Was gibt es Schöneres, als im Mai mit Freunden durch die grüne Natur zu wandern? Doch dabei wird man(n) durstig. Aus diesem Grund hat es sich seit Jahren eingebürgert, Bier und Hochprozentiges auf einem Bollerwagen mitzuführen. Das hat regelmäßig zur Folge, dass die Maienwanderer schon vorgeglüht hatten, bevor sie das Ziel - meist einen Festplatz - erreichten. Dahinter steckt vielleicht ein gewisser Fatalismus. Einem Schlager zufolge droht schließlich eine kosmische Katastrophe die Menschheit auszulöschen: "Am 30. Mai ist der Weltuntergang - wir leben nicht mehr lang..."

Besonders das Dorffest in Wiesen ist am "Herrentag" ein Zielpunkt von Bollerwagenkonvois. Inzwischen sind die Wiesener jedoch vorbereitet auf die torkelnden Besucher. Die Veranstalter haben auch in diesem Jahr wieder eine professionelle Security-Agentur beauftragt, die Suffköpfe aufzuspüren und sie aus dem Verkehr zu ziehen.

Engelbert Lieb, der Vorsitzende des Gartenbauvereins: "Seit wir die Security haben, ist nichts mehr vorgekommen. Die haben das gut im Griff." Vor einigen Jahren, ergänzt er, seien 300 bis 400 alkoholisierte junge Menschen in Wiesen eingefallen. Im vergangenen Jahr waren's hingegen nur noch rund 100 Bollerwagenlenker - aber zu diesem Zeitpunkt sorgte auch die Security schon für Recht und Ordnung. Die schwarzen Sheriffs kontrollierten nämlich ankommende Gruppen schon am Ortseingang und ließen Trunkenbolde gar nicht erst zum Dorfplatz vordringen.

Vom Staffelberg nach Stublang

"Das war früher nicht ganz so arg wie heute", sagt der Stublanger Brauer Thomas Hennemann, "und seit ich Vater bin, mach' ich eh nicht mehr mit". Am Vatertag stehe er ohnehin hinter seiner Theke am Zapfhahn, denn erfahrungsgemäß sei an diesem Tag viel los in der Gastwirtschaft - egal, ob's regnet oder sonnig ist. "Die kommen dann vom Staffelberg runter und geh'n beim Hennemann 'nei", kommentiert er das. Vor allem junge Männer im Alter zwischen 18 und 25 beteiligten sich an diesen feuchtfröhlichen Ausflügen.

Über die "Bollerwagen-Connection" ist Staffelberg-Klausenwirt Gottfried Schmitt sehr verärgert. Dutzende Gruppen nähmen sich alljährlich den Staffelberg als Ziel. Diese 16- bis 25-jährigen Männer und Frauen hinterlassen vor allem Schmutz, das hat er in den Vorjahren oft feststellen müssen. Solche Staffelberg-Besucher kämen inzwischen am 1. Mai häufiger als am Karfreitag, weil in Nedensdorf seit einigen Jahren kein Dorffest mehr stattfindet.

"Der Vatertag ist zweigeteilt", stellt der Nedensdorfer Braumeister und Gastwirt Reinhold Reblitz fest. Vereins- und Dorffeste wie jenes in Wiesen seien Anlaufpunkt für die Bollerwagen-Gruppen. Familienväter hingegen kehrten mit Frauen und Kindern lieber in Gasthäusern ein - dort "geht's traditionell und gemütlich zu". "Schwierigkeiten mit Fußgruppen hatten wir in der Gastwirtschaft noch nie", fügt er an. Ausgeartet seien deren Visiten beim Fest am 1. Mai, das nicht mehr stattfindet.

Vorzeitiger Zapfenstreich

"Teilweise ist es schlimmer als es gezeigt wird", klagt der Brauer Andreas Trunk aus Vierzehnheiligen. Aus leidvoller Erfahrung der Vorjahre weiß er, dass Karfreitag und 1. Mai die beiden Tage sind, an denen in der Öffentlichkeit am meisten gesoffen wird. Aus diesem Grund schließt er seine Gaststätte und den Biergarten an diesen beiden Tagen einige Stunden früher als gewöhnlich. Zur Problemgruppe seien in Vierzehnheiligen nicht nur 16- bis 25-jährige Männer und Frauen zu rechnen, sondern auch Wanderer, die unterwegs den Flachmann zücken: "Es sind nicht nur Bollerwagenfahrer, sondern auch Leute mit Rucksäcken. Die Mittelaltergeneration ist auch dabei, die sich ein verlängertes Wochenende gönnt und den Bierweg abwandert." Ob er den Ausschank am Vatertag vorzeitig schließt, weiß er jetzt noch nicht. Er will abwarten, wie sich die Leute benehmen und behält sich vor, das Rollo vor dem Tresen herunterzulassen, wenn der Alkoholpegel der Besucher allzu hoch werden sollte.

"Am Herrentag ziehen nicht nur Männer, herum, sondern auch reine Frauengruppen", erklärt Ronny Beck von der Polizeistation Bad Staffelstein. Der Staffelberg sei bei schönem Wetter ein Lieblingsziel der Bollerwagen-Konvois. Es gebe nicht nur Männergruppen, sondern auch gemischte Frauen-Männer-Gruppen. Früher, fährt der Oberkommissar fort, seien Herrentagswanderungen von Vereinen organisiert worden. Heute, im Zeitalter der Facebook-Partys, seien die modernen Kommunikationsmittel bestimmend. Jedermann schicke Bilder herum über Facebook oder Whatsapp. Dadurch könnten sich die Leute spontan absprechen, eine Gruppe finde schnell zusammen.

"Ich habe den Eindruck, dass es früher noch schlimmer war", lautet die Einschätzung von Pfarrer i. R. Hans Hübner aus Uetzing. Vor allem junge Männer seien im Freundeskreis an Christi Himmelfahrt unterwegs. Das könnte jedoch ein mediales Phänomen sein. Weil heute so viel digital fotografiert und verbreitet werde, verdichte sich möglicherweise das vermeintliche Geschehen. In seiner Predigt zum Himmelfahrtstag werde er auf die Freude am Leben eingehen. Wir dürften unser Menschsein nicht nur auf den Alltag konzentrieren, sagt er, "sondern darauf, dass wir als Menschen immer ein Stück Himmel in uns tragen". Der Mensch sollte sich nicht mit Irdischem begnügen, denn er sei ein Wesen auf der Pilgerschaft zu einer letzten Heimat und zur Erfüllung: "Das Herz wird müde, kommt aber nicht zur Ruhe."

"Reines Besäufnis ist furchtbar"

"Den Herrentag finde ich nicht schlecht", sagt Margit Schnapp, "aber dieses Wodka-Saufen finde ich übel." Die 48-jährige Staffelsteinerin gibt zu: "Wir Frauen gehen auch fort am Muttertag, aber wir haben uns unter Kontrolle - und wir haben auch ein Fläschchen Sekt dabei." Früher hätten die Männer am Vatertag das Bier von den Festveranstaltern vor Ort getrunken und nicht selbst Alkoholika mitgebracht - "das fand ich schön, jetzt ist's ein reines Besäufnis, und das finde ich furchtbar."

Kein Problem durch übermäßig verschmutzte Wege haben die Mitarbeiter des Staffelsteiner Bauhofs. Hermann Lieb: "Das hat sich bisher in Grenzen gehalten - es gibt an diesem Tag nicht mehr Schmutz als sonst auch, alles bleibt im Rahmen."

Kommentar PRO

Ohne Wodka wandern

Richtige Väter schieben den Kinderwagen - nicht den Bollerwagen. Etwa zum "Boxenstopp" der Staffelsteiner Feuerwehr. Am Vatertag gibt es vor dem Feuerwehrhaus in der Auwaldstraße Speisen und (auch nicht alkoholische) Getränke. Dort sind neben den Männern auch Paare und Familien willkommen. Gelöscht wird dort nur der Durst - ein haltloses Besäufnis gibt es nicht, darauf achten die Feuerwehrfrauen und -männer schon. Ein solches Fest ist ganz im Sinne des Erfinders, wenn es denn jemals einen solchen gegeben hat. Dem alten Brauch zufolge wandern an diesem Tag die Großväter, Väter und Söhne durch den grünen Wald und über bunte Wiesen zu einem Dorffest. Dort heben sie ein Seidla oder auch zwei Maß, um für den Rückweg gestärkt zu sein. Dass das Bier heute von Gruppen auf Handwägelchen mitgebracht wird, ist für die Organisatoren der Dorffeste nicht schön. Und dass die Bollerwagen mit Kühlschränken, Eiswürfelwannen sowie Wodka und Schnäpsen bestückt sind, läuft der Idee zuwider. Gegen eine Maiwanderung im Freundeskreis aber ist nichts einzuwenden.

Matthias Einwag

Kommentar CONTRA

Nach alter Väter Sitte

Das Bemerkenswerte an den beiden Elternteiltagen ist, dass sie auf den Rollenbildern von Mann und Frau basieren. Diese Rollenbilder von Vater und Mutter fliegen uns seit einigen Jahren um die Ohren. Den Müttern wird dafür gedankt, dass sie putzen, kochen und immer ein offenes Ohr für die Kinder und ihre Männer haben. Niemand dankt ihnen, weil sie Karriere machen und unabhängig sind. Es sind die alten Werte, die damit zementiert werden, als würden die Rollen in der Erziehung nicht gerade neu austariert. Das soll nicht kritisiert werden. Auch nicht, dass die Männer am Vatertag gerne trinkend durch die Gegend ziehen. Das ist freilich schön, weil es Spaß macht.

Ein Vater scheint jedoch entschuldigend zu sagen: Ich bin ein Mann und ich muss das machen - war so, ist so, bleibt so. Während die Kinder der Mutter danken, feiert der Vater sich selbst: Das wird man wohl noch machen dürfen. Darf man, aber diese zur Schau gestellte Eigenliebe ist nichts, was einen Vater im 21. Jahrhundert ausmachen sollte.

Niklas Schmitt