Turmfalken sind majestätische Vögel. Bis zu 36 Zentimeter können sie groß werden. Soweit ist es bei jenen, die Robert Geisel in Mistelfeld abgelichtet hat, aber noch nicht. Die waren nämlich gerade erst geschlüpft, als der Hobbyfotograf, der neben Naturaufnahmen auch Porträts macht, sie abgelichtet hat.

Die Idee kam Geisel zugeflogen. Ein Freund machte ihn auf die nistenden Turmfalken beim Großvater aufmerksam. Nicht im Turm, wie es der deutsche Name des Falco tinnunculus nahelegt, sondern im Taubenschlag der Scheune hat das Falkenpaar seine Jungen ausgebrütet.

Anders als im nahe gelegenen Kirchturm, wo auch Turmfalken nisten, konnte Geisel hier fast unbemerkt an die Vögel herankommen und in der Brutstätte fotografieren.

Schnell musste es gehen, erzählt Geisel, der sieben Mal vor Ort war, um die Falken in ihrer Entwicklung abzulichten. Aber auch Geduld brauchte er: "Man muss Spaß haben, dann bringt man automatisch die Zeit mit."

Denn die Tiere richten sich nicht nach dem Fotografen. Als sie soweit waren, haben die jungen Falken drei Tage das Fliegen geübt, dann sind sie ihrer Geburtsstätte ganz entflogen.

An die 700 Fotos hat Geisel von den vier kleinen Falken gemacht. Mitunter unter einer Decke versteckt, damit diese ihn nicht mit ihren Falkenaugen erspähen und sich vom Dach machen.

"Da bist du schon mal zwei Stunden vor Ort und beobachtest und wartest auf den richtigen Moment", beschreibt Geisel die Arbeit mit diesen ungewöhnlichen Motiven. Das Warten hat sich gelohnt. Denn Geisel konnte nicht nur die ganz jungen Tiere ablichten, sondern auch die Eltern, wie sie Futter - meist Mäuse - vom nahe gelegenen Wald in den Taubenschlag bringen, um ihre Kleinen groß und stark zu machen.

Einer, so berichtet es der Fotograf, habe es nicht ganz geschafft. Der lag nach einem offensichtlich gescheiterten Flugversuch, den die Jungen zuerst am Dachfirst ausführten, am Boden und musste zum Tierarzt gebracht werden. Die anderen sind aber schon ausgeflogen.

Wer weiß, wo sie ihre Kleinen ausbrüten werden? Ihre Eltern jedenfalls kommen schon seit einigen Jahren jeden Mai in die Scheune von Paul Pülz.