Besprechungen mit der Feuerwehr, Verhandlungen mit Getränkelieferanten und das Zusammenstellen von rund 2000 Starterpaketen: Der Ebensfelder Karl-Heinz Drossel ist im Vorfeld des Obermain-Marathons das Mädchen für alles. Bereits zum elften Mal zeichnet der 62-Jährige für die komplette Organisation des Marathons verantwortlich. Was für andere eine Vollzeitbeschäftigung wäre, ist für Drossel nur ein Hobby. Hauptberuflich ist Drossel Realschullehrer in Bad Staffelstein. "Manchmal kommen Bekannte auf mich zu und fragen, warum ich mir das Ganze antue", sagt Drossel.

Sein Geheimnis: Der vierfache Vater sehe die Organisation nicht als Arbeit, sondern als positiven Stress und Ausgleich an. "Ich musste in den letzten Jahren einige familiär bedingte Tiefschläge einstecken. Ich weiß nicht, ob ich die Phase ohne den Obermain-Marathon so gut überstanden hätte." Ablenkung suchte Drossel auch lange im aktiven Marathon. Doch musste er erkennen, dass er seine familiären Probleme durch Sport alleine nicht lösen kann. Ein Leistenbruch zwang ihn vor drei Jahren dazu, mit dem Laufen aufzuhören.


Läufer der Extreme

Zuvor war Drossel mehr als 20 Jahre ein wahrer Extremläufer. Neben den Marathon-Wettbewerben nahm Drossel regelmäßig an Ultra-Läufen mit einer Distanz von bis zu 100 Kilometern teil. "Je länger die Strecke war, desto leichter wurde es für mich", sagt Drossel. "Beim Marathon hat man immer nur eine Zeit von drei Stunden im Kopf, diesen Druck gibt es bei solchen Läufen nicht." 1996 absolvierte Drossel den 100-Kilometer-Lauf in Kienbaum bei Berlin in respektablen neun Stunden und elf Minuten. Zu seinem Leidwesen nimmt die Bedeutung des klassischen Marathons und noch längerer Strecken aber nach und nach ab. "Heutzutage muss für die meisten Leute immer Action dabei sein", sagt er. Bestes Beispiel sei der "BraveheartBattle" in Münnerstadt, der sich immer größerer Beliebtheit erfreue.

Um die Attraktivität und die Teilnehmerzahlen zu steigern, gebe es auch bei den Veranstaltern des Obermain-Marathons seit einiger Zeit Gedankenspiele mit einem Zehn-Kilometer-Lauf. Für Langstrecken-Freund Drossel kommt eine solche Erweiterung aber eher nicht in Frage. Nur wenn die Teilnehmerzahlen in Zukunft stark zurückgingen, könne man darüber nachdenken.

Zum Laufsport kam Drossel Anfang der 90er-Jahre. An seine ersten Erfahrungen erinnert er sich noch gut: "Das waren gerade einmal 500 Meter von der Schule zum Friedhof", sagt er grinsend. Nach einem Jahr lief er bereits den Staffelberg hoch. Wenig später absolvierte er seinen ersten Marathon.


Mentale Belastung zu hoch

Vor seiner Marathonzeit war Drossel im Radsport aktiv, wofür man neben guter körperlicher Konstitution vor allem Nerven haben musste. Nach zwei Trainingsstürzen kamen Drossel Zweifel, ob es die richtige Sportart für ihn sei. "Beim zweiten Unfall wusste ich gar nicht, was passiert ist", erklärt er. Bei Regen war er mit seinem Rad im Wald unterwegs und zog sich eine Gehirnerschütterung zu. Wie es dazu kam, weiß Drossel bis heute nicht. Sein Entschluss, kürzer zu treten, stand auch aufgrund von Knieproblemen fest: "Wenn du beim Radfahren Angst hast, solltest du aufhören." Obwohl der Ebensfelder in seiner sportlichen Karriere durchaus erfolgreich war, trieb ihn das nicht alleine an: "Sport sollte man vor allem der Gesundheit wegen treiben", sagt Drossel, der heute nur noch drei- bis viermal die Woche eine halbe Stunde läuft.

Oberste Devise sei daher auch beim Obermain-Marathon, dass alle Teilnehmer gesund im Ziel ankommen. Eine gewisse Bestätigung wünschen sich die meisten Teilnehmer aber schon. Drossel wollte in diesem Jahr zum ersten Mal die Medaillen, die den Veranstalter pro Stück rund zwei Euro kosten, weglassen.

Nach einer Umfrage unter beteiligten Läufern verwarf er die Idee aber wieder. "Ich bin da das genaue Gegenteil, ich muss nicht mit einem Papier oder einer Medaille nachweisen, dass ich gelaufen bin."
Für den 62-Jährigen bleibt der wichtigste Gedanke der Veranstaltung, möglichst viele Leute zum Laufsport zu bringen. Und das möchte er noch für viele Jahre tun. Nach seiner Pensionierung in drei Jahren könne er sich sogar vorstellen, noch mehr Zeit in die Organisation zu investieren und den Obermain-Marathon weiter auszubauen. Vierfach-Vater Drossel: "Für mich ist der Obermain-Marathon wie ein fünftes Kind."