Der Main schlängelt sich mit weit ausholenden Schleifen an Michelau vorbei. Der Kernort ist mit einer 4,6 Kilometer langen Deichanlage gegen Hochwasser geschützt. Ob das in Zukunft noch reichen würde, das bezweifelten Fachleute. Deshalb wurden bis 2018 sämtliche Deiche bei Michelau verstärkt und erhöht. Zur Binnenentwässerung kommt nun ein Pumpwerk hinzu, das eines der leistungsstärksten in Bayern sein wird. Insgesamt sind für Planung und Bau der Deich-Ertüchtigung und des Pumpwerks rund 16,5 Millionen Euro veranschlagt. Bauherr ist der Freistaat Bayern. Die Gemeinde muss sich an den Kosten beteiligen. Die EU fördert das Bauprojekt.

Größtes Projekt in Oberfranken

Der Hochwasserschutz Michelaus mit Nachrüstung der bestehenden Deiche sei das größte Projekt dieser Art in Oberfranken, sagt Georg Bayerl, der Leiter der Flussmeisterstelle Lichtenfels des Wasserwirtschaftsamts Kronach. Doch warum ist dieses Bauprojekt erforderlich? "Der Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser war nicht mehr gegeben", antwortet Bayerl, "denn der Klimafaktor spielt inzwischen eine wichtige Rolle." Bei einem Jahrhunderthochwasser (HQ 100) werde heute veranschlagt, dass mit 15 Prozent mehr Wasser als früher zu rechnen ist.

Wie realistisch ist ein HQ 100?

Die wissenschaftlich-mathematische Abkürzung HQ 100 setzt sich zusammen aus "Hoch" und der Abfluss-Kennzahl Q. Damit wird der Zustand von Flüssen beschrieben, wenn deren Wasserstand deutlich über dem Pegelstand ihres Mittelwassers liegt. Der Begriff HQ 100 bezeichnet ein Hochwasserereignis, das mit der Wahrscheinlichkeit von 1:100 jedes Jahr erreicht oder überschritten werden kann. Dies bedeutet nicht, dass ein HQ 100 nur einmal alle 100 Jahre stattfindet, sondern dass es statistisch gesehen 100 Mal in 10 000 Jahren eintritt.

Wen die Deiche schützen

In Michelau, sagt Georg Bayerl, müsse eine rund 200 Hektar große Siedlungsfläche geschützt werden, auf der rund 3000 Menschen leben und ca. 60 Betriebe mit etwa 2000 Arbeitsplätzen angesiedelt sind. Rein rechnerisch, fährt er fort, sei hier ein Schadenspotenzial von 80 Millionen Euro zu berücksichtigen.

Drei Pumpen werden eingebaut

Um die Binnenentwässerung zu gewährleisten, also um Regen- und Mischwasser aus dem Areal hinter dem Deich abzuleiten, wird derzeit ein leistungsstarkes Pumpwerk gebaut. Das etwa 8,5 Meter hohe Gebäude wird im Endausbau mit drei Pumpen bestückt, von denen jede bei Volllast 2,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fördern kann. Die dritte Pumpe dient als Ausfallreserve.

Wenn das Pumpwerk fertiggestellt ist, wird es dennoch kein Riesenklotz in der Landschaft sein, denn "das meiste ist im Boden versteckt", sagt der Flussmeister.

Bei einem 100-jährlichen Hochwasser sei damit zu rechnen, dass am Pegel Schwürbitz rund 950 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchströmen, verdeutlicht Bayerl.

970 Kubikmeter Wasser/Sekunde

Der Durchfluss bei Michelau sei sogar auf rund 970 Kubikmeter pro Sekunde zu beziffern. Diesem Szenar wollte der Freistaat Bayern mit der Deichnachrüstung gerecht werden. Zum Vergleich: Der mittlere Abfluss im Jahresdurchschnitt beträgt bei Michelau rund 30 Kubikmeter pro Sekunde. Sollte die Deichertüchtigung wider Erwarten nicht ausreichen, können die Deiche mit Sandsäcken erhöht und gestützt werden.

Viele Hilfskräfte sind bei einem Katastrophenfall erforderlich, um die Sandsäcke zu füllen und zu platzieren. In erster Linie sind hierbei die Feuerwehren in der Pflicht. Sollte deren Durchhaltefähigkeit erschöpft sein, wäre Unterstützung durch das Technische Hilfswerk (THW) und die Bundeswehr möglich, so wie es an Donau und Oder bereits geschehen ist.

Kosten sind gestiegen

Was sich im Mai anlässlich der Fertigstellung der Deichnachrüstung abzeichnete, hat die Gemeinde Michelau nun vom Wasserwirtschaftsamt Kronach schriftlich erhalten: Die Kosten für den Hochwasserschutz haben sich von 13,5 Millionen auf 16,5 Millionen Euro erhöht. Gewachsen ist damit auch der Eigenanteil der Gemeinde, der jetzt auf 992 000 Euro beziffert wird, statt den ursprünglich veranschlagten 739 500 Euro.

Bei seiner jüngsten Sitzung am Mittwoch sollte der Gemeinderat diese Mehrkosten anerkennen, was auch durch einen einstimmig gefassten Beschluss geschah. Die letzte Rate werde von der Gemeinde im Februar 2020 überwiesen, informierte Bürgermeister Helmut Fischer (CSU).