Diese Mitteilung überraschte die Partei, den man hatte dort nicht damit gerechnet. "Mit sehr viel Elan und Engagement habe ich in diesem Frühjahr meine Aktivitäten für die Freien Wähler in Lichtenfels aufgenommen. Ich habe viele nette Menschen kennen gelernt. Leider haben sich meine Wünsche nicht erfüllt", schreibt er in dem sozialen Netzwerk.

Auslöser scheint ein Gespräch Anfang der Woche gewesen zu sein, an dem neben Roger Martin auch Gernot Brand, der kommissarische Vorsitzende des Stadtverbandes Lichtenfels, teilnahm. Dort wurde darüber gesprochen, dass nicht alle Mitglieder von ihm als Kandidaten überzeugt seien. Es sei aber kein Thema gewesen, dass er aus welchen Gründen auch immer nicht mehr Kandidat sein solle, betont Gernot Brand. Auch Roger Martin habe sich nicht entsprechend geäußert. Man habe erörtert, wie die aktuelle Situation sei und sei dann auseinandergegangen. Zweieinhalb Stunden später habe Martin dann in einer Whats App-Gruppe seinen Rückzug verkündet. "Wir waren alle überrascht."

Auch der Kreisvorsitzende der Freien Wähler, Klaus Kasper, bedauert die Entscheidung von Roger Martin. "Ich bin sehr enttäuscht, dass er seine Kandidatur zurückgezogen hat." Der 62-Jährige Journalist war viele Jahre Redaktionsleiter des Obermain Tagblatts und deshalb in der Stadt gut bekannt. Davon erhofften sich die Freien Wähler Rückenwind für die Kommunalwahl im März kommenden Jahres. Noch im Sommer war Roger Martin bei nur einer Enthaltung von der Basis als Kandidat aufgestellt worden.

Damals hatte Martin selber davon gesprochen, dass bei den Freien Wählern ein großartiger Teamgeist herrsche. Es scheint aber wohl genau dieser Teamgeist zu sein, den Martin nun vermisst nun hat. "Vielleicht hat er überschätzt, wie wir ihn als Stadtverband mit 70 Mitgliedern unterstützen können", vermutet Brand. Auf der anderen Seite habe es nun auch Stimmen gegeben, die von Martin als Kandidaten nicht überzeugt gewesen seien. "Es scheint so, dass am Ende die Erwartungen auf beiden Seiten enttäuscht waren", sagt Brand. Unsere Redaktion konnte Roger Martin nicht für eine Stellungnahme erreichen.

Anfang Oktober hatten die Freien Wähler erfolglos versucht, einen neuen Vorstand zu wählen. Gernot Brand und sein Stellvertreter Jürgen Achtmann sind beruflich stark eingespannt, da sie in Pirmasens (Brand) und Bonn (Achtmann) arbeiten.

Ein neuer Versuch soll am 21. November unternommen werden, wo auch die Stadtratsliste aufgestellt wird. Bislang gibt es nur eine Person, die angekündigt hat, für den Vorsitz zu kandidieren: Roger Martin.