20, 30, sogar bis zu 50 Prozent günstigere Preise versprechen rote Schilder und Banderolen in den Schaufenstern am Marktplatz und in der Fußgängerzone. Mit Räumungsrabatten wollen die Einzelhändler Käufer locken. Doch gelingt das noch? "Die Kundenfrequenz ist im Moment durch den Winterschlussverkauf schon höher als sonst", sagt Gerhard Deuerling, Inhaber von "Mode Deuerling" in der Inneren Bamberger Straße. "Aber im Großen und Ganzen hat der WSV an Bedeutung verloren, leider."

Große Ketten reduzieren ständig

Roberto Bauer, Inhaber des gleichnamigen Herrenmodegeschäfts im Stadttor und Vorsitzender des Einzelhandelverbands Lichtenfels, sieht das ähnlich. "Der Winterschlussverkauf kommt nicht mehr so an wie früher, lockt nicht mehr so viele Leute in die Geschäfte." Der Grund dafür liege vor allem im Überangebot an reduzierter Ware, das seit Abschaffung der verbindlichen Zeiträume für die Saisonschlussverkäufe herrsche. "Seitdem kann jeder reduzieren wann und wie er will, und das wird leider oft ausgenutzt. Viele große Geschäfte, gerade die Ketten und Outlets reduzieren das ganze Jahr", so Bauer. Die Rabatte würden zunehmend nicht mehr genutzt, um zuvor regulär angebotene Ware auszuverkaufen und Platz in Lager zu schaffen, sondern werde zum Selbstzweck. "Da können die kleinen Fachgeschäfte nicht mithalten", so Bauer.

Gerhard Deuerling kann das bestätigen. "Die Großen machen's uns vor - man hat den Eindruck, die verkaufen nur noch reduziert." Dazu kommt die Konkurrenz durch Internet-Bestellportale. "Da tropft die rote Farbe doch nur so raus", sagt Bauer.

"Leute sind den WSV gewohnt"

Weniger kritisch bewertet Jutta Glätzer vom Schuhhaus-Hofmann am Marktplatz die Situation. "Auch wenn es das ganze Jahr über Angebote gibt, kommen unsere Kunden schon noch gezielt zum Winterschlussverkauf." Das sei ein Termin, der durchaus noch fest in den Köpfen verankert sei, so ihre Erfahrung. "Ich denke, gerade in kleineren Städten und Ortschaften wie hier bei uns sind die Leute das so gewohnt."

Auch Paul Rudolf Schnell, Geschäftsführer der Weka, ist überzeugt, dass es die Kunden gibt, die gezielt zum Winterschlussverkauf gehen. Eine Veränderung im Konsumverhalten hat aber auch er festgestellt. "Heute kauft man nur Kleidung, die man gerade braucht, weil man weiß, dass das Warenangebot immer verfügbar ist." Ein Problem sei deshalb dieses Jahr die milde Witterung im November und Dezember gewesen: Wärmende Kleidung sei vielerorts schon weit vor Weihnachten reduziert worden. "Das hat den Winterschlussverkauf natürlich etwas verwässert." Verständlich sei es trotzdem. "Man bestellt schließlich Ware weit im Vorfeld, ohne zu wissen, wie das Wetter wird."

Dank der Kälte verkauft sich Winterware momentan gut

Auch bei der Weka hatte man Sorge, die Winterkleidung nicht mehr an den Mann und die Frau zu bringen. "Aber dank der Kälte im Moment haben inzwischen die Saisonware doch gut abverkauft. Viele kaufen jetzt doch noch gerne etwas Warmes, zumal es ja zu günstigen WSV-Preisen angeboten wird." Das Internet sieht auch er als große Konkurrenz. "Sogar die großen Einkaufszentren werben inzwischen damit, dass man bei ihnen die Ware anfassen und anprobieren kann - das zeigt, wie groß das Problem inzwischen für den Einzelhandel ist."

Mit Internet, Outlets und Keten sei der Markt zu voll, das Angebot an billigen Angeboten zu groß, findet Roberto Bauer. Da müsste man gegensteuern, mit Klasse statt Masse, mit Qualität und Beratung statt immer billigeren Angeboten. Ein Weg in die richtige Richtung wäre die Wiedereinführung verbindlicher Schlussverkaufszeiten. "Aber das machen die Großen nicht freiwillig mit. Da bedürfte es schon einer Regelung von oben."