Ein Wohnhaus in einem fränkischen Dorf. Hinter der Haustür, neben der Garderobe, steht ein Paket. "Das ist unser Auslieferungslager", sagt Thorsten Schweigert und schmunzelt. Er erwartet demnächst den Paketdienst, der den Karton abholen wird. Hierüber gibt es einen Vertrag. Keinen Vertrag gibt es darüber, dass die Familienangehörigen mithelfen, dass alle Bestellungen, die im Hause eingehen, schnellstmöglich auf die Reise geschickt werden. Schweigert hat ein Online-Portal für fränkische Genüsse entwickelt. Seit Oktober findet man im Internet unter www.genussausfranken.de einen Shop, in dem man vieles von dem kaufen kann, was als typisch fränkisch gilt: Bratwürste (fertig gebraten und vakuum-verschweißt), Wurst- und Schinkenspezialitäten, eine ganze Palette an Bieren und Weinen, rustikales Bauernbrot und feine Confiserie-Pralinen. "Ich verkaufe nichts, was ich nicht selbst probiert und für gut befunden habe", sagt Thorsten Schweigert. "Das ist mein Qualitätsstandard." Er müsse eher darauf achten, nicht selbst seine Lagerbestände zu dezimieren, setzt er mit einem Augenzwinkern hinzu.
Die Idee kam dem online-affinen Lichtenfelser, der durch seine Heirat nach Kleukheim kam, schon vor einigen Jahren: "Die tollen fränkischen Produkte jedem im Land einfach und bequem zugänglich machen." Umgesetzt hat er sie erst vor wenigen Monaten. Nicht mehr rechtzeitig, um das Weihnachtsgeschäft noch voll mitnehmen zu können, wie er anmerkt.
Aber immerhin: 400 Leute haben sich schon mal umgesehen auf diesen Internet-Seiten, "ein paar 20" haben etwas bestellt. Überwiegend seien das Unternehmen gewesen, mit denen er zuvor persönlich Kontakt aufgenommen hatte, und die das Angebot eines echt fränkischen Geschenkservices ausprobierten. Ein besonderer Anspruch kommt auch hier zum Tragen: Die Weine, die Schweigert ihnen einpackt, stammen von zwei jungen fränkischen Winzern, die jeweils besondere Auszeichnung erhalten haben. "Die passen zu mir und meinem Konzept", betont er. Nicht alle heimischen Produzenten standen seiner Idee aufgeschlossen gegenüber. "Für viele ist das Internet böse", merkt er an. Die hätten sich nicht einmal anhören wollen, dass sie ihre Waren über diese Schiene ohne Risiko verkaufen könnten. Zu den Partnern, die er gefunden hat, pflegt er persönliche Kontakte. Im neuen Jahr will er zusätzlich einen gekühlten Versand gewährleisten können. Im Internet rührt er derweil die Werbetrommel. Seine Produktpräsentationen, die Programmierarbeit - alles selbst gemacht. "Das ist ein Glück, dass ich vieles kann", sagt er. Anders wäre es auch viel schwieriger, denn der Online-Shop für fränkische Genüsse ist "im Moment noch ein Drauflegegeschäft", wie Schweigert einräumt.
Doch der Mann kann rechnen, wie seine berufliche Laufbahn zeigt: Bankkaufmann, Betriebswirt, Unternehmensberater, erst angestellt, jetzt selbstständig. Er weiß, dass dem Erfolg unternehmerischer Initiativen oft eine Durststrecke vorangeht. Die muss man durchhalten können. Schweigert verfolgt deshalb noch zwei andere digitale Projekte, eines davon bereits patentiert, ist dafür deutschlandweit unterwegs. Nicht zuletzt dadurch hat er das, was Franken bietet, erst richtig schätzen gelernt. Die vertragsfreie Zeit nutzt er zusätzlich zur Wissenserweiterung durch ein Fernstudium: Jura, ein für alle seine Tätigkeitsfelder nützlicher Fachbereich.
Vernetzt ist Schweigert immer und überall. Gehen Bestellungen ein, bekommt er eine E-Mail aufs Handy. Ist er unterwegs, kümmert sich jemand in der Familie da rum. Wer sich durch die Genuss-Seiten klickt, merkt schnell, dass hier jemand viel Zeit und Liebe investiert hat. "Oberfranken nennt sich nicht umsonst Genussregion", schreibt Schweigert da. Und er setzt sich mit Unternehmergeist dafür ein, anderen diese Genüsse schmackhaft zu machen - vielleicht als "Frängischa Broudwöscht un Bralina im Bäggla" (=Fränkische Bratwürste und Pralinen im Paket).