Am Samstagabend brannte in Altenkunstadt der Asphalt. Zumindest wenn man den Worten von Helmut Dorsch Glauben schenkte. Der kommentierte mit dem Herzblut eines Triathleten das 17. Radkriterium von Altenkunstadt, das unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters Georg Vonbrunn mit dem RV Concordia als Veranstalter Spitzenfahrer aus ganz Bayern und den benachbarten Bundesländern an den Obermain gelockt hatte.
In der Tat war es alles andere als ein Sonntagsausflug, sondern Rennradsport pur, was den zahlreichen Zuschauern entlang der Rennstrecke geboten wurde. Bis zu 60 Mal war beim Eliterennen der ein Kilometer lange Rundkurs zu durchfahren, so dass die Zuschauer ständig am Puls des Geschehens waren.
Start der insgesamt sechs Einzelrennen war an der Raiffeisenbank in der langgezogenen Theodor-Heuss-Straße. Von dort flogen die Fahrer durch die Rechtsanwalt-Kraus-Straße in Richtung Marktplatz, um sich dann in einer scharfen Linkskurve über die Klosterstraße in die Dr. Anton-Sattler-Straße zu werfen. Noch einmal wurde es eng und brenzlig an der Einmündung der Sattler-Straße in die Theodor-Heuss-Straße, wo es in den Vorjahren bereits heftige Stürze gegeben hatte.
Glücklicherweise blieben diesmal nahezu alle Fahrer von derartigen Blessuren verschont, und so flog das Feld geschlossen oder aufgereiht wie an einer Perlenschnur dem Ziel entgegen. Dort reckten die Zuschauer die Hälse, während der Luftsog des vorüberrauschenden Feldes bei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometer die Frisuren der Damen durcheinander wirbelte.

Punkte bei Wertungssprints

Laut Wettkampfbestimmungen für den Straßenrennsport ist ein Kriterium ein Rundstreckenrennen mit Punktwertung, was die Topathleten immer wieder zu heißen Zwischenspurts anspornte. Bei vorher festgesetzten Rundenzahlen werden Wertungssprints ausgefahren, wobei die ersten vier Fahrer 5, 3, 2 bzw. 1 Punkte erhalten. Die Schlusswertung zählt doppelt.
Sieger wird der Fahrer mit den meisten Runden beziehungsweise bei Rundengleichheit der Fahrer mit dem höchsten Punktekonto. Zusätzlich verkompliziert wird das Ganze durch Überrundungen und die unterschiedliche Bewertung von C- und B-Fahrern, so dass nicht unbedingt der Fahrer gewonnen hat, der am Ende als Erster durchs Ziel fährt.
Doch dass war für die meisten Zuschauer am Straßenrand ohnehin eher Nebensache. Sie bewunderten vielmehr die Leistungen der Athleten oder spendeten begeistert Beifall, wenn einer der Lokalmatadoren an ihnen vorüberflog.
Alle Altersgruppen waren am Start. Bei den Jüngsten (Jahrgänge 2000 bis 2003) im "Fette-Reifen-Rennen" machten die drei Altenkunstadter Sebastian Anton (Sieger), Dominic Schräffer (2.) und Marcel Büttner (3.) die Plätze unter sich aus, gefolgt von Johanna Müller-Bühn, die außer Konkurrenz ihre Altersgruppe gewann.
Außer Konkurrenz verlief auch die Showfahrt auf historischen Rennrädern, die zum Teil noch mit Holzfelgen und tiefliegender Schaltung ausgestattet waren. Wesentlich heißer ging es da schon bei den Senioren über die 40-Kilometerdistanz zu, wo sich Thomas Krön vom RMVC Strullendorf bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 41,61 km/h den Sieg sicherte.

Bamberger siegt im Hobbyrennen

Mit Matthias Jetschina (RVC Altenkunstadt) und David Janorschke aus Altenkunstadt gingen beim Hobbyrennen ab 18 Jahren zwei Lokalmatadoren über 15 Runden an den Start. Den Sieg holte sich allerdings David Groß aus Bamberg vor Jetschina. Janorschke wurde Vierter.
Das größte Teilnehmerfeld reihte sich beim Eliterennen über die 60-Kilometerdistanz hinter der Start- und Ziellinie auf. Und dann brannte tatsächlich der Asphalt, auch wenn Friedrich Meingast, der Mathe- und Physiklehrer aus Nürnberg, schon bald ein einsames Rennen an der Spitze fuhr. Kein Wunder, zählt der bayerische Vizemeister im Zeitfahren von 2012 doch zu den Besten in Deutschland.

44,29 km/h im Durchschnitt

Auch in Altenkunstadt bescherte er mit dem Gesamtsieg und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 44,29 km/h seinem Team Marinbikes einen beeindruckenden Erfolg. Der Lichtenfelser Nick Möller vom VC Ratisbona Regensburg konnte da nicht mithalten und belegte im Klassefeld des Eliterennens am Ende einen 15. Platz. Beachtlich war auch der vierte Platz des Nachwuchsfahrers Jonathan Dinkler vom LV Thüringen.