"Schiller: Ganz oder gar nicht!" Das war an zwei Wochenendaufführungen im Meranier-Gymnasium ein Versprechen. Kein ernst gemeintes, aber ein konsequent heiter produziertes. Am Samstag und Sonntag erfuhren Besucher alles und nichts über den Dichterfürsten, lachten sich schlapp und begegneten jeder Menge Raffinessen.

Ein P-Seminar taugt an bayerischen Schulen zur beruflichen Orientierung von Oberstufenschülern. Und da geht es schon los, denn ein Theaterstück braucht Technik, braucht Ton, braucht die Auseinandersetzung mit Dramaturgie und Sprache - jede Menge Spielraum also, um etwas auf die Beine zu stellen. Unter der Gesamtleitung von Studiendirektor Paul Endres knöpften sich über 20 Schüler ein Theaterstück der Autoren Mirjam Barthel, Armin Jung und Carl Philip von Maldeghem vor, aus dem sie strichen oder zu dem sie szenische Erweiterungen einbauten.

So entstand selbst in der Ferienzeit ein Schülerwerk, das gekonnt über Friedrich von Schiller, Videoinstallationen, Film- und Musicalzitate und Mord und Totschlag flanierte. Was herauskam, war eine Art Mischung aus Geschichte, Literaturstunde und "Kottan ermittelt", eine Melange aus skurrilen Bezügen, die das Publikum am Ende auch mit stehenden Ovationen quittierte.

Smalltalk über Schiller

Schiller für Eilige und für Menschen mit Humor. Und mit Mehrwert, denn, so Studiendirektor Hubert Gehrlich bei der Begrüßung des Publikums, jeder, der diesem Abend beiwohnt, könne in Zukunft gepflegt Smalltalk über Schiller betreiben. Grandios gerieten zu den Parforce-Ritten über Dramen wie Die Räuber, Wallenstein, Maria Stuart u. a. besonders auch die musikalischen Bezüge.

Wallensteins Hintergrundgeschichte wurde in der Art auf Leinwand präsentiert, in der bei Star-Wars zu Beginn der Filme textlich das Wissenswerte zusammengefasst wird, die Begrüßung durch das Moderatorengespann Franka Eberth und Lars Hucke leitet der Tusch aus dem Film Cabaret ein und als die Jungfrau zu Orleans szenisch verknappt präsentiert wurde, geschah dies unter Anleihe bei dem Volkslied Sur le pont d'Avignon, aus dem ein Sur le pont d'Orleans wurde. Und überhaupt war all dem Charpentiers berühmtes Präludium vorgeschaltet, das zur Eurovisionsfanfare wurde und den Zuschauer daran gemahnt, dass er nun etwas von Rang zu sehen bekommt.

Köstlich geriet auch, wie Johanna, Jungfrau von Orleans (gespielt von Melanie Voigt), ihre göttliche Sendung erhielt. Es geschah per Postsendung, als sich der Nebel lichtete, der zwar stimmungsvoll war und ganz sicher den Nebel der Geschichte darstellte, letztlich aber durch einen Handyklingelton Entzauberung erfuhr. Szene um Szene erarbeiteten Schüler und Paul Endres, bei dem der Humor und seine szenische Aufbereitung im Vordergrund standen. So kam es auch, dass sich bei Maria Stuart die Gegenspielerinnen Linda Richter (Maria Stuart) und Heidi Grüner (Königin Elisabeth) wie Duellantinnen gleichsam der Gegenspieler bei Spiel mir das Lied vom Tod langsam lauernd umkreisten.

Der Gipfel des sinnlos-köstlichen Vergnügens war die Zusammenfassung Schillerscher Balladen, die zusammengewürfelt keinen Sinn mehr ergaben, sich aber zu reimen hatten und am Ende eine Frau und zwei Männer zu einem möglichen Dreier zusammenführten. Von Schattenspielen in Scherenschnittoptik bis Billie Jean von Michael Jackson kamen Anklänge daher, und womit Schiller in seinem Wilhelm Tell sicher nicht gerechnet haben dürfte, war eine schweizerische Après-Ski-Party mit Disco-Fox.

Das alles zu gestalten, zu choreographieren, ins Bühnenbild zu setzen und durch Technik zu stützen, bedeutete ein erfolgreich absolviertes P-Seminar. Bedenkt man, dass diese Schüler eben nicht aus der Theaterkultur des Meranier-Gymnasiums stammen, sondern erstmals in diese Nische schnupperten, ist das Ergebnis nicht hoch genug zu bewerten. Mehrere hundert Besucher an beiden Abenden dachten da wohl ähnlich.