Der Puls war ganz oben, als am 10. Dezember, am letzten Kampftag der Ringer-Bayernliga, der AC Lichtenfels zum entscheidenden Kampf beim SC Isaria Unterföhring antrat. Die Spannung und vor allem die Anspannung stieg bei den ACL-Verantwortlichen, als die Oberbayern in Führung gingen und Christian Lurz durch seine Verletzung vier Punkte abgab. Reicht der Vorsprung aus dem 15:9-Vorrundensieg?, lautete die Frage. Er reichte. Die 12:14-Niederlage war gleichbedeutend mit der Bayernliga-Meisterschaft - der Rest war nur noch Jubel im ACL-Lager.


Ziel erreicht

Nach der etwas enttäuschenden Saison 2015 mit Rang 2 und dem verpassten Aufstieg haben die Lichtenfelser in der vergangenen Saison ihr selbst gestecktes Ziel erreicht - die Oberliga.

Acht Wochen nach der Titelentscheidung ist die Euphorie bei den Verantwortlichen der Realität gewichen. Die Weichen werden bereits für die im Herbst beginnende Saison gestellt. Vertragsverhandlungen, Etataufstellung, Sponsorenakquise, Renovierungsarbeiten - das alles steht bei den ehrenamtlichen Vorsitzenden Oliver Dürr und Stefan Mehl sowie dem Mannschaftsführer Heiko Scherer auf dem Programm.

Im Rückblick war der breitere Kader ausschlaggebend für den Titelgewinn. "Alle Ringer haben ihr Soll erfüllt und zur überragenden Saison beigetragen", sagt Scherer, der keinen Ringer herausheben will. "Die Bilanz der einzelnen Ringer sagt schon viel aus", sagt Stefan Mehl, Zweiter Vorsitzender. Als völlig verdient bezeichnete Scherer die Meisterschaft und lobte den tollen Zusammenhalt im Team. "Glücklicherweise haben wir in der abgelaufenen Runde keine schwerwiegenden Verletzungen gehabt. Da wurden wir in den Jahren zuvor sehr gebeutelt. Das merkte man schon", fügt Scherer an.


Toller Zusammenhalt

Der Zusammenhalt der Mannschaft sei vor allem daran deutlich geworden, dass es "kein Murren von einzelnen Ringern gegeben hat, wenn einer mal aus taktischen Gründen in der zweiten Mannschaft antreten musste", bemerkte Mehl und erwähnte vor allem die auf den Ausländerpositionen ringenden Rumen Savchev und Krum Chuchorov. Alle hätten ihr Ego dem Teamerfolg untergeordnet.

"Vor allem in den oberen Gewichtsklassen hat sich der breitere Kader ausgezahlt. Wir hatten größere taktische Möglichkeiten. Und in den leichten Klassen haben dann noch Nachwuchsringer Dominik Sohn wertvolle Siege geholt, Leon Raps ist noch einmal eingesprungen - die breite Basis hat sich da positiv ausgewirkt", lobte Vorsitzender Oliver Dürr. Der Clou war dann noch der einmalige Einsatz von ACL-Ikone Steffen Hartan im Schwergewichtskampf gegen Unterföhring.


Schwarze Zahlen

Das sportliche Fazit fiel rundum positiv aus, aber auch unter der wirtschaftlichen Bilanz standen schwarze Zahlen. "Mussten wir in den Jahren zuvor noch Altlasten abtragen, so waren wir 2016 in der Lage, Sachen anzupacken, für die bisher das Geld fehlte", sagt Mehl und zählt etwa die Renovierung der Hausmeisterwohnung oder Investitionen in die Halle (Gastherme) auf. "Das sind Sachen, die wir uns wieder erlauben können. Es stehen aber noch weitere Dinge an der Immobilie an, wie die Duschen, die mal wieder einer Auffrischung bedürfen", so der Zweite Vorsitzende weiter.

Die Weichen für die Zukunft sind gestellt. So kamen zur neuen Saison einige Sponsoren neu dazu und die bisherigen hielten dem ACL fast durchweg die Treue. "Es ist wie überall, es wäre schön, wenn es eine breitere Basis gäbe. Wir wollen aber nicht unzufrieden sein. Wir sind auf einem guten Weg", sagt Dürr. Investitionsbedarf sieht der Vorsitzende noch bei der Bar sowie im Jugendzimmer der AC-Halle.


Verein im Fokus

"Wir wollen den Verein auf gesunde Beine stellen, so dass er nicht nur die nächsten ein, zwei Jahre überlebt, sondern sein 100-jähriges Bestehen erlebt und darüber hinaus bestehen bleibt", gibt Mehl die Marschroute für die Vereinsführung vor, damit die Nachfolger im Vorstand einmal nicht Jahre der Konsolidierung bewältigen müssen, ehe sie gestalten könnten. Positiv fällt auch die Sicht auf die Zuschauerzahlen aus. "So viele Fans wie gegen Unterföhring in der Halle waren, das hat mancher Bundesligist nicht", schwärmt Dürr, gießt aber ein wenig Wasser in den Wein: "So schön und so deutlich die Siege in der Bayernliga auch waren, manchmal war es fast ein wenig langweilig, weil die Spannung fehlte." In der Oberliga erwartet Dürr einen deutlichen Zuwachs, zumal hier die Derbys gegen Bindlach, Schonungen, Nürnberg und Burgebrach sowie der Klassiker gegen Hof anstehen. "Die bringen halt auch Fans mit. Aus Berchtesgaden kam keiner nach Lichtenfels", bemerkt Mehl.


Lücke in der Nachwuchsarbeit

Die Halle als Zuschauer füllen sicher auch künftig die ACL-Nachwuchsringer mit ihren Eltern. Zirka 30 Kinder kommen derzeit zum Nachwuchstraining. Werbeaktionen wie Grundschultage, Kinderfasching oder Sporttage des Kreisjugendrings haben sich ausgewirkt. Doch in der Jugend klafft eine Lücke, da man in den acht Jahren in der Bundesliga in diesem Bereich geschlampt und die Nachwuchswerbung vernachlässigt hat. "Diese Lücke lässt sich nicht so einfach schließen. Die werden wir noch einige Jahre bemerken", so Mehl. Umso mehr bedauern die Verantwortlichen, dass Tobias Schütz nach über 20 Jahren für den ACL die Ringerschuhe an den Nagel gehängt hat. Der 31-jährige Physiotherapeut und junge Vater will sich nun mehr um Familie und Beruf kümmern.
"Tobias und der Bulgare Mario Mihaylov sind aktuell die einzigen, die den Verein verlassen werden. Einzelne Gespräche werden aber noch erfolgen", so Scherer. Aufgrund der Beschränkung auf zwei Ausländer setze man verstärkt auf junge deutsche Ringer, sagt Mehl. Und Scherer hat auch schon einen Neuen an der Angel.


18-jähriges Talent

Mit Achim Thumshirn schließt sich ein 18-jähriges Toptalent dem ACL an. Der angehende Polizist wird vom Spitzensportprogramm der bayerischen Polizei gefördert und steht im erweiterten Kader der Nationalmannschaft. 2015 wurde er Deutscher Meister bei der A-Jugend. Thumshirn kommt vom Bayernliga-Absteiger ASV Neumarkt und soll in den neu gebildeten Gewichtsklassen 75 und 80 Kilo im griechisch-römischen Stil auf die Matte. "An ihm waren auch andere Vereine dran", freut sich Scherer über die Neuverpflichtung, der voll ins ACL-Konzept passt und in Lichtenfels unter dem weiter topmotivierten Cheftrainer Ali Hadidi eine gute Förderung erfahren wird. An weiteren Zugängen vor allem für die schwereren Klassen sei man dran, so Scherer. Wenn man die bekomme, die man haben wolle, dann "können wir im oberen Drittel der Oberliga mitringen", sagt der Mannschaftsführer, der in der kommenden Saison von Daniel Luptowicz Unterstützung erfährt. Ein Wermutstropfen trübt allerdings die allgemeine Euphorie beim ACL. Die zweite Mannschaft stieg von der Gruppenoberliga in die unterste Klasse, die Gruppenliga, ab.