Das Regiomed-Klinikum hatte zur Vortragsveranstaltung "Herz und Hirn" in die Stadthalle eingeladen. Im Rahmen der Herzwochen der Deutschen Herzstiftung informieren Chefarzt Dr. Erich Dünninger (Kardiologie) und Chefarzt Dr. Constantin J. Zühlke (Neuroradiologie) über das Thema Schlaganfall und die Vielfalt der Behandlungsmethoden am Klinikum Lichtenfels.

Ein gutgelaunter stellvertretender Landrat Helmut Fischer freut sich über den großen Zuspruch der Bevölkerung. "Mich betrifft's ja nicht, bin ja pumperlg'sund," würde viele denken und erst im Not- und Ernstfall erkennen, wie wichtig eine gute medizinische und Versorgung ist. Jedenfalls sei der Landkreis bestens versorgt. Das Credo von Winfried Weinbeer, dem Dritten Bürgermeister von Lichtenfels, ist "Bewegung, Bewegung, Bewegung und natürlich vernünftige Ernährung, wenig Alkohol, wenig Rauchen."

Der gleichen Meinung ist auch AOK-Bereichsleiter Grebner als einer der Sponsoren, den Besuchern Kurse zu Themen wie Bewegung, Ernährung und Entspannung ans Herz legt.

Dann schildert Chefarzt Dünninger, wie sich "Schirmchen" zur Behandlung von Schlaganfällen einsetzen lassen". Rund 250 000 Menschen erleiden demnach in Deutschland jährlich einen Schlaganfall, davon 80 Prozent durch ein Blutgerinnsel(Thrombus), das ein Blutgefäß verschließt. In der Folge werden Teile des Gehirns nicht mehr richtig mit Blut versorgt. Eine Standardmethode sei eine medikamentöse Therapie mit Gerinnungshemmern wie Marcumar. Eine der möglichen Nebenwirkungen dieser herkömmlichen medikamentösen Therapie seien Hirnblutungen und eine erhöhte Blutungsgefahr an sich. Deshalb empfiehlt Dünninger er den Verschluss des linken Vorhofohrs durch ein Implantat, das sogenannte "Schirmchen". Auch ein Loch in der Vorhofscheidewand stehe im Verdacht, über Thromben Schlaganfälle auszulösen. Dabei handelt es sich um eine offene Stelle in der Scheidewand zwischen den Herzvorhöfen, die aufgrund einer Fehlentwicklung bei einigen Menschen bestehen bleibt. Auch diese Öffnung könne mit einem Schirmchen verschlossen werden. Bei beiden Methoden handele es sich um minimalinvasive Eingriffe, die über die Leiste mittels eines Katheters erfolgen.

Petra Ernst sorgt mit ihrer Herzsportgruppe im Anschluss für Kurzweil auf der Bühne und regt zum Mitmachen an. Und das Publikum macht begeistert mit.

"Was macht das Gerinsel aus dem Herz im Hirn?" fragt "Chefarzt Zühlke nach der Pause. Und erklärt selbst:,"Das Schirmchen ist wie vorbeugender Brandschutz, und wenn's doch passiert, dann ist meine Behandlung der Einsatz der Feuerwehr." Wenn das Gerinnsel bereits ins Gehirn gewandert und es zum Schlaganfall (Stroke) gekommen ist, kkönne dieses über einen Mikrokatheter mechanisch entfernt werden. Diese neue Methode vermeidet Zühlke zufolge schwere Behinderungen nach einem Schlaganfall , indem sie eine verstopfte Hirnarterie von einem Blutgerinnsel befreit. Diese Methode sei seit 2015 immer mehr verfeinert und weiterentwickelt worden. Mittlerweile könnten so fast 90 Prozent der Gefäße wieder geöffnet werden.

Besonders gefragt in der Stadthalle sind die Mitmach-Vorfühungen und Aktionen des Roten Kreuzes. An einer Puppe kann man die Wiederbelebung üben und auch den Einsatz eines Defibrillators. Ein Besucher erzählt, wie er mit einer Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung seiner Frau das Leben gerettet habe, nachdem sie einfach bewusstlos geworden sei. Auch über den Einsatz eines Notrufgerätes kann man sich informieren. Und am Infostand des Krankenhauses erkärt Schwester Manuela Münzel die Wirkungsweise des neuartigen Schirmchens für den Vorhofverschluss. "Alles zum anfassen" lacht sie und ermuntert die Leute, sich das Teil anzuschauen. Auch die deutsche Herzstiftung ist vor Ort.

Richtig praktisch wird's nochmal am Nebentisch. Dort entnehmen BRK-Mitarbeiterinnen Blut zur Blutzuckerdiagnostik und messen Blutdruck.