Die Häuser im Laubenweg und den angrenzenden Straßen sind höchstens zweigeschößig: Es ist ein kleines, beschauliches Wohngebiet.
Seit Monaten jedoch steht ein Bauprojekt für dieses Viertel auf dem Plan: Die Firma Zauritz Obermain Wohnhaus GmbH & Co KG will im Laubenweg eine Wohnanlage mit 18 Wohnungen errichten. Diese sind sogar schon zum Verkauf ausgeschrieben. Das stört die Anwohner.
"Das war von Anfang an eine Nacht- und Nebelaktion", sagt Andrea Goller, die direkt im angrenzenden Haus wohnt. Die Anwohner seien nur wenige Tage, bevor der Plan im Bauausschuss behandelt worden ist, informiert worden.

Absage vom Bauausschuss

Rückblick: Schon im März hatte der Stadtrat das Gelände angeschaut und die Zufahrtswege zum geplanten Wohnkomplex als sehr schmal bezeichnet. Im Juli 2013 erteilte die Stadt dem Bauvorhaben dann eine Absage. Eine der Begründungen war dabei, dass die Feuerwehrzufahrt zu eng sei. Ein weiterer Grund war, dass das geplante Gebäude nicht in das Bild des Wohngebiets passe, da es höher werden würde, als alle vorhandenen Bauwerke und dazu noch 40 Meter lang und 17 Meter breit werden würde. Allerdings liegt die Entscheidungsgewalt über das Bauvorhaben nicht in den Händen des städtischen Bauausschusses, sondern beim Landratsamt. Die Entscheidung steht noch aus. Auf Anfrage des Fränkischen Tags sagte der stellvertretende Pressesprecher, Helmut Kurz: "Es gab bereits Besprechungen, die fortgeführt werden. Ein abschließendes Ergebnis liegt noch nicht vor." Er sagte weiter, dass die Entscheidung voraussichtlich innerhalb der nächsten drei Wochen fallen werde.
Im Gegensatz zur Stadt sieht das Helmut Kurz dabei momentan nichts, was gegen eine Genehmigung spricht: "Soweit keine Rechtsgründe dagegen sprechen, hat der Antragsteller einen Rechtsanspruch auf Erteilung der Baugenehmigung, der für das Landratsamt nicht zur Disposition steht. Dem staatlichen Landratsamt kommt im Gegensatz zu den im Baurechtsverfahren beteiligten Kommunen kein planerisches Ermessen zu, da es über keine Planungshoheit verfügt."
Das bedeutet konkret, dass die Einwände der Anwohner zwar "im Verfahren geprüft und berücksichtigt werden, allerdings nur dann zum Tragen kommen, wenn diese sich mit den Gesetzen decken, so Kurz.
Darüber sind die Anwohner empört. "Ich verstehe nicht, warum sie nicht die Relation sehen", sagt Andrea Goller, "18 Wohnparteien, die dann täglich über diese kleine Straße ein- und ausfahren sollen."

Neue Nachbarn willkommen

Dabei unterstreicht eine andere Anwohnerin, Helga Goller, dass sie nicht grundsätzlich etwas gegen neue Nachbarn habe. "Wir haben nichts dagegen, wenn dort jemand hinbaut, aber nicht so hoch, nicht so groß."
Die kleine Straße sei einfach nicht gemacht für so viele Bewohner. "Die Straße ist nur ein paar Zentimeter hoch geteert, darunter ist nur Lehm", sagt Edeltraud Bauer. Auch sie wohnt unmittelbar am Laubenweg. Sie fürchtet auch, dass die Straße während den Baumaßnahmen von anfahrenden LKW massiv geschädigt würde.
Die Ansicht, die zu enge Feuerwehreinfahrt könnte zum Problem werden, kann der Landkreis nicht teilen. "Die Beurteilung des fachlich zuständigen Kreisbrandrates hat die Auffassung der Stadt Lichtenfels nicht bestätigt. Eine Feuerwehreinsatzübung hatte zum Ergebnis, dass das Vorhabengrundstück mit den Einsatzfahrzeugen der örtlichen Feuerwehr erreichbar ist", sagt Helmut Kurz.
Die Laubweger Protestgruppe kann über diese Aussage nur den Kopf schütteln. "Die Feuerwehr musste rückwärts einfahren und hat dann auch noch einen Ausleger auf dem anliegenden Grundstück ausgefahren. Normalerweise steht da aber ein Auto", berichtet Edeltraud Bauer. Sie habe auch schon ein Gespräch mit dem Landrat geführt, doch das Ergebnis sei nicht zufriedenstellend gewesen. "Der Landrat müsste doch für seine Bürger da sein und nicht für irgend einen Investor aus Würzburg", beklagt sie sich.
Momentan sehen die Anwohner des Laubenwegs schwarz für die anstehende Entscheidung. Aber sie schrecken auch nicht davor zurück, für dieses Anliegen vor Gericht zu ziehen. "Wenn der Landkreis das Projekt genehmigt, suchen wir uns einen Anwalt", gibt sich Andrea Goller kämpferisch, "die denken bestimmt, wir würden aufgeben, wenn es hart auf hart kommt. Tun wir aber nicht."