Bis in die 60er Jahre war es noch ein kleines Dorf, das mit Forstwirtschaft ihr Geld verdiente. Nun ist es eine Arbeiterstadt, die nur das Nötigste im Ort hat. Für besondere Erledigungen muss man in die nächste Stadt fahren - sechs Stunden ist man dafür unterwegs. Bewegt man sich innerhalb dieser Umgebung, dann steigt einem sofort der Geruch von Öl in die Nase und auf der Haut legt sich ein Ölfilm ab. Man spürt die Ölindustrie, die sich rund um Fort McMurray angesiedelt hat: Eines der größten Ölvorkommen der Welt ist im Teersand versteckt.

"Wie das vor Ort aussieht, kann man sich nicht vorstellen, wenn man nicht dort war. Das ist wie in einem eigenen Mikrokosmos", sagt Jasmin Herold. Die Schwürbitzerin war in Fort McMurray und drehte dort einen Dokumentarfilm. "Ich wollte diesen Film machen, um die Realität zu zeigen", sagt Herold.

Und die Realität ist nicht nur in Kanada, sondern betrifft auch hier jeden von uns. Wir alle seien ein Teil dieses riesigen Systems, da wir von diesem Öl profitieren, meint Herold.

Über zwei Jahre verbrachte Jasmin Herold dann in Fort McMurray, um intensiv an dem Film arbeiten zu können. "Es war anfangs schwer an die Leute heranzukommen, denn die Angst ihren Job zu verlieren ist bei allen Leuten sehr groß. Sie sprechen mit Fremden nicht so gerne über dieses Thema", erzählt Jasmin Herold.

Immense Folgen der Ölindustrie

Alle, die dort wohnen, arbeiten in der Ölindustrie. Geld lässt sich viel verdienen, aber die Folgen sind weitaus größer: Die Flüsse sind verschmutzt und die Fische, die darin leben, weisen erhöhte Quecksilberwerte auf. Auch die Gesundheit der Menschen dort ist sehr schlecht. Überdurchschnittlich viele Menschen erkranken an seltenen Krebsarten. "19 von 21 Geburten sind Fehlgeburten", sagt Jasmin Herold. Offizielle Statistiken gibt es dazu nicht. "Die Regierung vertuscht die ganzen negativen Folgen. Für sie ist die Ölindustrie eine wahre Goldgrube."

Ein klassischer Umweltfilm ist "Dark Eden" allerdings nicht. Der Film ist auch emotional. "Ich habe meinen Mann Michael Beamish dort kennengelernt. Er ist in der Nähe von Fort McMurray aufgewachsen", erzählt die Regisseurin.

Während der Dreharbeiten erkrankt er an einer seltenen Krebsform. "Die Ärzte gaben ihm noch ein Jahr zu leben", berichtet Herold. Das Filmprojekt stand auf der Kippe, aber Micheal Beamish überzeugte sie den Film zu Ende zu drehen, denn sie wollten aufzeigen, was da in Kanada passiert.

Sie kontaktierte einen Arzt in Deutschland, in zwei aufwendigen Operationen konnte ihr Ehemann gerettet werden.

All die Erlebnisse, die Jasmin Herold in Kanada gemacht hat, haben sie dazu gebracht, dass sie ihr Leben verändert: "Wir haben kein Auto mehr, kaufen regionale Produkte, verzichten auf Plastik und tragen secondhand-Klamotten."

Jeder Einzelne könne etwas tun, damit die Industrie eingestellt werde, meint Herold. Man könne auf Plastikflaschen verzichten, nicht jeden Tag Fleisch essen oder regionales Gemüse kaufen. "Ich kann nicht beeinflussen, was jeder einzelne tut, aber ich kann mit diesem Film Emotionen wecken, die zum Nachdenken anregen."

Der 80-minütige Film spreche sowohl junges als auch älteres Publikum an. "Ich freue mich immer, wenn ich sehe, wie die Menschen drauf reagieren. Das ist mehr wert, wie alles andere." Mehr, als die Preise, die sie bereits für den Film erhalten hat. Ein weiteres Highlight wird der Auftritt in Lichtenfels sein: "Es ist schon etwas besonderes für mich, wenn ich den Film in meiner Heimat zeigen kann, wo mich auch einige unterstützt haben." Am 13. April wird er mit anschließenden Filmgespräch vorgeführt.

Vorführung in Lichtenfels:

Jasmin Herold und Michael Beamish kommen am 13. April nach Lichtenfels um ihren Film in der Neuen Filmbühne vorzustellen. Die Vorstellung beginnt um 17 Uhr. Anschließend stehen die Beiden für ein Filmgespräch zur Verfügung. Tickets können bereits gekauft werden.