Auf einer Strecke von etwa 3,4 Kilometern Länge, von Neuensee über den Hauptdamm in Michelau bis zur Kreisstraße in Richtung Schney, wird umfassend gebaut. "Die Arbeiten sind jetzt voll im Gang", sagt Norbert Eiser, geschäftsleitender Beamter der Gemeinde. In den vergangenen Wochen haben viele neugierige Bürger angerufen, was denn hier passiere. Damit habe er nicht gerechnet: "Die Planung geht 14 Jahre zurück. Ich war überrascht, dass Viele trotzdem gar nicht wussten, was genau hier vor sich geht." Im zweiten Stock des Rathauses liegen deshalb verschiedene öffentlich einsehbare Pläne und Unterlagen zu den Bauarbeiten aus.
Seit Februar laufen die Arbeitenam Hauptort, nachdem der Bauabschnitt südlich der Flutbrücke in Michelau 2017 abgeschlossen wurde. Das ganze Jahr über werden die südlichen, östlichen und westlichen Deiche um 50 bis 70 Zentimeter erhöht. "Die Arbeiten gehen zügig voran", sagt Matthias Trau vom Wasserwirtschaftsamt Kronach, der zuständiger Abteilungsleiter für den Landkreis Lichtenfels ist.


Aktueller Stand

"Im Deichabschnitt entlang des Mains zwischen Bahnhofstraße und Kläranlage ist die Spundwand bereits eingerammt", sagt Matthias Trau. "Im nächsten Schritt wird der Weg entlang der Spundwand gebaut, anschließend werden die Rammarbeiten zwischen der Bahnhofstraße und dem Ortsausgang Richtung Schwürbitz fortgesetzt." Zudem wird der am östlichen Ortsrand vorhandene Deich nachgerüstet. Dazu wurde der Biberbach bereits verlegt.

Am westlichen Ortsrand "wird derzeit ein neuer Deich in Erdbauweise errichtet." Ein kurzer Abschnitt davon ist bereits entlang der Straße Richtung Schney zu sehen. Dieser soll ein Überfluten der Fahrbahn und des nördlich liegenden Baugebietes verhindern. In den kommenden Wochen soll der Damm mitsamt einem Hinterweg fertiggestellt werden.

Neben den Deichnachrüstungen ist auch der Bau eines Schöpfwerks in der Nähe der Kläranlage geplant. Die Ausschreibungen dazu stehen an. "Der Baubeginn des Pumpwerks soll 2019 erfolgen, die Inbetriebnahme 2020." Die derzeit laufenden Arbeiten sollen bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

Erst im vergangenen Jahr stiegen die Gesamtkosten von acht auf 13,5 Millionen Euro. Eine weitere Steigerung ist, so Trau, aber nicht zu befürchten: "Aktuell liegen die Kosten und der Zeitplan für den Bau der Deiche und der Spundwand im veranschlagten Rahmen." Da die Ausschreibungen für das geplante Pumpwerk noch nicht erfolgt sind, liegen hierfür noch keine Kosten vor.


Grauer Beton in grüner Natur?

Viele Bürger, so Norbert Eiser, interessierten sich auch dafür, wie hoch die Dämme und wie sie gestaltet werden. "Bisher war oben auf dem Damm ein Weg, nach den Bauarbeiten wird ein hinter dem Damm liegender Weg geschaffen", erklärt er. Die Spundwände werden nicht bepflanzt. "Beidseitig der Mainbrücke wird ein Mauerabschnitt mit Beton, im restlichen Verlauf mit Gabionen verkleidet", erklärt Matthias Trau.

Eine gezielte Bepflanzung sei nicht geplant. "Bäume auf oder am Fuße des Deichs scheiden aus Sicherheitsgründen aus", erklärt er. Während eines Hochwassers könnten diese beispielsweise aufgrund des aufgeweichten Bodens umstürzen und den Deich beschädigen.

Die gesamte Hochwasserschutzanlage ist, so Trau, auf das sogenannte hundertjährige Hochwasser bemessen. Hinzu kommt der "Klimazuschlag", da in Zukunft durch den Klimawandel mit größeren Hochwasserereignissen gerechnet wird.
Sollte ein solches Hochwasser eintreten, würden ohne die Nachrüstung Schäden in Höhe von 80 Millionen Euro entstehen. "Momentan ist es kaum vorstellbar, dass die Dämme wirklich notwendig sind", sagt Eiser und betont: "Trotzdem darf die Gemeinde die Hochwassergefahr nicht unterschätzen".