Rasend schnelle Kommunikation über das Internet ist inzwischen Alltag. Jeder nutzt E-Mails, um mit Freunden oder Einrichtungen zu kommunizieren. Und das alles kann von Fremden mitgelesen werden. Um seine Schüler dafür zu sensibilisieren, hat Michael Goertler, EDV-Fachlehrer an der Privaten Wirtschaftsschule Lichtenfels, das Projekt "Sichere Kommunikation im Internet" ins Leben gerufen. Innerhalb von acht Schulstunden will er mit den 18 Schülern der Klasse 8a erarbeiten, wie Nachrichten verschlüsselt werden können.

Zuerst Theorie, dann Praxis

Wie es der Lehrplan vorsieht, haben die Schüler sich bereits mit der Hardware und den Office-Programmen beschäftigt, nun ist Zeit für praktische Anwendungen, und davon sind die Schüler begeistert. Sie kennen sich aus: Jeder von ihnen nutzt Facebook, und viele wissen, dass ihre Eltern Online-Banking machen. Auch von dem NSA-Skandal haben alle gehört. Goertler fragt seine Schüler: "Was würdet Ihr tun, wenn ein Fremder hinter Euch steht, der alles mitliest?" Die Antwort ist klar: Der soll verschwinden!

Um es diesem Fremden wenigstens etwas schwerer zu machen, mitzulesen, kann man seine Nachrichten verschlüsseln. Das bedeute nur einen geringen Mehraufwand, stellt Goertler klar. Es stehen kostenfreie Programme im Internet zur Verfügung, und die Nutzung wird nach kurzer Zeit zur Routine. Er will seinen Schülern mit dem Projekt eine Hilfestellung gegen die Gefahren im Internet geben: "Die Schüler wissen oft gar nicht, was dahinter steckt."

Goertler meint: "Eigentlich sollten auch die Eltern dabei sein. Viele wissen gar nicht, was ihre Kinder im Internet machen." Um die Eltern für die Gefahren im Internet zu sensibilisieren, möchte er einen Abend mit Eltern und Schülern zu dem Thema gestalten.

An der Lichtenfelser Schule ist "Sichere Kommunikation im Internet" dieses Jahr ein Pilotprojekt, das bei Erfolg weitergeführt werden soll. Goertler hat das Projekt in den vergangenen fünf Jahren bereits an anderen Schulen angeboten. Die Problematik wurde in den letzten Jahren immer aktueller, sagt er. Die Chats würden inzwischen das Telefon ersetzen und machen den Papierkram für Behörden teilweise schon überflüssig.

Selbst in der Klasse besteht bereits ein reger Austausch per E-Mail: "Die Schüler stehen nicht mehr Montag früh vor dem Lehrer und fragen nach der letzten Ex", bemerkt Goertler, "ich bekomme deswegen oft Sonntagabend eine E-Mail."