"Leere Straßen und Gebäude sind in Lichtenfels keine Seltenheit mehr", sagt Patrick Pensel. Der Schüler des P-Seminars am Meranier-Gymnasium hat einen beachtenswerten Film über die aktuelle Situation in der Lichtenfelser Innenstadt gedreht. Ein Film, in dem auch seine Mitschüler zu Wort kommen. Es sind Aufnahmen, die nachdenklich stimmen: Bilder von menschenleeren Straßen und Plätzen, von zugeklebten Schaufenstern und nicht immer attraktiven Gebäuden mitten im Herzen der Lichtenfelser Innenstadt. Doch einfach nur jammern, das wollen die Jugendlichen des P-Seminars mit dem bezeichnenden Titel "Lichtenfels - attraktiv für die Jugend" nicht. Im Rahmen ihrer zweijährigen Projektarbeit ist nicht nur ein Film entstanden, sondern auch eine App. Beides wurde am Freitagabend im Meranier-Gymnasium vorgestellt. Doch damit nicht genug: Im Verlauf der Veranstaltung waren Jugendliche aufgefordert, Ideen für die Zukunft der Stadt zu entwickeln. Dazu bestand in der Aula die Möglichkeit, die Vorschläge direkt in einen Computer einzugeben.

Viele Verbesserungsvorschläge

Die Eingabeplätze sind nach Themen unterteilt. Jeder, der möchte, darf seine Meinung in die Tastatur eintippen. Am Ende der Veranstaltung erhält Landrat Christian Meiner einen ganzen Stapel Papier mit Verbesserungsvorschlägen überreicht.
"Eine sinnvolle Veranstaltung", findet Lukas Demmler aus Redwitz. Der 19-Jährige ist über Facebook auf die Veranstaltung aufmerksam geworden. Jetzt hegt er die Hoffnung, dass die eingereichten Vorschläge bei den Entscheidungsträgern auch Beachtung finden und umgesetzt werden.
"Hätte die Politik eingeladen, wären nur zehn Jugendliche gekommen", gibt Frank Rubner, Vorsitzender des Kreisjugendrings, zu bedenken. Da jedoch die Schüler eingeladen haben, sind bedeutend mehr interessierte Jugendliche gekommen. Eine voll besetzte Turnhalle zeigt, wie Recht er damit hat.
Eine Erkenntnis des P-Seminars, das in Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsjunioren Lichtenfels die Möglichkeiten für Jugendliche in Lichtenfels ausloten wollte, ist: So schlecht ist Lichtenfels nicht. In ihrem Film heben die Schülerinnen und Schüler auch die positiven Seiten der Korbstadt hervor. Lichtenfels hat auch für Jugendliche ein relativ gutes Potenzial, nur es wird einfach nicht umgesetzt, lautet ihre Erkenntnis.
Bemängelt wird, dass Jugendliche keinen Treffpunkt haben, wo sie sich nach der Schule treffen können, und dass es kaum Möglichkeiten gibt, abends auszugehen. Auch an Shopping-Möglichkeit für Jugendliche mangelt es in der Innenstadt.
Im Gegenzug erkennen die Seminarteilnehmer auch die positiven Seiten der Korbstadt wie die schöne Innenstadt und das touristische Potenzial des Umfelds.
Für Hartmut Büchner von den Wirtschaftsjunioren haben Jugendliche in Lichtenfels gute Chancen. Neben hervorragenden Wirtschaftsstrukturen gibt es im Landkreis auch hervorragende Firmen, gute Arbeitsplätze und die größte Brauereidichte der Welt. Auch wenn Jugendliche im Rahmen ihres Studiums den Landkreis verlassen, sollten sie bei dem Gedanken an eine Familiengründung wieder an die Region denken.
Seminarteilnehmer Maximilian Springer hat, gemeinsam mit Tim Kalkus, eine App entwickelt, die Jugendliche darüber informieren soll, wo in der Kreisstadt etwas los.

"Die Innenstadt überdachen"

Ebenso wie die Jugendlichen hat auch Wirtschaftsförderer Helmut Kurz vom Landratsamt einige kreative Gedanken zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt gemacht. "Warum nicht die ganze Stadt zum Gründerzentrum machen?", lautet einer seiner Vorschläge. Ein zweiter zielt darauf ab, die Innenstadt zu überdachen, damit jeder seine Aktivitäten realisieren kann. Auf jeden Fall würde Lichtenfels damit deutschlandweit Aufmerksamkeit erregen. Eine weitere Möglichkeit wäre ein ganzjähriger internationaler Treffpunkt mit Lesungen und Ausstellungen.
Die an diesem Abend gemachten Vorschläge werden demnächst auf Facebook zu finden sein. Landrat Christian Meißner wird die Ideen, die den Landkreis betreffen, bei der Weihnachtssitzung des Kreistags vorstellen. Der Film zum Thema ist bei Youtube zu finden.