Der Rechtsspruch gegen einen 24-jährigen Staffelsteiner fiel empfindlich aus. Wegen Nötigung in Tateinheit mit Beleidigung hat sich der Mann nach richterlicher Bewährungsauflage sogar "unverzüglich" bei einer Sexualtherapie zu melden. Fünf Monate Haft zur Bewährung lautete am Dienstag das Urteil auf dem Amtsgericht.


Handyfotos im Schwimmbad

Es war eine missliche Lage, in der sich der Angeklagte befand: Denn auch wenn er anführte, sich nicht mehr daran erinnern zu können, am 8. September des vergangenen Jahres einer jungen Frau auf offener Straße die Hose samt Unterhose bis zu den Kniekehlen heruntergezogen zu haben, so entschuldigte dies nichts und warf eine heikle Frage auf: Warum? Dass Alkoholisierung ausschlaggebend dafür gewesen sein soll, wollte Staatsanwältin Dominique Amend nicht einleuchten. Umso weniger, da sie und Richter Stephan Jäger ins Feld führen konnten, dass der Angeklagte schon einmal gegen die Sittlichkeit verstieß - in nüchternem Zustand. Damals, im März des gleichen Jahres, hob er in einem Schwimmbad sein Fotohandy hinüber in den Umkleidebereich der Frauen und machte Aufzeichnungen.
Rückblende zum 8. September: Gegen 9.20 Uhr befindet sich eine junge Frau zu Fuß vom Einkauf zurück in die Klinik. Plötzlich, so der Vorhalt der Staatsanwaltschaft den Hauptvorwurf betreffend, nähert sich ihr der Staffelsteiner von hinten und zieht ihr sowohl die Hose als auch die Unterhose herunter. Die Worte "weil ich dich so sexy finde" sollen das Geschehen begleitet haben. Dann entfernt sich der Mann von seinem geschockten Opfer.
Der Grund dafür, weshalb er sich an nichts erinnern könne, lag im Alkohol. "Wie viel haben Sie denn getrunken?", suchte Richter Stephan Jäger zu ergründen. "Viel", lautete die Antwort des Befragten. "Äußern könnte ich mich schon, im Großen und Ganzen kann ich mich aber nicht erinnern", suchte der Angeklagte vorzubauen. Bier und Schnäpse nahm er schon am Vorabend der Tat beginnend bis in die frühen Morgenstunden ein. Auch als er von seiner Kneipentour heimfand, habe er sich dort noch Drinks angerührt. Dann war "Filmriss".


Entschuldigung abgelehnt

Gespannt war man auf die Aussage des Opfers, einer ausgesprochen zierlichen Person im gleichen Alter wie der Beschuldigte. Die verwahrte sich auch dagegen, von dem Angeklagten eine Entschuldigung mit Handschlag anzunehmen. Ansonsten zeigte die Studentin keine weiteren Vorbehalte gegen den Mann, erhärtete aber durch ihre Aussage den von Staatsanwältin Dominique Amend vorgebrachten Tatvorwurf. "Ich habe mich gewehrt und aufgeschrieen", so die Frau. "Es war schockmäßig, hilflos auf dem Boden zu liegen", fuhr sie fort. Was sie dem Beschuldigten zugute hielt, war, dass er "verwirrt gewirkt hat" und so, "als ob er neben sich stand". Sie kramte aus dem Gedächtnis hervor, dass der Staffelsteiner "meine Unterwäsche sehen wollte, weil ich so sexy wäre". Für Staatsanwältin Dominique Amend war die Beurteilung des Sachverhalts auch eine Frage der Selbsteinschätzung. So fragte sie, ob er sich selbst darüber gewundert habe, was er da anrichtete, oder ob er bei sich gedacht habe, dass er das unmöglich gemacht haben könne. In ihrem Plädoyer sollte sie auch klarstellen, dass sie ihm auch nicht glaube, dass er sich an nichts erinnern könne. Auch sah sie "keinen Spielraum mehr für eine Geldstrafe" und wollte sieben Monate Haft auf Bewährung verhängt wissen.
Auf Jägers Frage nach derzeitigen Trinkgewohnheiten, gab der 24-Jährige ein bestimmtes "regelmäßig" zurück. Der gegen ihn ergangene Urteilsspruch sollte dem Ansinnen der Staatsanwältin folgen und eine Haftstrafe zur Bewährung zur Folge haben.


Drei Jahre Bewährung

Drei Jahre Bewährungszeit und 1500 Euro Geldbuße sind die Nebeneffekte. Zu ihnen gehören auch zehn Termine bei der Suchtberatung sowie ein "unverzüglicher Kontakt" zu einer therapeutischen Sexualberatungsstelle, inklusive dazu verpflichtend vorzulegender Nachweise. "Ich bin überzeugt, dass das Problem nicht im Alkohol liegt", so Jäger diesen Beschluss begründend.