"Räucherla randvoll" ist mit Fettstift auf einen der Edelstahltanks geschrieben. 1239 Liter fasst der Tank. Zusammen mit Braumeister Reinhold Reblitz ist es an diesem Tag meine Aufgabe, 250 Liter davon abzuzapfen und in Fünf-Liter-Fässchen zu füllen. In einer Brauerei ist das Brauen ist nur die Hälfte der Arbeit; fürs Abfüllen und für Reinigungsarbeiten geht mindestens die gleiche Zeit drauf, sagt der Braumeister. Hygiene und Sauberkeit sind das A und O. Vor- und Nacharbeiten beim Brauen und Abfüllen sind zeitraubend.

Zunächst gilt es, die dickflüssige Hefe abzuschlämmen, die sich am Boden des Lagertanks abgesetzt hat. Sprudelnd zischt die weiße Flüssigkeit durch den Schlauch auf den Boden und rinnt in den Abfluss. Dann legen wir eine Bierleitung - wer hätte so eine Pipeline nicht gern zu Hause?

Das Rauchbier ist ein besonderer Saft, für den ein spezieller Sud angesetzt wird. Reinhold Reblitz braut vom "Räucherla" mehrmals im Jahr kleinere Mengen, die er in seiner Brauerei-Gaststätte ausschenkt und in Fünf-Liter-Fässer abfüllt.

Arbeitsplatz eingerichtet

Das Abfüllen von 50 Fässchen ist an diesem Tag meine Aufgabe. Reinhold Reblitz erklärt mir die Funktionsweise des Abfüll automaten und weist mich in meine Aufgaben ein. Zuvor hatte ich schon die 50 Fässchen von einer Palette geholt und griffbereit platziert. Inzwischen sterilisiert der Braumeister die Leitungen zum Abfüllautomaten und stellt zwei große Becken mit Desinfektionsflüssigkeit und mit frischem Wasser auf, in denen die vollen Fässchen abschließend gereinigt werden.

Nun beginnt die eigentliche Arbeit des Abfüllens. Fünf-Liter-Fässchen sind auch für einen Schreibtischmenschen wie mich zu packen - meine ich. Nachdem ich in gebückter Haltung 50 Fässchen abgefüllt, mit einem Pfropfen verschlossen, im Wasser gereinigt und im Kühlhaus aufgestapelt hatte, war jedoch mein Respekt vor dieser vermeintlich leichten Arbeit gewachsen. Der Ablauf ist zwar jedesmal gleich, doch mir fehlt die Routine. Ich muss mich konzentrieren, um zeitlich effektiv zu arbeiten und dabei keinen Gerstensaft zu verschütten.
Der Plastikdeckel des Spund lochs am Fässchen muss entfernt werden; dann wird das Blechfass auf eine kleine Plattform in der Abfüllmaschine gestellt. Per Knopfdruck leite ich den automatischen Abfüllvorgang ein. Das Fässchen wird angehoben und das Füllorgan - ein etwa 30 Zentimeter langes, stachelartiges Stahlrohr - verschwindet im Spundloch.

Zischend und leise summend arbeitet die Maschine. Bevor sie das Bier einfließen lässt, verdrängt sie die Luft aus dem Bauch des Fässchens, indem sie Sauerstoff einleitet. Das ist erforderlich, damit der Gerstensaft nicht schäumend oben herausquillt.

So lange die Maschine das Bier in ein Fass füllt, hämmere ich aufs Spundloch eines bereits abgefüllten Fässchens eine gummi umrandete Verschlusskappe, desinfiziere und wasche das Fässchen und trage es ins Kühlhaus, wo ich es auf die anderen Behältnisse staple.

Arbeitstag mit 50 Wörtern

Dieser Tag war ganz anders als mein Redakteursjob, in dem ich Layout-Container mit Wörtern befülle. Immerhin: Geschrieben habe ich auch an diesem etwas anderen Arbeitstag - 50 Wörter, um genau zu sein. 50 Mal schnörkelte ich das Wort "Räucherla" mit schwarzem Edding auf die Fässchen.

Respekt flößte mir aber auch die Arbeit eines anderen Mannes ein: 13 Säcke Malz liefert Andreas Ultsch aus Gößmitz an diesem Vormittag an. Routiniert schultert er die 50-Kilo-Säcke und trägt sie mit beneidenswerter Leichtigkeit ins Brauhaus. Ich will mich nicht lumpen lassen und stemme einen dieser Säcke. Leider gelingt es mir nicht, den Zentner Malz mit einem ähnlich unbeschwerten Lächeln ins Brauhaus zu tragen, wie Andreas Ultsch das tut.