Hop, Step, Jump. Diese drei Wörter dürften sich bei Julia Hennemann über die Jahre ins Gedächtnis gebrannt haben, denn sie beschreiben die drei wichtigen Schritte bei ihrer Parade-Disziplin, dem Dreisprung.

Ihre Rechts-Rechts-Links-Kombination katapultierte die 21-jährige Zapfendorferin auch heuer schon zu großen Erfolgen: Bei den süddeutschen Junioren-Meisterschaften in Augsburg sprang die in der U23 startende Hennemann mit 12,63 Meter n allen Konkurrentinnen davon. Der deutschen Dreisprung-Spitze der Frauen, die um die 14 Meter springt, kommt sie dabei schon sehr nahe.

In ihrer Paradedisziplin hält sie allein alle oberfränkischen Rekorde unter freiem Himmel und in der Halle für die Frauen, die U20 und die U18.

Sport und Studium nebeneinander

Trotz der Erfolge ordnet sie ihr Leben nicht dem Sport unter: Die 21-Jährige studiert an der Universität in Bayreuth Biochemie, will mit dem Master beginnen und im Anschluss promovieren: "Mir gefällt es in Bayreuth - es ist zwar klein, aber die Uni mit ihrem Campus ist schön. Der Sport läuft bei mir nebenbei - und weil er mir viel Freude bereitet", sagt Hennemann.

Vor allem während der Vorlesungs- und Prüfungszeit muss sie Kompromisse eingehen, da sie viel Zeit in Bayreuth verbringt und demnach nicht in Ebensfeld trainieren kann. Ein Trainingsrückgang sei zeitweise unumgänglich.

Hennemanns Trainer beim TSV Ebensfeld, Tino Roeder, sieht in seinem Schützling dennoch eine ehrgeizige Athletin. Eigentlich klappe alles sehr gut, auch wenn die Dreispringerin vielleicht weniger trainiere als früher.
Vor allem im Juni und Juli, wenn es sowohl im Sommersemester an der Uni als auch bei der Leichtathletik-Saison in die Vollen geht, sei es sehr stressig, sagt Hennemann. "Diese Saison war ich in diesen zwei Monaten fast jedes Wochenende unterwegs", sagt die Dreispringerin. Sie muss eben viel unter einen Hut bringen; aber sie hofft auf Besserung: "Nächstes Jahr kann ich ja nur noch bei den Frauen starten, da wird es dann nicht ganz so schlimm."

Mit acht Jahren brachte Hennemann eine Freundin zur Leichtathletik, damals hatte ihr Heimatort Zapfendorf noch eine eigene Abteilung. "Davor war ich beim Tanzen, aber das hat mir nicht so viel Spaß gemacht", sagt sie. Als die Leichtathletikabteilung des SV Zapfendorf aufgelöst wurde, wechselte sie zum TSV Ebensfeld.
Dort sah Trainer Tino Roeder ihr Potenzial vor allem in Sprungdisziplinen. Und nachdem sie für den Hochsprung mit 1,62 Metern zu klein war, kam sie schließlich zum Dreisprung. "Dass sie dabei ganz nach oben kommt, habe ich gleich gesehen", sagt Roeder. Und er hat Recht behalten.

Nur Kleinigkeiten zu verbessern

Roeder, der früher im Nationalkader der DDR stand, muss bei seiner Athletin inzwischen nur noch Feinheiten justieren: "In dieser Saison haben wir den ,Jump‘ (der dritte Schritt beim Sprung in die Weitsprunggrube, Anm. der Red.) anders gesetzt, weil sonst ihre Hüfte weggegangen ist."

Viel Zeit vor den großen Meisterschaften im Sommer haben die beiden dafür nicht gebraucht: "Sie lernt sehr schnell", sagt ihr Trainer, "und es hat ja auch geklappt. Das sieht man an der persönlichen Bestleistung, die sie heuer gesprungen ist."

Obwohl Hennemann mit ihrem Studium viel zu tun hat, schaffte sie es bisher immer, sich in ihrer Paradedisziplin, dem Dreisprung, kontinuierlich zu verbessern. Im nächsten Jahr gibt es dann ein großes Ziel, das sie anvisiert: "die Deutschen Meisterschaften im Nürnberger Frankenstadion." Für den Dreisprung der Frauen liegt die momentane Qualifikationsweite hierfür bei 12,70 Meter. Sieben Zentimeter über ihrer persönlichen Bestleistung. Aber mit dem richtigen Training und einer Portion Ehrgeiz ist auch das machbar. Tino Roeder glaubt an seine Athletin: "Ich gehe davon aus, dass sie das packt!"