Andreas Dreitz hat Respekt. Einen Marathon ist er noch nie unter Wettkampfbedingungen gelaufen. Jetzt nimmt der gebürtige Michelauer die 42,195 Kilometer lange Laufstrecke erstmals in Angriff - und davor ist er dann schon 3,8 Kilometer geschwommen und 180 Kilometer Rad gefahren. Der 28-jährige Profi-Triathlet feiert am Samstag beim Ironman Emilia-Romagna (Italien) sein Debüt auf der Langdistanz.

Bisher war Dreitz vor allem auf der 70.3-Distanz aktiv. Auf der Strecke mit einer Gesamtlänge von 113 Kilometern (70,3 Meilen) feierte er seine größten Erfolge, gehört zur Weltspitze. Unter anderem gewann er 2016 die Europameisterschaft und holte bei der Weltmeisterschaft Anfang September Platz 8. Doch bekommen die 70.3-Wettbewerbe in der Öffentlichkeit meist wenig Aufmerksamkeit. Auf der Kurzdistanz werden olympische Medaillen vergeben, die langen Ironman-Rennen auf Hawaii, in Roth oder Frankfurt elektrisieren die Massen.

"Die Langdistanz ist die Königsdisziplin des Triathlons", sagt Dreitz. "Im Hinterkopf hatte ich den Wechsel schon länger, konkret für den Start in Italien habe ich mich aber erst vor etwa einer Woche entschieden." Der in Bayreuth lebende Profisportler liebt es, die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit immer weiter zu verschieben und jetzt sei es Zeit, die "große Herausforderung Langdistanz" anzugehen.

Wohl auch, weil er eine reelle Siegchance sieht. Nur Mitlaufen gibt es bei Dreitz nicht. Die Zuversicht und das Selbstvertrauen für das Ironman-Debüt holte er sich im Training, vor allem bei den langen Laufeinheiten habe er große Fortschritte gemacht.


Veränderte Renntaktik

Zudem wird er seine Renneinteilung umstellen: "Auf der Mitteldistanz schaut man viel auf die Gegner, beim Ironman muss man auf sich selbst schauen." Im Schwimmen vorne dran bleiben, in seiner Paradedisziplin Radfahren einen Vorsprung holen und diesen dann im Laufen verteidigen - seine 70.3-Rennen geht Dreitz offensiv an. Doch nun liege das Augenmerk darauf, ein konstantes Niveau zu halten. "Wenn man längere Zeit im roten Bereich ist, büßt man das hinten raus zehnfach", weiß Dreitz, der beim Ironman in der Provinz Emilia-Romagna im Osten Italiens vor allem Routinier Timo Bracht (Eberbach) und "einige Lokalmatadoren" als größte Konkurrenten im Kampf um den Sieg ansieht. "Aber wenn es gelingt, meinen Rennplan einzuhalten, dann kann für mich ein Podestplatz drin sein", schätzt Dreitz seine Chancen ein.

Ein Spitzenplatz bringt den 28-Jährigen auch einem weiteren Karriereziel näher: dem Start bei der Ironman-WM auf Hawaii. Für das älteste und bekannteste Langdistanzrennen müssen sich die Profi-Triathleten über ein Punktesystem (Kona-Pro-Ranking) qualifizieren - je besser die Platzierung bei einem lizenzierten Wettkampf, desto mehr Punkte gibt es. "Natürlich ist Hawaii für mich ein Traum", sagt Dreitz. "Ob es 2018 schon klappt? Ich werde sicher nichts übers Knie brechen."


Als Zuschauer nach Hawaii

Und dem Zufall überlässt er auch nichts: Nach dem Ironman Emilia-Romagna legt er eine Wettkampfpause ein - und reist am 14. Oktober nach Hawaii, um als Zuschauer auf Big Island dabei zu sein. "Ich will die Strecke kennenlernen, einen Eindruck vom Klima gewinnen und mir alles Drumherum anschauen." Auch das gehöre zur professionellen Vorbereitung auf ein Rennen.

"Aber jetzt liegt der Fokus erstmal auf Italien. Das wird ein hartes Rennen, aber ich ich freue mich auf dieses neue Kapitel in meiner Triathlon-Karriere."