Für ihr Hobby hat sie trotz geregelter Tagesordnung Zeit. Schwester Sixta Zirkelbachs Steckenpferd ist die Handarbeit. Dadurch bleibt sie in regem Kontakt zu Patienten und Personal. Wenn sie auf ihre 50 Dienstjahre in Kutzenberg zurückblickt, sieht sie den Aufstieg des heutigen Bezirksklinikums, zum dem sie und ihre Kongregation der Dienerinnen der Heiligen Kindheit Jesu vom dritten Orden des Heiligen Franziskus beigetragen haben.
1924, als mancherorts Bauern Äcker pflügten, wo nun jährlich etwa 9000 Patienten behandelt werden, arbeiteten 55 Schwestern als Krankenschwestern sowie im Wirtschafts- und Versorgungsbereich. Heute sind es noch vier: die Schwestern Lanthilde, Kleopha, Revocata und ihre Oberin Sixta. "Die Oberin muss für alles grade stehen und auch mal etwas einstecken können", lacht Schwester Kleopha. Außerdem fallen Finanzen und die vom Gebet geprägte Tagesordnung in ihr Aufgabengebiet.
Das Beten wie das religiöse Leben im Kloster sind es, das die 1938 als Theresia Zirkelbach in Schönau an der Brend Geborene bewegen, 1958 in den Orden der Oberzeller Franziskanerinnen einzutreten. Das Wort Dienerin im Titel ihrer Kongregation nimmt sie dabei wörtlich. Stets stand der Mensch im Mittelpunkt ihres Tuns als Krankenschwester oder in der Seelsorge.
Nach Kutzenberg kam sie 1962, als schon das Tuberkulosekrankenhaus mit einer ersten Abteilung für Knochen- und Gelenktuberkulose existierte. Da sei es wichtig, individuell auf die Menschen einzugehen, weil sie nicht selten an Krankheiten litten und durch Medikamentenbehandlung und Therapien geschwächt waren.

Bis 2003 Krankenschwester


Bis 2003 arbeitete Schwester Sixta als Krankenschwester in der Klinik für Erkrankung der Atmungsorgane. "Früher war die Verweildauer länger. Man hatte intensiveren Kontakt zu den Menschen." Freundschaften entstanden, Erinnerungen blieben. Kürzlich sprach sie eine ehemalige Patientin an: "Sie haben mir vor zwei Jahren das Sockenstricken gezeigt."
Wenngleich sie die katholische Seelsorge weiterhin unterstützt, ist es die Handarbeit, die regen Kontakt zu Patienten und Personal aufrechterhält. Zwar lade sie zu Gottesdiensten ein, "es kommen aber nicht mehr so viele wie früher." Zum einen sinke der Gottesdienstbesuch im Allgemeinen, zum anderen sind viele Patienten an einen Behandlungsplan gebunden, der wenig Freiraum ermöglicht.
"Es gibt immer Momente, in denen man zusammenkommt", weiß Schwester Sixta. Sie begegnet mit Herzlichkeit und Offenheit und vermittelt so einen liebenden Gott. "Die Patienten freuen sich sehr wenn wir kommen." Oft, weil sie etwas Handgearbeitetes mitbringt. Derzeit häkelt sie für eine Krankenschwester Weihnachtssterne. Etwas größer als sechs Zentimeter sind die zur Dekoration gedachten Söckchen. Wie auch bei den Deckchen gibt Schwester Sixta den Erlös in die Mission ihres Mutterhauses in Oberzell.
Das fragt alle paar Jahre, ob die vier Schwestern zurück möchten. "Wenn wir nicht mehr können, müssen wir ins Kloster zurück", gibt Schwester Sixta zu.
"Wir geben unsere Schwestern nicht her", betont aber Hermann Schilling, der stellvertretende Personalratsvorsitzende. Gehen wollen sie auch gar nicht. "Wir helfen uns gegenseitig", bekennt Schwester Sixta. Als sie nach Kutzenberg kam, habe bei insgesamt 40 Schwestern jede Station zusammengehalten. "Jetzt halten wir zusammen." In dieser guten Gemeinschaft wird viel gelacht. "Wir spielen auch mal ‚Mensch-ärgere-dich-nicht‘ und ärgern uns trotzdem", schaltet sich Schwester Kleopha grinsend ein. Schwester Sixta spielte in ihrem Urlaub vor einigen Wochen mit ihren Großneffen Mühle und erklärte ihnen: Nicht durchs Rumalbern, sondern durchs Überlegen gelangt man ans Ziel. Aber die Prisen Humor und Selbstironie dürfen nicht fehlen. Auch, wenn sie mit Herzlichkeit und Offenheit anderen Menschen begegnet.