Wenn man die Autobahn an der Ausfahrt Stadelhofen verlässt und Richtung Weismain fährt, verschwinden zunächst die weißen Balken auf der Straße, dann die auf dem Handy-Display. Die Fahrt durch das Kleinziegenfelder Tal im Zwielicht der Abenddämmerung ist, als fahre man durch einen verwunschenen Märchenwald, vorbei an alten Bäumen, schmalen Bächen und mysteriösen Felsformationen. Am Ende dieser Strecke wartet das Örtchen Weismain mit seinen Fachwerkhäusern - und der wahrscheinlich größten Kreisliga-Arena im ganzen Land: dem Waldstadion.

Hier, in der Heimspielstätte des SC Weismain Obermain, ist alles vorhanden, was man in der Kreisliga eigentlich nicht braucht - zum Beispiel Platz für knapp 16.000 Zuschauer, mehrere Presse-Sitze mit Strom- und Internetanschluss und ein Türmchen für Fernsehübertragungen.


Es war einmal...

Ein solches Stadion wurde natürlich nicht für die Kreisliga gebaut. Das Weismainer Märchen beginnt folgendermaßen: Es war einmal vor rund 20 Jahren, da stieg der SC Weismain sensationell von der Landesliga in die Bayernliga auf, um in der darauffolgenden Saison - noch sensationeller - als Meister direkt in die Regionalliga aufzusteigen, die damals die 3. Liga war. Es musste ein Stadion her - und da traf es sich gut, dass der damalige Vereinspräsident Alois Dechant nicht nur Gönner und Sponsor, sondern gleichzeitig Bauunternehmer war.

Stadionmanager Horst-Günter Vates denkt gern an die Regionalliga-Zeiten zurück. Nicht nur an das Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg, als weit über 16.000 Zuschauer im Waldstadion waren. "Auch sonst hatten wir damals immer über 3000 Zuschauer, das war schon ein guter Schnitt", sagt er. Stolz präsentiert er bei einem Rundgang "sein" Königreich, die Umkleiden, die Schiedsrichterkabine, die Wäscherei, den VIP-Bereich, die Räume für den Stadionsprecher und die Polizei auf der Tribüne, die Solaranlagen auf dem Dach und daneben den Platz für die Fernsehkameras. Im fabelhaften Waldstadion ist alles bereitet für den großen Fußball - doch eben der fehlt.


Ein jähes Ende der Geschichte

Alois Dechants Firma geriet damals in Schieflage und damit unweigerlich auch der Verein. Der finanzielle Ruin bedeutete den sportlichen Abstieg, Schritt für Schritt ging es zurück in die Bezirksoberliga. Als der SC Weismain pleite ging, musste der Nachfolgeverein in der A-Klasse starten. Heute kickt der SCWO in der Kreisliga. Doch das Streben nach Größerem haben die Verantwortlichen noch nicht eingestellt. Man hat den Eindruck, der Verein befinde sich nur im Dornröschenschlaf und hoffe darauf, bald wachgeküsst zu werden. "Natürlich wollen wir wieder Bezirks- oder Landesliga spielen", sagt Vates - wenngleich sich die Spieler in einem solchen Stadion unabhängig von der Liga wohlfühlen. In der vergangenen Saison hat die "Erste" zwar oben mitgespielt, doch für den Aufstieg hat es nicht gereicht.

Die Heimspiele locken im Schnitt nur 150 Zuschauer an. Das Stadion lebt eher von den Freundschaftsspielen oder U-Länderspielen, die von Zeit zu Zeit hier stattfinden. Wenn Celta Vigo, der FC Valencia, Sparta Prag, der 1. FCN oder der FC Bayern ihre Partien im Waldstadion austragen, dann bringen die Stars ein wenig des alten Zaubers zurück in die kleine Stadt am Obermain, am Rande des Landkreises Lichtenfels, am Ende des Kleinziegenfelder Tals.