Mit der Startnummer 1 wird am Samstag Andreas Dreitz aus Michelau (Lkrs. Lichtenfels) beim Halbdistanz-Tritahlon in Prag an den Start gehen. "Da es in Prag das erste Rennen über die Halbdistanz der Challenge-Serie ist, ist es für mich eine große Ehre, dass sich die Startnummer 1 bekomme. Einen Vorjahressieger gibt es ja nicht", sagt der Profi des Teams Erdinger-alkoholfrei. Die internationale Aufmerksamkeit sei dadurch viel größer.


Attraktive Strecke in Prag

Um 10 Uhr fällt der Startschuss für die Dreikämpfer auf der 1,9 km langen Schwimmstrecke in der Moldau - "relativ spät für die Athleten", merkt Dreitz an. "Da kann man ja richtig ausschlafen."
Die Athleten müssen einmal die Moldau-Insel Kampa umrunden, ehe sie sich in die Wechselzone auf dem Eiland begeben dürfen. Die Zuschauer können dabei die Schwimmer auch von der weltberühmten Karlsbrücke aus beobachten. "Das ist sehr attraktiv für die Zuschauer, wie für die Schwimmer. Ich habe allerdings gehört, dass die Moldau nicht allzu sauber sein soll. Ich hoffe aber das Beste", sagt der 28-jährige Oberfranke.


Zwei Runden mit dem Rad

Der zweimal zu bewältigende 45 km lange Rad-Rundkurs dürfte Andreas Dreitz entgegenkommen. Nach einem flachen Stück an der Moldau geht es ein kurze Steigung, rund 130 Höhenmeter, nach Dolni Brezany hinauf - und das zweimal. Hier könnte Dreitz seine Stärke auf dem Rad ausspielen. Es folgt der flache Halbmarathon durch Prag, entlang der Moldau zum Ziel am historischen Nationaltheater. Vier Runden sind hier zu absolvieren. Das heißt, die Athleten begegnen sich öfter und können so die Abstände gut einschätzen, so dass ein spannendes Rennen zu erwarten ist. "Das kann von Vorteil, aber auch ein Nachteil sein", sagt Dreitz. "Wenn's gut läuft, ist es ein Vorteil. Wenn du gejagt wirst und die Konkurrenz aufholt, kann man schon mal ein ungutes Gefühl bekommen. Grundsätzlich ist es aber positiv, mehr Informationen zu bekommen, wie die Gegner im Rennen liegen. So kommt es zu keinen bösen Überraschungen", weiß der Profi, der die psychische Herausforderung kennt, wenn man auf den letzten Kilometern eingeholt wird.
Die Konkurrenz im Profilager bei der Halbdistanz-Premiere in Prag ist nicht so groß. Zu beachten ist Patrick Dirksmeier, der sich vor sieben Wochen in Herning den Challenge-Europameisterschaftstitel gesichert hatte. Auch den Dänen Anders Christensen, ein starker Radfahrer, zählt Dreitz zum Favoritenkreis, hat aber auch die heimischen Athleten auf der Rechnung.
Der Sieger in Prag bekommt 3500 Euro. Preisgeld gibt es bis zum Sechsten, der noch 500 Euro erhält.


Zwischenfazit fällt positiv aus

Ob es für den Michelauer in der tschechischen Hauptstadt mit dem ersten Sieg in diesem Jahr klappt? Dreitz macht sich darüber keinen Kopf. Sein Fazit der ersten Saisonhälfte fällt durchaus positiv aus. Ein zweiter Platz auf Mallorca, vierte Ränge in Oceanside (USA) und in Samorin (Slowakei), wo die Elite am Start war, wertet Dreitz als gute Resultate.
2016 standen am Ende fünf Siege und zwei zweite Plätze für den Michelauer zu Buche. "Ich mache mir keinen Druck, dass heuer noch kein Sieg herausgesprungen ist. Ich weiß, dass ich in guter Form bin, gut trainiert habe und die Trainingsergebnisse stimmen. Ich bin guter Dinge für die restliche Saison und sehe die Resultate als Herausforderung. Außerdem bleibt man hungrig und weiß Siege zu schätzen", sagt Dreitz, weiß aber auch, dass für einen Sieg alles passen muss - die Form, die Technik, das Drumherum und die Rennstrategie.
Dass er sich im Juni , als er drei Halbdistanzrennen innerhalb von zwei Wochen absolviert hat, übernommen habe, sieht er nicht so. "Das hätte auch gutgehen können, doch es hat halt nicht alles hundertprozentig gepasst. Und das hat sich in die nächsten Wettkämpfe hineingezogen."


Positive Einstellung

Die Einstellung bei Andreas Dreitz bleibt aber rundweg positiv. Seit vier Jahren ist der Michelauer Vollprofi, über die Hälfte des Jahres ist er unterwegs. Der 28-Jährige hadert nicht mit der Vergangenheit, blickt vielmehr in die Zukunft. "Man muss den Gesamtzusammenhang sehen", sagt er nüchtern. Damit meint er, dass der Saisonhöhepunkt mit der 70.3-Weltmeisterschaft im australischen Chattanooga noch anstehe. Und dann habe er noch vor, seine erste Langdistanz zu bestreiten.
"Klar ist es besser, mit Erfolgen noch etwas Selbstbewusstsein zu sammeln, statt nur auf Trainingsdaten zu blicken." Die nötige Form will sich der selbstbewusste Profi in einem dreiwöchigen Trainingslager im August in St. Moritz holen. "Das hat 2016 gutgetan", sagt er hinsichtlich der WM, bei der die Radstrecke der von Mallorca sehr ähnelt. Und das Rennen auf der Baleareninsel hat Dreitz ja schon dreimal gewonnen - ein gutes Omen.
Der Michelauer ist nicht nur auf dem Rad in der Weltspitze, auch beim Schwimmen stieg der Profi oft mit den Spitzenathleten aus dem Wasser. Und beim Laufen lässt sich der Oberfranken schon länger nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. "Da haben wir viel dran gearbeitet, auch schon im Hinblick auf die Langdistanz", sagt Dreitz.


Wechsel auf die Langdistanz

Die Ironman-Strecke (3,8 km Schwimmen, 180 km Rad, 42,195 km Lauf) ist mittelfristig das Ziel des Michelauers. Den ersten Wettkampf auf der prestigeträchtigen Distanz will Dreitz im Herbst nach der 70.3-WM bewältigen. Mögliche Orte wären Cervia (Italien), Barcelona oder in den USA.
Der Plan des 28-Jährigen reicht dabei schon ins nächste Jahr. Mit einem guten Langdistanz-Resultat und zwei guten Ergebnissen bei 70.3-Rennen will sich Dreitz für den Traum jedes Profi-Triathleten qualifizieren - die WM auf Hawaii. Auch über einen Start im deutschen Triathlon-Mekka im mittelfränkischen Roth denkt Dreitz nach. Die Stimmung kennt er schon, allerdings nicht als Aktiver sondern nur von Sponsoren-Terminen.


Die Entscheidung ist gereift

Der Fokus werde 2018 zwar noch auf der Halbdistanz liegen, doch die Entscheidung, auf die Ironman-Strecke zu wechseln, habe er mit einem Trainer Rainer Skutschik getroffen. "Es ist an der Zeit. Ich bin auf der Halbdistanz gereift und bereit für neue Herausforderungen. Der Ironman ist nun mal die Königsdisziplin im Triathlon." Auch sei die Aufmerksamkeit bei den großen Rennen wie in Roth, Frankfurt oder eben Hawaii eine ganz andere als bei der Halbdistanz. Das wirke sich auch auf die Sponsoren aus.
"Man kann dann neue Felder erschließen oder eine Zusammenarbeit mit vorhandenen Sponsoren vertiefen", spricht der studierte Sportökonom und Triathlon-Profi.
So ist das Rennen am Samstag in Prag nur ein Schritt in der Entwicklung des Michelauers. "Ich bin ja erst seit zehn Jahren im Triathlon-Geschäft. Es ist also noch Entwicklungspotenzial vorhanden." Und das in jeder Hinsicht.