Als er nach der Schule in der Kulmbacher Gaststätte "Zunftstube" mit Freunden ein Radler trank, blickte er auf die Urkunde eines Bierbezugsjubiläums. "So eine will ich auch einmal haben", ging es ihm durch den Kopf. 30 Jahre später ist Norbert Freitag Besitzer eines solchen Dokuments.

Wer kennt sie nicht, die Kleinkunstkneipe mit dem Namen, der einem Heiligen entlehnt ist, und die nicht nur im Oberen Maintal über einen guten Klang verfügt? Inzwischen ist die Gaststätte zu einem Hort für Alt und Jung aus ganz Nordbayern geworden.

Was wäre die regionale Musik- und Jugendkultur ohne den "Nepomuk"? Für Boris Becker ist Wimbledon das Wohnzimmer, für viele einheimische Ensembles ist es die urige Kneipe an der Mainbrücke, in der regelmäßig Musikveranstaltungen stattfinden: Die Gruppe "Saitenwynd" feierte hier einige ihrer denkwürdigen Konzerte, Kapellen wie "Sunburn" oder "Gimcrack" ließen es des Öfteren krachen, der Urschrei von Kulmbachs Punkkönig Jürgen "Brandy" Schäck, der das 30. Bühnenjubiläum seiner Band "Euroschäck" im rappelvollen Saal zu einer rauschenden Geburtstagsfete werden ließ, hallte durch das rustikale Gemäuer, und so mache Newcomerband von "Redundant" über "Reverb" bis hin zu "Petty Tyrant" verdiente sich hier ihre ersten Sporen.

Bis aus der Kneipe eine "Goldgrube" wurde, in der sich an manchem Wochenende bis zu tausend Menschen wohlfühlen, gingen einige Jahre ins Land, hieß es für Norbert Freitag, kleine Brötchen backen.

Vom Zeichner zum Wirt

Seine ersten Gehversuche im gastronomischen Bereich unternahm der heute 53-jährige gelernte technische Zeichner als Aushilfe im Kulmbacher "Ängerla" und im "Johannes" in Mainleus. "Mit der Zeit merkte ich, dass es mir mehr Spaß macht, am Zapfhahn ein kühles Blondes zu zapfen, als hinter dem Zeichenbrett zu sitzen." Gesagt, getan. Am 1. Mai 1984 übernahm Freitag am Burgkunstadter Marktplatz eine Gaststätte mit dem Namen "Nepomuk". Was ist ihm vom ersten Abend in Erinnerung geblieben? "Die Bierdusche. Damals musste man die Fässer noch mit einem Stechrohr anstechen. Ich hatte davon keinen blassen Schimmer, und so stand ich am Ende da wie ein begossener Pudel."

Jenseits des Mains

Als er merkte, dass sich seine Vorstellungen von einer Erlebnisgastronomie, von Essen, Trinken und Konzerten in gemütlicher Atmosphäre, in der kleinen Gaststätte nicht verwirklichen ließen, zog es ihn jenseits des Mains nach Altenkunstadt. Die Stammgäste packten fleißig mit an und machten aus den Pferdeställen einer ehemaligen Ziegelbrennerei einen Hort der kulturellen und kulinarischen Genüsse. Am 1. Mai 1990 ward der "Nepomuk" geboren.

Inzwischen fühlen sich dort Szenegrößen wie die Rock'n'Roller "Boppin' B" oder "AB/CD", eine der besten "AC/DC"-Coverbands Europas, wohl. In Reggaekreisen genießt die Kneipe regelrecht Kultstatus: Ob "Sixth Revelation" oder "Jamaram" - wenn das "Nepomuk" in den Farben rot, grün und gelb erstrahlt, dann ist volles Haus garantiert. Wer es musikalisch etwas härter mag, kommt im "Nepomuk" voll auf seine Kosten: Dafür sorgen und sorgten eine Fülle von Festivalreihen wie "Road To Rock", "Rock im Wald", "Rise Of Chaos" oder "Kill The DJ". In Eich's Comedy-Kantine wiederum wurden mehrere Jahre lang die Lachmuskeln gehörig strapaziert. Zu einem Publikumsmagneten haben sich die Cocktailpartys am Donnerstagabend entwickelt.

Was ist sein Geheimnis?

Dass eine Gaststätte 30 Jahre besteht, ist in unserer schnelllebigen Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr. Was ist Freitags Geheimnis, dass das "Nepomuk" allen Stürmen der Zeit getrotzt hat? "Ob Reggae, Volksmusik oder Rock - ich habe mich nie auf eine bestimmte Sache eingeschossen, sondern immer Wert auf Abwechslung gelegt", errät er.

Zudem sieht sich der 53-Jährige nicht als Konzertveranstalter. Ich bin mit Leib und Seele Wirt." Für ihn hat das kulinarische Angebot - vom Schnitzeltag über den Pizzatag bis hin zum Brunch - einen ebensolchen Stellenwert wie das musikalische.

Freitag liebt seinen abwechslungsreichen Beruf, von dem er sagt, er halte ihn jung. Als Kneipenwirt komme man mit vielen Leuten in Kontakt, er sei ständig am Puls der Zeit. Bei dem zweifachen Familienvater ist nach drei Jahrzehnten, in denen eine 7-Tage-Woche die Regel war, aber auch der Wunsch nach einer Auszeit spürbar. Ganz offen liebäugelt er mit einem Verkauf oder einer Verpachtung des Nepomuk.

Der Wandel geht ins Negative

Freitag führt das auf den Wandel in der Gastronomie zurück: "Der Gastwirt, der seine Aufgabe darin sieht, sich um den Gast zu kümmern, der seine Erfolge an der Anzahl der zufriedenen Gäste und verkauften Seidla Bier misst, wird den heutigen Anforderungen leider nicht mehr gerecht", bedauert er. Man werde immer mehr gezwungen, als reiner Betriebswirt zu arbeiten - trocken, kalkulatorisch und unpersönlich. Für den 53-jährigen schließt sich ein Kreis - allerdings im negativen Sinne: "Ich bin eigentlich wieder beim technischen Zeichner gelandet, der ich nie sein wollte."