"Man muss sich auch selber a weng auf die Schippe nehmen können", sagt Marianne Dinkel über ihr Engagement beim Fasching. Seit 1999 war sie - mit zwei Unterbrechungen - jährlich dabei, wenn der Faschingszug "Döberten-Express" am Uetzinger Marktplatz zum großen Finale stoppte. Dort hielt sie jedes Jahr ihre Büttenrede - immer in einem anderen, selbst geschaffenen Outfit. Als Jura-Schneggla und Bodypainter trat sie schon auf, als Teufelchen, Schneeflöckchen, Scheinheilige, Walnusskönigin, Kamerafrau und Kobold las sie dem Publikum die Leviten.

Im vergangenen Jahr hatte sie sich als Alexa verkleidet, als jene geheimnisvoll-körperlose Frauenstimme, die auf Wunsch aus dem Internet bestimmte Musiktitel herunterlädt, Anrufe tätigt oder den Wecker stellt.

Als Marianne Dinkels Vorgänger Pankraz Kerner einst amtsmüde geworden war, sagt die heute 59-Jährige, habe sie sich bereit erklärt, eine Büttenrede zum Uetzinger Fasching zu verfassen und vorzutragen. Weil sie bei der Laienspielschar mitwirkte, war ihr das Metier nicht ganz unvertraut, denn sie reimte damals schon ganz gern über heitere Begebenheiten für Geburtstage und Familienfeiern. Und im Fasching hatte sie immer schon gern etwas für Kinder auf die Beine gestellt.

Ihre Themen findet sie durch intensive Lektüre der Zeitung, aber auch durch Hinweise aus der Uetzinger Bürgerschaft. Die Hauptlieferanten sind jedoch die Angehörigen der Ortsvereine. Dabei greift Marianne Dinkel am liebsten kleine kuriose Begebenheiten aus der Dorfgemeinschaft auf. Früher brachte sie ihre Reime handschriftlich in Form, doch seit einigen Jahren schreibt sie auf dem Computer, was die Sache beim Korrigieren erleichtert.

"Büttenreden halten bedeutet: Den Leuten den Spiegel vorhalten", sagt sie. Doch zu hart möchte sie mit ihren Mitmenschen auch wieder nicht umgehen. So kommt es schon vor, dass Marianne Dinkel die Objekte ihres Spottes vorher befragt, ob sie etwas dagegen haben, wenn sie das eine oder andere Missgeschick in ihre Büttenrede mit einbaut. Denn sie möchte vermeiden, dass einer ihrer Uetzinger Mitbürger verschnupft reagiert: "Im Vorfeld, liebe Jecken, machte man mich schon zur Schneck'n."

Aufs Korn nehmen ohne zu verletzten, übertreiben und scherzen, aber niemanden in die Pfanne hauen, loben und tadeln, aber stets mit einem wohlwollenden Unterton - das sind die Grundsätze, nach denen Marianne Dinkel ihre Büttenreden zusammenbaut. "Wenn keiner mehr an' Spaß versteht, dann braucht es keine Büttenred'", sagt sie. Gleichwohl werde schon hin und wieder ein Scherz anders aufgefasst als sie ihn gemeint habe. Deshalb nehme sie sich ganz gern selbst auf die Schippe. Zum Beispiel als sie vor einigen Jahren im Schneeflöckchen-Kostüm auftrat und dazu reimte: "Ich leg' aufs -chen Wert - aber wenn des so weitergeht, komm' ich nächstes Jahr als Lawine." Gut angekommen, erinnert sie sich, seien beim Publikum vor wenigen Jahren die Bauernregeln: "Liegt das Ortsschild wohl im Dreeck, stand aa'm Auto wohl im Weg." Die meisten Lacher erntete sie, "wenn was Kurioses mit Tieren passiert war".

Bei all der Freude, die es ihr jedes Jahr macht, als Büttenrednerin aufzutreten, merkt sie doch an: "Ich bräuchte einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin." Denn eines ist der Oma von acht Enkelkindern klar: "Mit dem Rollator werde ich nicht mehr beim Faschingszug mitfahren."