Das Altstadtfest war diesmal echt heiß. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Die tropischen Temperaturen am Samstagnachmittag führten freilich dazu, dass viele Menschen erstmal zum Schwimmen gingen, bevor sie die Zeitreise ins Mittelalter unternahmen. Den Straßenmusikern, Handwerkern, Gauklern und Schwertkämpfern setzte die Hitze ebenfalls zu, so dass sie ihrem Gewerbe sehr ermattet nachgingen.

Am Samstagabend strömten die Menschen in den Altstadtkern und füllten die Bierbänke. Musik an allen Orten. Kontrastprogramm war geboten: Während auf dem Marktplatz die Mittelaltergruppe "Lumpenrogg" lautstark für Heiterkeit sorgte, unterhielt Michael Diller in der "Drosselgasse" am Stadtturm das weinselige Publikum mit eher leisen Tönen. Der Tropentag wandelte sich zur warmen Sommernacht, so dass die Feiernden gar nicht nach Hause gehen wollten; viele blieben bis weit nach Mitternacht.

Den Auftakt zum Altstadtfestsonntag bildete der Einzug des historischen Handwerks und des Magistrats. Im Mittelpunkt standen die mittelalterlichen Zahlenkunststücke des Rechenmeisters Odalricus, im wirklichen Leben Professor Ulrich Reich von der Hochschule Karlsruhe. Ehrengäste, Stadträte und gemeines Volk lernten dabei zum Beispiel, wie zur Zeit von Adam Riese mit den Fingern gerechnet wurde.

Viel Abwechslung war am Sonntagnachmittag geboten. Rund ums Rathaus zeigten Alexander Krappmann und sein Team, wie Hufeisen hergestellt und Pferde beschlagen werden. Im Hof der Raiffeisen-Volksbank gastierte das Bamberger Kasperle und im Stadtgraben konnten Kinder reiten.

Die Kulturinitiative beteiligte sich am Altstadtfest mit der Ausstellung "Entdecke die Vielfalt: Natur gestalten" im Stadtturm und in der Alten Darre. Rolf Kraus und Hermann Hacker ließen sich bei der Arbeit über die Schulter schauen. Während Rolf Kraus im Tordurchgang des Stadtturms kunsthandwerkliche Blechskulpturen fertigte, versuchte sich Hermann Hacker in der Türmerstube darin, Kandinsky zu imitieren und eine Ansicht Bad Staffelsteins im Stil des berühmten Malers auf die Leinwand zu zaubern.

Zu den Besonderheiten des Altstadtfests zählten die Führungen durch die Annakapelle. Das Kirchlein, das mittendrin im Festtrubel steht, war für Besucher geöffnet und bildete den ruhenden Pol. Manch einer mag vielleicht nicht allein wegen des Kunstgenusses in die Kapelle gekommen sein, sondern weil es dort angenehm kühl war.