Die rhythmische Musik und die fließenden Bewegungen erinnern an einen Tanz - doch tatsächlich handelt es sich um eine brasilianische Kampfkunst, die während der Kolonialzeit in Brasilien von aus Afrika verschleppten Sklaven praktiziert wurde. "Capoeira" ist der Wolf im Schafspelz unter den Kampfsportarten, eine Mischung aus Kampf, Tanz, Spiel, Akrobatik und Musik. Seit Ende Februar bietet auch die Lichtenfelser Turnerschaft jeweils am Dienstag von 18 bis 19 Uhr Trainingseinheiten an.


Instrumente, Sprache und Lieder

Die Abteilung in Lichtenfels geht als Ableger von Capoeira-Coburg an den Start. Dort leitet Professor Falcao bei der Coburger Turnerschaft seit 2012 die Gruppe "Origem da Bahia". Falcao unterrichtet dort schon Kinder ab vier Jahren, aber hauptsächlich Jugendliche und Erwachsene. Dabei werden nicht nur die Techniken des Angriffs und der Verteidigung erlernt, sondern auch rhythmische Instrumente, Capoerialieder, Sprache und Akrobatik.

Die Musik und die tänzerischen Elemente haben ihren Ursprung nach heutiger Überlieferung darin, dass die Sklaven ihre Kampftechniken gegenüber ihren Kolonialherren zu verbergen versuchten. Um die Kämpfe zwischen Sklaven und Sklavenhaltern ranken sich Legenden. So wird behauptet, dass die Sklaven ihre Kampfkunst sogar gegen die mit Schusswaffen bewaffneten Sklavenhändler eingesetzt hätten.
Doch die weitere Entwicklung zeigte auch dunkle Seiten: Capoeristas taten sich in Hafenstädten wie Rio oder Salvador da Bahia zu Banden zusammen und beherrschten mit ihrer Straßenkampftechnik ganze Stadtviertel. Nach 1937 wurde die Capoeira zu einer modernen Kampfkunst weiterentwickelt, indem Elemente asiatischer Kampfsportarten integriert wurden.

Inhaltlich ist Capoeira von den Elementen Kampf, der Musik und der Roda (portugiesisch "Kreis") geprägt. So bilden die Capoeristas mit rhythmischem Klatschen einen Kreis um die beiden Kämpfer in ihrer Mitte. Für die Aktiven, die ihren Meister Professor Falcao beim Schnuppertraining in Lichtenfels unterstützen, steht jedoch weniger der Kampf als die allgemeine Körperertüchtigung im Vordergrund.
Schon beim Aufwärmen werden zahlreiche Muskelgruppen trainiert. Auch wird beim Capoeira nicht der Begriff "Kampf", sondern der Begriff "Spiel" verwendet.

Es ist die abgestimmte Bewegungsfolge der beiden Capoeristas, die an einen Paartanz erinnert. Für die Teilnehmer der TS Lichtenfels, die am ersten Schnuppertraining teilgenommen haben, war es nicht nur eine körperliche Herausforderung, sondern auch eine interessante Erfahrung.