Was eine Tankfüllung Energie für den Mercedes kostet? "Das kommt darauf an", sagt Hannes Haude, "tanken Sie konventionellen Strom oder welchen vom Dach?"

Strom von Dach heißt in diesem Fall: Die Energie kommt aus der hauseigenen Solaranlage, die Haude zu Hause in Neudrossenfeld besitzt. Hier kostet es ihn nur 1,60 Euro, genügend Strom für 100 Kilometer zu laden. "Bei normalen Strom komme ich auf sechs Euro."

Dahinter steht kein Trick oder eine Subvention. "Handelsübliche Hausanlagen sind inzwischen so günstig, dass sie ein Kilowatt für acht Cent produzieren", sagt Haude. Durfte man früher Strom aus Haus-Anlagen nur ins Netz einspeisen, darf man mittlerweile selbst produzierten Strom für eigene Zwecke nutzen.

Das Beispiel von Hannes Haude zeigt: Elektromobilität ist nicht nur ein Thema in Innenstädten, um lokale Emissionen zu senken. Besonders Pendler, die im ländlichen Raum wohnen und zu Hause eine eigene Solaranlage betreiben können, haben die Möglichkeit, viel Geld zu sparen. Rund 8000 Kilowatt Strom erzeugt eine Anlage im Jahr, etwa 4000 Kilowatt benötigt ein durchschnittlicher Haushalt. Haude hat einen Stromspeicher zu Hause, der nicht benötigte Energie vorhält, bis er am Abend seinen Mercedes wieder auflädt. Er hat immer um die 4000 Kilowatt im Jahr zur Verfügung, die er für sein Auto verwenden kann und die für 20 000 Kilometer reichen, 200 Fahrten im Jahr zur Arbeit nach Bad Staffelstein, wo der 36-Jährige im Online-Marketing bei IBC-Solar arbeitet. Weil das Unternehmen die private Elektromobilität seiner Mitarbeiter fördern will, darf man kostenlos nachtanken. Das wird rege genutzt. "Wir haben etwa ein Dutzend Mitarbeiter mit einem Elektroauto, unsere Ladesäulen sind fast immer belegt."

Den Mercedes B250 electric kaufte er als vier Jahre altes Gebrauchtfahrzeug mit 25 000 Kilometern für 23 000 Euro. "Er war damit so teuer wie ein vergleichbarer Benziner." Als eines der frühen Elektrofahrzeuge besitzt es noch nicht die Reichweite heutiger Modelle. Die Fahrstrecke von 160 Kilometern reicht ihm aber locker, um Hin- und Rückfahrt zu bewältigen. Es ist auch noch nicht schnellladefähig, volltanken dauert zweieinhalb Stunden, aber das stört Haude nicht. Neue Modelle schlagen sich hier besser.

Was man gegenüber einem Benziner beim Pendeln spart? Da die Unterhaltskosten eines Elektroautos ebenfalls geringer liegen (weniger aufwändige Inspektion, keine Kfz-Steuer), kommen in seinem Fall rund 2000 Euro im Jahr zusammen, ohne Kompromisse im Alltag eingehen zu müssen. Platz besitzt die Elektro-B-Klasse wie ein Verbrenner. "Die Batterie bietet nach vier Jahren Betriebszeit noch 97 Prozent ihrer Kapazität. Ich bin optimistisch, dass sie ein Autoleben lang halten wird." Inzwischen hätten die Hersteller so schonende Ladeverfahren entwickelt, dass Alterung kaum noch ein Thema sei. Geld zu sparen schont hier auch die Umwelt: Ein vergleichbarer Benziner würde im Jahr rund 2,5 Tonnen mehr CO2 produzieren.