Das hat man selten, dass in einer Stadtratssitzung vier Bebauungspläne behandelt werden. In der Kreisstadt stehen die Zeichen auf Wachstum, neue Wohn- und Gewerbegebiete entstehen. Auf dem freigeräumten ehemaligen Güterbahnhofgelände, einem Areal mit einer Größe von 3,5 Hektar, wird es ein ganzes Stadtviertel mit Reihenhäusern und auch sozialem Wohnraum sein. "Ich freue mich sehr über diese Entwicklung in unserer Stadt", betonte Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD). Doch gerade in diesem innenstadtnahen Bereich sollte man ein Augenmerk auf Qualitätsmerkmale legen, merkte Stadtrat Bernhard Christoph von den Grünen an. "Wir müssen versuchen, besser zu werden, Qualitätsbaugelände zu schaffen." Anregungen zu Rad- und Fußwegen, kleinen Plätzen und Baum-Anpflanzungen sowie beispielsweise einer zentralen Heizungsanlage sollte die Verwaltung an den Investor weitergeben. Die Detailplanung steht hier noch aus, doch nach dem einstimmigen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan B 72 ist aus Gründen der Innenentwicklung ein beschleunigtes Verfahren möglich.
Dass man im neuen Reundorfer Baugebiet "Maintal" die Begrünung seitens der Stadt selbst in die Hand nehmen will, freute Christoph zu hören. "Wenn man es den Bauwerbern überlässt, passiert es eben oft nicht, wie gewünscht." Zur Gestaltung des 48 Bauplätze zählenden neuen Wohngebiets hat man sich im Bauamt viele Gedanken gemacht. Ein neuartiger, grüner Lärmschutz zur Bahnlinie hin ist vorgesehen, gleichzeitig konnten geforderte Ausgleichsflächen minimiert und so bares Geld gespart werden, was dem Bürgermeister ein Kompliment Wert war.


Lärmschutz mal anders

Eine Lärmschutzwand, wie es sie im Stadtgebiet noch nicht gibt, soll, wie erwähnt, im Neubaugebiet in Reundorf errichtet werden. Auf zirka 330 Metern Länge wird diese zu den Bahnschienen hin mit Photovoltaikmodulen bestückt, während die Bewohner innerhalb auf eine grüne Wand, ein Stück Natur, blicken werden. Die Wahl fiel seitens der Verantwortlichen im Bauamt deshalb auf diese Variante, weil sie im Gegensatz zu einem Lärmschutzwall weniger Fläche beansprucht, im Vergleich zu einer Mauer aber optische und ökologische Pluspunkte hat. Nach Vergleichen verschiedener Möglichkeiten und Anbieter hatte man sich deshalb für diese neuartige Lösung entschieden. In dem neuen Wohngebiet finden 48 Häuser Platz. Den Satzungsbeschluss zum zugehörigen Bebauungsplan B 92 Maintal hat der Stadtrat am Montagabend einstimmig gefasst. Die Erschließungsarbeiten wird die Firma Mühlherr-Bau, Sonneberg, übernehmen. Der Auftrag wurde zum Angebotspreis von rund 990 000 Euro vergeben.
Gebilligt wurden auch die Planentwürfe zu den Gewerbegebieten "An der Reundorfer Straße" (4,3 ha) und "An der Zeil II". In jenem 37 Hektar umfassenden Gelände ist die Erschließung eine Mammutaufgabe: Aufträge hierzu wurden für 3,62 Mio. sowie 954 000 Euro an Newo-Bau, Theres-Horhausen, bzw. die Bieter Feickert/Schulz, Witzleben, vergeben.


Ergebnisse aus Architektenwettbewerb

Mit Ergebnissen aus dem Wettbewerb zu einer der größten innerstädtischen Entwicklungsflächen, dem Bereich Kirchgasse/Mauergasse, wird die Stadt am Donnerstag aufwarten. "Ich habe die Entwürfe selbst noch nicht gesehen", sagte der Bürgermeister. Ab 17. Mai, 17 Uhr, werden sie im Stadtschloss der Öffentlichkeit präsentiert, eine Woche lang. Auf den fünf Grundstücken ist eine Neubebauung mit Nutzung durch Betreutes Wohnen und eine Demenzwohngruppe, Sozialstation, Arztpraxis und Büroräume geplant.


Bürgerkraftwerk?

Zum Bauleitplanverfahren für eine bereits 2015 vom Bauausschuss positiv beschiedene Photovoltaik-Freiflächenanlage nahe der A 73 gab der Stadtrat grünes Licht. Monika Faber (SPD) regte an, auch über eine Art Bürgerkraftwerk mit der Möglichkeit, Genossenschaftsanteile zu erwerben, nachzudenken.