Schützenfest, das heißt zehn Tage feiern, gemütlich ein paar Bier trinken und den Adrenalin-Kick suchen. Dafür sind diese Veranstaltungen heute jedenfalls zumeist bekannt. Doch es geht auch um etwas anderes: Um den Schützenverein und vor allem um den Schießsport. Dieser wird aber meist abseits des großen Trubels ausgeübt. Bei der Königlich Privilegierten Schützengesellschaft Lichtenfels befinden sich die Schießstände im Schützenhaus. Am Mittwochmittag tummeln sich dort einige der Schützen und auch ein paar Schausteller, denn an diesem Tag ist das Schaustellerschießen. Mitmachen und ausprobieren kann trotzdem jeder, erklärt Florian Dehler, Zweiter Platzmeister und früherer Jugendleiter. Also nutze ich die Gelegenheit, zum ersten Mal in meinem Leben den Abzug zu drücken.

Bevor es losgeht muss ich aber erst einen Zettel ausfüllen. Damit bin ich für die Zeit meines Aufenthaltes versichert, auch noch auf dem Heimweg. Dann holt Dehler aus dem Waffenschrank das erste Gewehr: ein Luftgewehr. "Damit kommt jeder als erstes in Berührung", erklärt er. Ab zwölf Jahren darf man damit schießen. Mit 18 kann sich jeder so ein Luftgewehr nach Hause holen, ohne Waffenschein und ohne Mitgliedschaft im Verein. Dieses Gewehr gehört aber zum Bestand der Jugendmannschaft.


Am Anfang steht die Theorie

Es sei ein klassisches Luftgewehr, sagt Dehler. Unter dem Lauf hat es eine Kartusche. Darin befindet sich die Luft mit einem Druck von 200 bar. Das reicht für etwa 120 Schuss. Der Platzmeister erklärt die wichtigsten Elemente des Gewehrs und wie man damit umgeht: "Der Umgang mit der Waffe ist das A und O. Das lernen Anfänger zuerst."

Dann drückt er mir das Gewehr in die Hand. Er stellt eine Stütze auf den Tisch, auf der die Waffe aufliegt. Das reduziert das Gewicht des zwischen 4,5 und 5,5 Kilogramm schweren Gewehrs. Durch einen Hebel öffnet sich die Lademulde. Dort kommt die pokalförmige Bleikugel hinein, mit dem flachen Ende in Richtung Lauf. Hebel wieder nach vorne klappen, um die Mulde zu schließen - jetzt ist das Gewehr scharf.
Die Schaftkappe am hinteren Teil des Gewehrs liegt an meiner Schulter an, mein Kopf leicht schräg an der Schaftbacke darüber. Wichtig: Der rechte Zeigefinger darf den Abzug noch nicht berühren, denn dieser ist sehr empfindlich, betont Dehler.

Mit den Augen muss ich sehr nahe an das Diopter, die Zielvorrichtung heran. Dadurch sehe ich das Ringkorn vorne am Lauf, mit dem ich auf die zehn Meter entfernte Scheibe ziele. Der schwarze Bereich ist gerade 4,5 Zentimeter im Durchmesser.


Die zitternde Hand

Das Zielen ist der schwierigste Teil. Der kleine schwarze Punkt passt gerade so in das Ringkorn und wackelt wie verrückt darin. Das Gewehr ruhig zu halten und sich zu konzentrieren, lerne man mit der Zeit, sagt Dehler. "Wenn man regelmäßig übt." Das Atmen macht meine Hände noch unruhiger. "Die Lunge mit etwa 30 Prozent Luft füllen und Einfach Luft anhalten", schlägt Dehler vor. Dann der erste Schuss: 7,8 Ringe treffe ich auf Anhieb. Und schon der dritte Schuss trifft genau ins Schwarze.
Ohne das stützende Gestell sieht die Sache aber ganz anders aus. Jetzt macht sich das Gewicht der Waffe stark bemerkbar. Auch die Stellung ändert sich: Im 90-Grad-Winkel zur Zielscheibe positionieren, Füße schulterbreit und parallel stellen, den linken Ellenbogen an den Körper und die Hüfte etwas herausdrücken. Jetzt fühlt sich das Schießen eher nach Glückssache an und es braucht vier Schüsse, bis ich erstmals die Scheibe treffe. Auch die speziellen Klamotten - Jacke und Handschuhe - helfen zunächst nicht sehr viel.

Beim Kleinkaliber agiere ich - trotz Stütze - ähnlich glücklos. Das jetzt 50 Meter entfernte Ziel erkenne ich, trotz Brille, kaum. Allerdings ist das Gewehr - und vor allem das Diopter - gar nicht auf mich eingestellt, gibt Dehler zu bedenken. Die Waffe funktioniert im Grunde ähnlich wie das Luftgewehr. Nur dass diesmal scharf geschossen wird, ohne Luftdruck. Nach mehreren Versuchen landet gerade mal zwei Schuss auf der Scheibe, der beste davon trifft vier Ringe.

Es braucht Zeit, um ein guter Schütze zu werden und vor allem regelmäßiges Training, sagt Dehler. Kleinigkeiten, wie die richtige Haltung, könne man leicht verbessern.

Die Feinheiten machen aber den Unterschied zwischen einem guten und sehr guten Schützen aus.