Der inzwischen 17-Jährige aus Baiersdorf bei Altenkunstadt. hat sich am 6. Mai im ersten Spiel der deutschen Mannschaft bei der Europameisterschaft in Bulgarien gegen Belgien (2:0) einen Wadenbeinbruch zugezogen. "Das war ein großer Rückschlag für unser Team", sagte damals Nationaltrainer Christian Wück: "Niklas ist einer unserer Schlüsselspieler und auch als Persönlichkeit ein wichtiger Baustein unseres Teams."
Der Nachwuchskicker vom FC Bayern München kämpft und will sich in diesem Jahr noch einen Traum erfüllen: die Teilnahme an der U17-Weltmeisterschaft in Chile.

Niklas Dorsch lächelt, ein völlig unkapriziöser junger Mann. Aber wenn er Gewichte mit der Kraft seiner Oberschenkel anhebt, definieren sich beeindruckende Oberschenkelmuskeln. Auch wenn sein Wadenbein gebrochen und ein Band angerissen ist, so bedeutet das für den gebürtigen Lichtenfelser nicht, Trübsal zu blasen.

Foul auf dem Smartphone

Im Gegenteil: den Vorfall aus der 60. Spielminute jenes 6. Mai, als er im bulgarischen Burgas in einen fatalen Zweikampf mit einem belgischen Jungnationalspieler geriet, kann er sich auf seinem Smartphone ohne zusammenzuzucken betrachten. Der Anblick schmerzt einen Betrachter dabei mehr als den Betroffenen. Aber was auf dem Handy zu sehen ist, bedeutete das Ende von Dorschs Teilnahme an der U17-Europameisterschaft. Sein Humor dazu ist beinahe goldig: "Es war ein guter Zeitpunkt sich zu verletzen, die Saison war ja beinahe vorbei."

Vier bis fünf Stunden täglich

Michael Klob ist Leiter des Therapie- und Gesundheitszentrums Theramed. Was er nach der entstauenden Lymphdrainage von Niklas Dorsch verlangt, erfordert eine Menge an Koordination. Die Beine fahren in der Luft Rad, der Rumpf rollt sich dabei zu einer Bauchmuskelübung zusammen. "Er muss richtig arbeiten", sagt Klob und berichtet von zwei Einheiten am Tag, insgesamt rund vier bis fünf Stunden Bewegung, Dehnung, Kräftigung. "Ein Normalsterblichder liegt nach so einer Verletzung daheim und freut sich, dass er DVD gucken kann." Bald nimmt Klob den Fuß des Jungen in die Hand und setzt zu einer Dehnübung an. Er ist erfahren im Umgang mit Sportverletzungen, betreute er doch Athleten einer Leichtathletik-WM.
Seit drei Wochen rackert sich Dorsch in Bad Staffelstein ab. Insgesamt sind für einen "stoffwechselgesunden jungen Mann wie ihn" (Klob) zwei Monate Heilungszeit angesetzt. Mit steigender Belastung. Diese Zeit ist für Dorsch aber auch Heimatzeit. In der Korbstadt geboren, lebte er im östlichen Landkreis und spielte für Baiersdorf. Dann kam er zum 1. FC Nürnberg, bald sogar in den Jugendkader des FC Bayern München. Dort geht er auf das Internat des Rekordmeisters. Wenn er vom FC Bayern erzählt, dann gewinnt seine Stimme familiäre Tonalität.

Sammer hat sich gleich erkundigt

"Matthias Sammer hat sich nach dem Unfall gleich bei mir gemeldet und sich nach meiner Gesundheit erkundigt", erklärt er und erzählt von der Nähe zwischen "den Großen" des FCB und dem Nachwuchs. Wie er das sagt, klingt es nach einer Melange aus Verwunderung, Stolz und dem Gefühl, sich aufgehoben zu wissen. Aber jetzt, durch die Verletzung, verbringt er wieder mehr Zeit bei den Eltern. Darum auch das Einverständnis zur Genesung hier und nicht in München. Man will ihm umständliche Pendeleien ersparen und "das ist auch für meinen Kopf besser", resümiert Dorsch. Aus ihm spricht die Unbefangenheit der Jugend und sie wirkt immer noch reflektierend. "Das Abi kann ich später immer noch machen", sagt er auf die Fehlzeiten durch Nationalmannschaftseinsätze anspielend. Und Befürchtungen vor künftigen Verletzungen lässt er auch nicht durchblicken. "Ich hatte nie was, war immer stabil. Es ist einfach blöd gelaufen." Nein, auch mit einer Platte im Bein wird er nicht zaghafter in die Zweikämpfe gehen. Auf die Frage, ob das Profitum durch solche Rückschläge entzaubert wird, antwortet er, dass es "im Gegenteil" so sei, "dass ich dadurch stärker werde".

Ballentzug die größte Sorge

Auch glaubt er, bei allen Nachteilen einer Verletzung, seinen Körper so immerhin besser kennenzulernen. "Es gibt Verletzungen, die kann man nicht verhindern." Etwas mehr Sorge bereitet ihm da das Problem mit dem Ballentzug. Wie lange man für die Rückgewinnung von Ballfertigkeit braucht, "darüber mache ich mir auch Gedanken".
Ob er seinem belgischen Gegenspieler von der 60. Minute des 6. Mai verziehen hat? Niklas Dorsch reagiert auf diese Frage mit einem zunächst etwas säuerlichen Ausdruck. Aber dann muss er doch lächeln. Er ist Optimist. Als solcher richtet er seinen Blick auf den kommenden Oktober. Dann will er in Chile dabei sein, um die U17-WM zu gewinnen.