Manch ein Kompromiss kann einfach nicht froh machen, und trotzdem geht man ihn ein, weil eine bessere Lösung nicht in der eigenen Macht steht. Der neue Erlass über die verkaufsoffenen Sonntage eint den Lichtenfelser Stadtrat vor allem in seiner Unzufriedenheit damit. Doch nach intensiver Prüfung, höchstrichterlichen Urteilen und Gesprächen mit der Gewerkschaft Verdi stimmte man für den Kompromiss, der zumindest Rechtssicherheit verspricht. Lichtenfels darf weiterhin seine drei verkaufsoffenen Sonntage haben, die alle mit großen, zugkräftigen Veranstaltungen in der Stadt gekoppelt sind: Korbmarkt im September, Street-Food-Festival mit Automeile im Frühling und Fischmarkt im Spätherbst. Es dürfen künftig allerdings nur noch Geschäfte geöffnet haben, die in engem räumlichen Bezug zu den jeweiligen Veranstaltungen stehen, und hierfür wurde der Geltungsbereich neu festgelegt. Im Klartext bedeutet das, Expert und Möbel-Boss oder Kaufland an Theodor-Heuss- und Robert-Koch-Straße werden ab sofort nicht mehr teilnehmen dürfen. Auch nicht der Fahrradhändler in der Viktor-von-Scheffel-Straße. Noch krasser wirkt sich die Trennlinie in der Mainau aus. Der eine Drogeriemarkt darf offen haben, der auf der anderen Straßenseite nicht. Aus Sicht des Stadtmarketingvereins beziehungsweise der Einzelhändler sei diese Regelung ärgerlich, sagte Citymanager Steffen Hofmann, doch ohne sie liefe man Gefahr, dass ein verkaufsoffener Sonntag per Klage gestoppt würde - und dies womöglich ganz kurzfristig vor dem betreffenden Termin.

Was Citymanager fordern

Die bayerischen Citymanager setzen sich deshalb für eine rechtssichere Planung und Durchführung der Märkte und verkaufsoffenen Sonntage ein. Sie tun dies mit einem Positionspapier, in dem sie gegen die räumliche Einschränkung auf ein Veranstaltungsumfeld bezogen und gegen die Bindung an einen bestimmten Anlass eintreten. Eine Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage auf mehr als vier pro Jahr wollen sie hingegen nicht. Vergleichbar ist auch ihre Meinung zu Einkaufsabenden: bis zu vier pro Jahr, keine Vorgabe zur Bindung an ein Kultur-Event. Die Stadtmarketingorganisationen müssten ohnehin ein Rahmenprogramm bieten, damit solche Events ein Erfolg würden - aber darüber sollten sie frei entscheiden können, ebenso wie die Kommunen über die Definition "Innenstadt". Eine Gesetzesgrundlage hierzu erwarten sie von der bayerischen Staatsregierung, denn Bayern hat als einziges Bundesland kein eigenes Ladenöffnungsgesetz erlassen, seit der Bund 2006 die Zuständigkeit an die Länder abgegeben hatte. Auch im Lichtenfelser Stadtrat sah eine große Mehrheit dies als Manko an. Arnt-Uwe Schille (SPD) gab zu bedenken, welchen Aufwand jede Stadt deswegen betreiben müsse.

Emmi Zeulner (CSU/MdB) kritisierte die Gewerkschaft. Ihrer Meinung nach müsste die sich flexibler zeigen, da es ja auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen gehe. Verdi habe einen sozialen Auftrag, um Arbeitnehmer zu schützen, betonte dagegen Ralf Schneider (SPD). Christian Barth (Junge Bürger) fand den Einsatz von Verdi "hier kontraproduktiv". Gegner für die Geschäfte sei nämlich der Onlinehandel, der keiner Einschränkung unterliegt. Den für Lichtenfels ausgehandelten Kompromiss wolle man mittragen, weil dieser Planungssicherheit gebe. "Man muss es nicht verstehen. Es ist so", merkte Barth an, und unterstrich, wie andere Kollegen auch, die Hoffnung auf eine Regelung an anderer Stelle. Bis auf zwei Stadträte trugen alle den neuen Erlass mit.

Es waren aber auch grundsätzliche Bedenken gegen verkaufsoffene Sonntage zu hören. Monika Faber (SPD) zum Beispiel argumentierte "aus einem christlichen Selbstverständnis" heraus.

Die gleichen Probleme

Ein schwacher Trost für Lichtenfels mag es sein, dass andere Städte die gleichen Probleme mit den verkaufsoffenen Sonntagen haben. In Bamberg etwa wird die erforderliche Bindung an eine innerstädtische Veranstaltung und die enge Grenzziehung rund um die Fußgängerzone ebenfalls als spaltend erlebt.