Manfred Brösamle-Lambrecht ist voll in seinem Element. "Sie können einfach Pfeile in die Landkarte malen, wenn Sie Völkerbewegungen nachzeichnen wollen", sagt er begeistert, während er einen riesigen roten Pfeil auf die Jugoslawien-Karte malt. Dann lädt er einen kleinen Aufschrieb, sagt: "Gucken Sie!" - und jedes Mal, wenn er mit dem Finger auf die Tafel tippt, wird der Aufschrieb um einen Begriff erweitert.

Der Deutsch- und Geschichte-Lehrer kann auch Filme zeigen, einen virtuellen Zirkel bedienen oder mal eben schauen, was Wikipedia zum Thema sagt. Denn die riesige elektronische Tafel, vor der er steht, ist direkt mit dem Internet verbunden.

Manfred Brösamle-Lambrecht ist einer von zwölf Lehrern, die am Meranier-Gymnasium seit drei Wochen die Vor- und Nachteile dieser sogenannten Whiteboards testen - und die offensichtlich genauso vom Spieltrieb übermannt werden wie die Schüler.



"Übers Spielen lernt man ja auch", sagt Schulleiter Stefan Völker - und es hört sich fast ein bisschen entschuldigend an. Denn das Spielerische, das die 2500 bis 4000 Euro teuren Tafeln fördern, sei andererseits auch einen riesiger Nachteil: "Es verleitet dazu, die Tafel und nicht das Thema in den Vordergrund zu stellen." Ob sich das mit häufigem Gebrauch legen wird oder dauerhaft ein Problem bleibt, wird die Zeit zeigen: Noch bis Pfingsten werden die Tafeln getestet, dann soll eine Entscheidung her.

Das Landratsamt Lichtenfels, das die neuen Tafeln bezahlen müsste, steht der Sache positiv gegenüber: Im Haushalt 2013 seien bereits Mittel bereitgestellt, bei Bedarf könne das Meranier-Gymnasium innerhalb von drei Jahren komplett auf elektronische Tafeln umrüsten.


Eine Grundsatzentscheidung
Doch so weit denkt Schulleiter Völker noch gar nicht. Denn Kosten und Spieltrieb-Befriedigung sind für ihn nur ein Nebenschauplatz: "Hier geht es um eine pädagogische Grundsatzentscheidung: Halte ich mich an dem fest, was schon bekannt ist oder stelle ich mich der Medienwirklichkeit der Jugendlichen?", fasst Stefanie Rödel zusammen, die ebenfalls zur Gruppe der Testlehrer gehört.

Sie als Französischlehrerin könnte den Schülern zum Beispiel direkt übers Internet zeigen, warum die Übersetzung mit dem Online-Wörterbuch nicht geklappt hat - und wie man es besser machen kann. Oder einfach mal gemeinsam das Youtube-Video anschauen, über das die Schüler reden. "Wir könnten sinnvolle Medienerziehung leisten", sagt sie. Andererseits: "Gucken alleine reicht nicht, die Schüler müssen selber etwas aufschreiben oder einen Zirkel in die Hand nehmen."

Denn nur so könne man das Gelernte auch langfristig behalten, da sind sich die Lehrer einig. Hubert Gehrlich, ebenfalls Testlehrer, betont: "Ein Schüler hat das Recht auf eine eigene Handschrift. Wenn er nur noch tippen kann, haben wir versagt." Schüler müssten einfach beides beherrschen.

Die naheliegende Lösung, einfach nur die Hälfte alles Klassenzimmer mit den sogenannten Whiteboards auszustatten, wäre für das Landratsamt in Ordnung. Schulleitert Stefan Völker hält sie allerdings für nicht umsetzbar: "Wir wären permanent damit beschäftigt, irgendwelche Räume mit oder ohne elektronische Tafel zu buchen." Ganz oder gar nicht also. Manfred Brösamle-Lambrecht wüsste ja schon, was er machen würde.