In der Linkskurve zwischen Altenkunstadt und Pfaffendorf passiert es. Der 21-Jährige, der am Abend des 18. März in Richtung Pfaffendorf unterwegs ist, gerät mit seinem Opel ins Schleudern und kommt von der Fahrbahn ab. Das Auto durchbricht ein Brückengeländer, überschlägt sich und stürzt zwei Meter tief in den Bach. Der Fahrer wird eingeklemmt, zieht sich aber nur Prellungen zu.

"Das war wirklich Glück im Unglück", sagt Jürgen Kremer, Hauptkommissar bei der Lichtenfelser Polizei. "Nicht immer geht ein Unfall so glimpflich aus." Höchstwahrscheinlich war der Fahrer zu schnell in die Kurve gefahren. "Nicht angepasste Geschwindigkeit ist Unfallursache Nummer eins auf Landstraßen", erklärt Kremer. "Damit ist nicht zwingend gemeint, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung überschritten wird. Oft ist der Fahrer einfach zu schnell unterwegs für die gegebenen Straßenverhältnisse." Eisglätte, Regen, Laub auf der Fahrbahn oder enge Kurven erforderten Besonnenheit, so Kremer. "Auch wenn dort die Geschwindigkeit nicht ausdrücklich begrenzt ist, versteht sich von selbst, dass man da nicht Hundert fahren kann."

Wie schnell man bei schwierigen Straßenverhältnissen unterwegs sein sollte, hinge auch vom Fahrzeug und vom Können des Fahrers ab. "Natürlich wollen wir auch keine rollenden Verkehrshindernisse, die sind nämlich auch eine Gefahr für andere. Aber man sollte den Kopf einschalten und seine Geschwindigkeit den Gegebenheiten anpassen."

Alkohol oder andere Rauschmittel spielten auch eine Rolle. "Dass man sich nicht unter Alkoholeinfluss ans Steuer setzen sollte, weiß eigentlich jeder." Aber auch bei Medikamenten sollte man immer nochmal auf den Beipackzettel schauen, da manche Produkte die Reaktionsfähigkeit verringern.

Vorfahrtsmissachtungen sind Unfallursache Nummer drei auf Landstraßen. "Das kommt außerorts weniger häufig vor als innerorts, hat aber dramatischere Konsequenzen, da die Geschwindigkeiten beim Zusammenstoß viel höher sind."

Im Jahr 2012 gab es 725 schwerwiegende Unfälle im Landkreis Lichtenfels, das heißt solche mit Verletzten oder schweren Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung. Nur ein Viertel davon ereignete sich auf Landstraßen, alle anderen innerhalb von Ortschaften. "Das zeigt, dass die Zahl der Unfälle außerorts insgesamt geringer ist als innerorts" erläutert Kremer. "Allerdings verunglückten mehr als die Hälfte aller Schwerverletzten im letzten Jahr, 39 von 75, auf Landstraßen. Das heißt: Wenn's dort kracht, dann meist mit schwerwiegenden Folgen."
Dieses Jahr kam bereits eine Person im Landkreis ums Leben, ein Quadfahrer, der zwischen Birkach und Tiefenroth von der Fahrbahn abgekommen war; außerdem gab es sieben Unfälle mit Verletzten.

Besonders gefährliche Straßenabschnitte gebe es allerdings nicht im Landkreis, so Kremer. Dafür sorgten in Bayern seit dem Jahr 2000 die Unfallkommissionen aus Straßenbauamt, Straßenverkehrsbehörde und Polizei. "Die erstellen über den Zeitraum von drei Jahren eine sogenannte Unfalltypenkarte von ihrem Landkreis." Dort werden Unfallstellen eingezeichnet und Unfallhäufigkeiten registriert. "Im Landkreis Lichtenfels haben wir für die Jahre 2009 - 2011 drei Stellen mit gehäuften Unfällen, und zwar auf der Staatsstraße zwischen Unterneuses und Ebensfeld, auf der B 289 bei Theisau und auf der B 173 bei Lichtenfels."

Diese Stellen werden dann auf bauliche Mängel hin überprüft, die Grund für die Unfälle gewesen sein können. "Bei Theisau und Ebensfeld war etwa die Markierung nicht mehr gut zu sehen, viele Fahrzeuge sind hier von der Straße abgekommen. Auf der B 173 war der Fahrbahnbelag nicht mehr griffig, hier kamen Fahrzeuge häufig ins Rutschen. " Diese baulichen Mängel werden dann beseitigt, Markierungen und Fahrbahnbelag erneuert. Die Arbeiten an den drei genannten Stellen sind fast abgeschlossen. "Aber auch nach Abschluss der Arbeiten haben wir ein Auge auf diese Stellen, und wenn's sein muss, bessern wir nach," sagt Kremer.

An baulichen Mängeln läge es also nicht, wenn Polizei und Krankenwagen zu einer Unfallstelle im Landkreis ausrücken müssten. "Da sind wir wieder beim Fahrverhalten des Fahrers", so Kremer. "Um sicher ans Ziel zu kommen gilt: Konzentriert fahren, nüchtern bleiben und Geschwindigkeit anpassen!"