Niemand von denen, die ihn kannten, mag es so recht glauben: am Donnerstag verstarb mit Otto Scheer aus Mürsbach einer der engagiertesten Anhänger des 1. FC Nürnberg. In allen gesellschaftlichen Bereichen von der Fankurve im Stadion über die Medien bis hin zu politischen Kreisen und selbst bei der Geistlichkeit vertrat "der Otto", wie er genannt wurde, mit Herzlichkeit und Fußballverstand seine Ideale von Vereinstreue und Sportskameradschaft über alle anderen Grenzen hinweg.
Geboren 1944 auf einem Bauernhof im heutigen Staffelsteiner Stadtteil Wiesen, sollte Otto Scheer eigentlich Priester werden. Doch die Lateinschule füllte ihn nicht aus, seine Welt war damals schon größer und sein Herz schlug für den "Club". Zusammen mit acht weiteren Gleichgesinnten gründete Scheer am 1. November 1976 den "FCN-Fanclub Wiesen und Umgebung" und damit begann eine Erfolgsgeschichte sondersgleichen. Ob der 1. FC Nürnberg in der Fußball-Bundesliga nun gerade auf- oder abstieg - beim Wiesener Fanclub gab es immer nur eine Richtung: nach oben. Bis zu seinem Tod blieb Otto Scheer der Vorsitzende und nicht nur sein Stellvertreter Ottmar Kerner ist sich sicher: "So einen finden wir nimmer."
Die Anhängerschar am Obermain wuchs und wuchs und heute dürfte der Verein mit mehr als 1000 Mitgliedern der stärkste Fanclub des 1. FC Nürnberg sein. Darunter viel Prominenz wie Bürgermeister und Landräte, Abgeordnete, Pfarrer und Bischöfe und selbst Karl-Theodor zu Guttenberg hält dem Verein im fernen Amerika die Treue. Ob er damit in der größten Entfernung zur "Zentrale" lebt, ist nicht sicher, denn der FCN-Fanclub Wiesen und Umgebung hat weltweit Mitglieder - auf dem Balkan und in Asien und in den deutschen Nachbarländern sowieso. Kaum einer, der sich nicht anstecken ließ.
Seit Mitte der 1980er Jahre übernahm Otto Scheer, der beruflich bei Michelin tätig war, ehrenamtlich die Koordination zwischen etwa 90 Vereinen des Fan-Bezirks III des 1. FC Nürnberg. Das verschaffte ihm zwar viel Arbeit, aber auch viele neue Kontakte sogar zu anderen Vereinen. Und Jahr für Jahr warteten die Fans "auf Schalke" darauf, dass ihnen Otto Scheer in der Halbzeit über Stadionlautsprecher das Lied von der "wahren Freundschaft" sang. Die Schlachtenbummler im Ruhrpott sind bekanntlich wählerisch. Daheim, im eigenen Stadion, diskutierte er im VIP-Bereich mit den Größen des Sports von den eigenen Spielern, Trainern und Präsidenten bis zu Franz Beckenbauer. Bald machte daraufhin das Wort vom "Kaiser Otto" die Runde.
Doch Otto Scheer kam auch selbst zu Meisterehren. Vor einigen Jahren holte er mit seiner Wiesener Auswahl als Coach die "Deutsche Fanclub-Meisterschaft" an den Obermain, die daheim in seinem "Club-Zimmer" einen Ehrenplatz erhielt. Das nötige Verständnis fand Otto Scheer zeitlebens bei Ehefrau Greti und den drei Kindern. Natürlich "liefen" Kartenverkauf und Bus-Organisation nicht ohne sie und wenn gar nichts mehr half, dann organisierte "der Otto" halt eine Wallfahrt nach Vierzehnheiligen. Alles, wie gesagt, für den "Club".