach einem klasse Kampfabend ein Sieg knapp verpasst.

Venkov stolz auf die Mannschaft

Doch die Verantwortlichen waren nicht nur enttäuscht. Trainer Venelin Venkov sagte: "Mit unseren Möglichkeiten so einen Kampf abzuliefern, da kann man auch stolz auf die Leistung sein."

Routinier Tobias Schütz stieß ins gleiche Horn: "Kein Vorwurf an einen der Kämpfer. Wir haben alle unser Bestes gegeben. Wir hatten schon einmal einen solche Bundesliga-Saison, da lief es ähnlich wie in dieser. Immer fehlte ein Quäntchen zum Erfolg. Wir haben aber vor der Saison gesagt, dass wir mit unseren Jungs kämpfen wollen. In der Zwei-Klassen-Gesellschaft Bundesliga ist halt nicht mehr drin."

Savchev fehlt verletzt

So waren die Lichtenfelser vor dem Kampf als punktloses Schlusslicht natürlich wieder in der Außenseiterrolle. Erschwerend kam hinzu, dass mit Rumen Savchev, der in der Vorwoche verletzt von der Matte gegangen war, ein Leistungsträger fehlte. Da bekanntlich auch im Schwergewicht der Pole Kamil Kosciolek mit Kreuzbandriss ausfällt, gingen zwei Duelle mangels ernsthafter Alternativen von vornherein als Niederlagen in die Berechnungen der ACler ein. Dennoch bot die Mannschaft den Nürnbergern Paroli und war gleichwertig. Die Lichtenfelser um Griechisch-Trainer Venelin Venkov und Freistil-Coach Ali Hadidi präsentierten sich auf Augenhöhe.

57 kg, griechisch-römisch: Karen Zurabyan machte mit dem Nürnberger kurzen Prozess. Obwohl es für den Armenier nicht die gewohnte Stilart war, legte der Lichtenfelser nach 117 Sekunden mit der ersten Wertung los und hatte nach 2:25 Minuten die nötigen Punkte für einen technischen Überlegenheitssieg beisamen (4:0).

Meixner chancenlos im Schwergewicht

130 kg, Freistil: Halbschwergewicht Christoph Meixner stellte sich im Schwergewicht zur Verfügung und traf dort auf den 21-Kilo schwereren Daniel Ligeti. Ein Ansatz zum Armzug brachte den Lichtenfelser gegen den zweifachen ungarischen Olympiateilnehmer sogar in Führung. Doch danach machte der Nürnberger ernst und beendete nach 4:43 Minuten beim 17:2 den Kampf vorzeitig (4:4).

61 kg, Fr,: Ahmet Duman lieferte sich mit Nürnbergs Stoyan Iliev einen verbissenen Kampf, in dem der ACler aktiver war und nach der Pause sein Führung auf 8:4 ausbaute, was zwei Punkte aufs Mannschaftskonto gebracht hätte. Doch sechs Sekunden vor Schluss verkürzte Iliev noch auf 6:8 und ließ nur einen Zähler des AClers zu (5:4.)

Wagner kämpft schwedischen Spitzenmann nieder

98 kg, gr.-röm.: Hannes Wagner rückte für den Kampf gegen den drei Kilo schwereren Schweden Emil Sandahl ins Halbschwergewicht auf. Nachdem die erste Runde an den Gast gegangen war (0:1), beherrschte Wagner den zweiten Durchgang. In der Oberlage drehte er zur Begeisterung der Fans den Nürnberger zweimal durch, ehe der Gast noch einmal einen Punkt für Aktivität zugesprochen bekam. Doch das 5:2 reichte für zwei Teamzähler und die 7:4-Führung.

66 kg, gr.-röm.: Der 60-Kilo-Ringer Mario Petrov rückte eine Klasse höher und hatte gegen Deniz Menekse keine Chance. Nach einer knappen Minute ging der Gast in Führung. Es folgte eine Serie an Durchdrehern, ehe der Kampf nach 77 Sekunden beendet war (7:8).

Sokalski holt drei Punkte aufs ACL-Konto

86 kg, Fr.: Der Pole Andrzej Sokalski rang die erste Runde gegen Eduard Tatarinov verhalten. Erst in der letzten Minute baute der ACler seine Führung mit Zweierwertungen auf 10:0 aus und sicherte damit drei Mannschaftszähler zur Lichtenfelser 10:8-Führung.

71 kg, Fr.: Diese Führung baute Bastian Hoffmann im nächsten Kampf weiter aus. Gegen Adrian Barnowski gab er den ersten Punkt nach außen ab, ehe er noch vor Ende der ersten Runde zwei Angriffe zur 4:1-Führung ins Ziel brachte. Nach einem Gegenpunkt kam er drei weitere Male mit seiner Offensive zu Punkten. Nach der vollen Kampfzeit siegte Hoffmann mit 9:3 (12:8).

Schütz verhindert Schulterniederlage

80 kg, gr.-röm.: Tobias Schütz lieferte sich mit dem Ungarn Zoltan Levai einen offenen Schlagabtausch in der ersten Runde, in der der Nürnberger mit dem Gong mit 3:0 in Front zog. Danach gelang es Levai, die Offensive des Lichtenfelsers zu unterbinden und selbst zu punkten. In den Schlusssekunden stand Schütz vor einer Schulterniederlage, verhinderte die aber mit einem Kraftakt und ließ so beim 0:14 nur drei Punkte aufs Johannis-Konto zu (12:11).

75 kg, gr.-röm.: Achim Thumshirn zeigte gegen Anthony Sanders insgesamt einen starken Kampf. Allerdings wurde er schnell von einem Armzug des Nürnberger überrascht, der mit einem Vierer in Führung ging. Der ACler kam zwar gleich danach in die Oberlage und verkürzte auf 1:4, den Rückstand konnte er aber in der zweiten Runde nicht mehr aufholen, so dass beim 2:5-Endstand zwei Zähler aufs Gästekonto gebucht wurden.

75 kg, Fr..: Krum Chuchurov ging also bei einem 12:13-Rückstand gegen den neun Kilo schwereren Alexander Michael auf die Matte. In einem nervenaufreibenden Duell hätte sich Trainer Ali Hadidi dennoch eine aktivere Kampfführung des Bulgaren gewünscht, mit der es vielleicht nicht zum anfangs geschilderten dramatischen ausgang gekommen wäre." Tobias Schütz nahm den total enttäuschten Chuchurov aber in Schutz: "Was hätte machen sollen gegen einen deutlich schwereren Gegner?" us/dam