Lichtenfels - Bürgerfest: Das klingt nach guter Laune. In den Sog der als Bürgerfest deklarierten kommunalen Feierlichkeiten anlässlich der Fertigstellung des neuen Klinikums Lichtenfels gerieten am Freitagnachmittag tatsächlich gut gelaunte Besucher. Ob es 2500 waren, wie vom Landratsamt eingeschätzt, ließ sich zu Redaktionsschluss noch nicht sagen. Jedoch betraten sie ab 14 Uhr zu einem Rundgang das mehrgeschossige Stockwerk des Green Hospital Lichtenfels. Herbert Keller ist 93 Jahre alt. Vielleicht ist er der älteste Teilnehmer des Rundgangs, an dessen Ende die Gäste nach draußen in die Feierlichkeiten zu Musik, Festreden und Grillfleisch entlassen werden. Drei Etagen lang will das neue Klinikum zeigen, was es ab Juni allen bieten kann. Gerhard Malter aus Coburg zeigt sich schon im zweiten Stockwerk begeistert. "Mein erster Eindruck im Vergleich zum Altbau ist eine 100-prozentige Steigerung", meint der Senior, der erzählt, schon den vierten OP-Saal mitgebaut zu haben.
"Die Nasszellen sind geräumiger", erklärt der Mann den Vergleich zum bisherigen Klinikum suchend. Doch wie verhält es sich aus seiner Sicht mit den Türen zu den Krankenzimmern. An deren Breite entzündete sich einst die Frage, ob sie noch zeitgemäß sei und ob es nicht besser wäre, neuartige Krankenbetten durch verbreiterte Türen zu schieben. Auch hier, so Malter, sei das Ziel erreicht worden.

Wie so viele an diesem Nachmittag, warf auch er einen Blick in die Nasszellen, die gleichfalls geräumiger wirkten. Auch Mitarbeiter des Hauses nahmen die Gelegenheit wahr, sich anzuschauen, womit sie "künftig klarkommen müssen". Karina Kraus ist Bereichsleiterin für Pflege. Die junge Schwester darf bald nach 14 Uhr immer wieder Fragen zu einer technischen Einrichtung beantworten, die noch von kaum einem Besucher vorher je gesehen wurde: Rohrpost. "Alle Mitarbeiter sind darauf neugierig", erklärt sie und fügt an, dass für die Handhabe und Nutzung auch Schulungen laufen. "Die Rohrpost ist vor allem für Blutentnahmen gedacht", hält die junge Frau fest. Diese Fragestellerin will es genau wissen, erkundigt sich danach, wie schnell eine Rohrpostsendung im Haus unterwegs ist. "25 Stundenkilometer", so die Antwort. In zwei Minuten sind Blutentnahmen von hier aus im Labor, in extra speziellen Taschen und das Personal entlastend.

Auf zehn Stationen zwischen Innerer Medizin, Neuroradiologie oder Neurochirurgie zogen Hunderte Menschen durch die Gänge. Ihretwegen wurden vom Landkreis vier kostenfreie Buslinien eingerichtet.

Die Gesamtbettenzahl, so erfuhr man, beträgt 276, die Nutzfläche über 14 000 Quadratmeter und 7714 Quadratmeter beträgt die Verkehrsfläche des Hauses. Auch Kosten werden dann und wann genannt, so soll das Herz-Katheter-Labor mit 750 000 Euro zu Buche schlagen. Scharfe Bildschirme mit höchster Auflösung sollen für scharfe Diagnosen sorgen. Überdies soll es hier so hygienisch wie in einem OP-Raum zugehen.

Höhepunkt des Rundgangs war für Besucher die Aufforderung, doch selbst eine OP vorzunehmen. Mit professionellen Geräten und Kameratechnik "operierten" sie so unter ärztlicher Anleitung Gummibärchen aus einer Art Schädel, stellten Fragen zur Umweltverträglichkeit des Hauses und fanden sich letztlich zum beginnenden Festakt mit Ehrengästen vor dem Haus ein.

Der allgemeine Tenor dabei: Gefallen an den hellen Räumen, den größer ausgelegten sanitären Einrichtungen und mehr.