"An den neuen Tischen ist mehr Platz!" Das hat Luca aus der dritten Klasse gleich festgestellt. Lennart gefällt es, dass man die Höhe verstellen kann, seine Mitschülerin Didem findet die neue Stühle viel bequemer als die alten. Im Klassenzimmer ein eigenes Fach für seine Sachen zu haben, sehen ebenfalls viele Kinder als großes Plus der neuen Möblierung im Grundschulbereich der Johann-Puppert-Schule.

Knarzende Stühle

Für die Lehrer zählen noch andere Kriterien. Die Entscheidung für die dreieckigen Tische ist das Ergebnis eines intensiven Prozesses im Grundschulkollegium. Ausgangspunkt war die Tatsache, dass es nach 40 Jahren an der Zeit war, Tische und Stühle komplett auszutauschen. "Es gab keinen einzigen Stuhl mehr, der lautlos war", beschreibt Schulleiterin Alexandra Kober den Bestand von vor zwei Jahren. Aus dem Kollegenkreis kam der Wunsch nach Einzeltischen, um den individuellen Bedürfnissen der Kinder besser gerecht zu werden. "Jeder Schüler arbeitet anders", erklärt die Schulleiterin.

An mehreren Schulen haben die Michelauer Grundschullehrer sich umgeschaut, um Anregungen für die Neugestaltung der Klassenzimmer zu sammeln. Die neuen Möbel sollten dem Prinzip eines flexiblen Klassenzimmers Rechnung tragen, sowohl für die individuelle Förderung als auch für das Miteinander besser geeignet sein als die bisherigen Zweier-Tische. Die dreieckigen Tische schienen dafür ideal. Begonnen wurde mit der Umstrukturierung im vergangenen Schuljahr mit den ersten und zweiten Klassen; im laufenden Schuljahr wurden auch die dritten und vierten Klassen neu ausgestattet. Auf rund 50.000 Euro beziffert Alexandra Kober die Investitionen insgesamt und ist dankbar dafür, dass die Gemeindeverwaltung als Sachaufwandsträger der Schule die Idee unterstützt hat.

Die Erfahrungen, die mit den Dreieckstischen gemacht wurden, sind durchwegs positiv. "Der Unterricht hat sich gewandelt, ist viel flexibler geworden", beschreibt dies die Schulleiterin. Obwohl jeder separat sitzt und die Tischhöhe seiner Größe entsprechend einstellen kann, sei nun von vornherein mehr Miteinander möglich, ergänzt Konrektorin Silke Fischer. "Die Schüler sind begeistert." Jeder habe seinen eigenen Bereich, und wenn für Gruppenarbeit die Tische zusammengestellt werden sollen, können sie sie dank der angebrachten Rollen selbst "fahren". "Das finden die toll." Ungewohnt beäugt hätten manche Eltern anfangs das neue Konzept. Vom Elternbeirat gebe es zwischenzeitlich positive Rückmeldungen.

Die Lehrer nutzen auch den runden, roten Teppich gerne, der in der Mitte jedes Klassenzimmers platziert wurde. Er dient als Ruhe- und Versammlungsort, für den Morgenkreis oder als Präsentationspunkt gleichermaßen.
Für Ordnung im Raum sorgen die persönlichen Fächer für jeden Schüler, in denen die Schultasche und gerade nicht benötigte Bücher deponiert werden können. Weil es mehrere Tafeln gibt, kann im Unterricht auch rasch einmal die Perspektive gewechselt werden.

Vom Klassenzimmer der Zukunft

Alexandra Kober findet den Begriff "Klassenzimmer der Zukunft" durchaus passend für das, was an der Michelauer Schule schon umgesetzt wurde. Jeweils einen Internetanschluss mit Beamer für die dritten und vierten Klassen wäre in ihren Augen zusätzlich erstrebenswert, weil man den Unterricht damit gegebenenfalls noch bereichern könnte, ohne in einen Computerraum wechseln zu müssen.

Neben der modernen Ausstattung besinnt man sich im mediengeprägten Zeitalter aber auch auf den Wert herkömmlicher Spiele. Die Johann-Puppert-Grund- und Mittelschule hat sich mit Erfolg für das Projekt "Spielen macht Schule" beworben, eine Initiative des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen und des Frankfurter Vereins "Mehr Zeit für Kinder". Auf diesem Weg erhielt man eine Ausstattung mit hochwertigen Spielen, die allen zur Verfügung stehen und auch in den Unterricht integriert werden. Da geht es dann beispielsweise darum, Begriffe zu erraten, Regeln spielerisch einzuüben oder das Rechnen am Kaufladen anschaulich zu machen. Sonja Schneidereit, die eine zweite Klasse unterrichtet, meint: "Spielen im Unterricht ist ein echter Gewinn!"