Wenn Landrat Christian Meißner (CSU) an den Fremdenverkehr denkt, hat er den gesamten Landkreis im Blick. Ebenso die angrenzenden Regionen. Denn für ihn ist "Tourismus keine Insel", wie er es bei der Mitgliederversammlung des Tourismusvereins Landkreis Lichtenfels am Montagnachmittag im Nord-Jura-Museum Weismain wörtlich formulierte. Dieser Gedanke hatte den Verein - und allen voran seinen bisherigen Vorsitzenden, den Ebensfelder Bürgermeister Bernhard Storath (CSU) - dazu bewogen, das Amt dem Landrat anzuvertrauen. Das Votum fiel einstimmig aus. Zu seinem Stellvertreter wählte man den Burgkunstadter Bürgermeister Heinz Petterich.

Auferstanden aus den Ruinen des Fremdenverkehrsvereins Obermain, dem nur neun der elf Kommunen angehört hatten, erblickte am 22. Juli 2010 der Tourismusverein Landkreis Lichtenfels das Licht der Welt. Von Beginn an war klar, dass der neue Landrat einmal zentral von Lichtenfels aus die Geschicke des Vereins lenken sollte. Storath hatte sich als Übergangskandidat zur Verfügung gestellt, nachdem Altlandrat Reinhard Leutner, der kurz vor seiner Pensionierung gestanden hatte, auf eine Kandidatur verzichtete. Derzeit gehören der Vereinigung 22 Mitglieder an, darunter alle Kommunen im Landkreis Lichtenfels, die Therme sowie Vertreter der Gastronomie und Hotellerie.

Über Landkreisgrenzen hinweg


Meißner skizzierte die Ideen, mit denen er den Fremdenverkehr fördern möchte. Ihm sei bewusst, dass der Tourismus nicht an den Landkreisgrenzen halt macht. "Wer in Weismain, dem Tor zur Fränkischen Schweiz ausspannt, der geht auch gerne mal durch das Tor", sagte der neue Vorsitzende. Seine guten Kontakte zu seinen Landratskollegen in Oberfranken möchte er diesbezüglich nutzen. Zugleich sei ihm aber auch bewusst, dass man nicht nur den Raum rund um die Obermain-Therme im Auge behalten dürfe, wenn es zum Beispiel um Übernachtungen gehe. Meißner stimmte dem Michelauer Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) zu, der festgestellt hatte: "Von Marktzeuln ist es genauso weit zur Therme, wie von so manchem Ortsteil in Ebensfeld."

Dem Landrat schweben in Verbindung mit der Therme spezielle Übernachtungs- und Urlaubsarrangements für Gastronomie und Hotellerie vor. Auf einer zentralen Informationsveranstaltung möchte er Gastronomen, Hoteliers und privaten Vermietern aus dem gesamten Landkreis seine Ideen vorstellen. Meißner erhofft sich aus der Neustrukturierung des Gebietsausschusses Oberes Maintal-Coburger Land finanzielle und personelle Mittel für seine Ideen. Ziel dieser Maßnahme sei es, das finanzielle Ungleichgewicht zu beheben: Bislang hatte der Landkreis Lichtenfels 80 Prozent der Kosten für den Tourismusverband getragen, Stadt- und Landkreis Coburg sich die übrigen 20 Prozent geteilt.

Fahrräder und Geocaching


Themen, die Meißner besonders am Herzen liegen, sind der Radtourismus, fahrradfreundliche Gasthöfe und die immer beliebter werdende Schnitzeljagd per GPS-System, das Geo caching. "Zudem werde ich dafür sorgen, dass die Karten für den Musiksommer Obermain zukünftig über das Internet, auf einer eigenen Homepage, bezogen werden können", sagte der Redner. Bislang war eine Bestellung nur per Telefon, Mail oder Post möglich. Aufgeschlossen zeigte sich Meißner gegenüber der Anregung Fischers, die Bootswanderer nicht außer Acht zu lassen. Als sinnvolle Initiative pries Fischer in diesem Zusammenhang die Vereinigung "Flussparadies Franken", in der auch die Stadt Lichtenfels Mitglied ist.

Ein weiterer Grund, warum man den Vorsitz im Verein an Meißner übertrug, ist der zukünftig kurze Dienstweg zwischen dem Vorsitzenden und seinem Geschäftsführer Andreas Grosch, der am Landratsamt als Pressesprecher beschäftigt ist. Grosch informierte über die beiden Projekte, die in den vergangenen beiden Jahren den Schwerpunkt der Arbeit ausgemacht hatten: das 105.000 Euro teure Radwege- sowie das 265.000 Euro teure Wanderwegekonzept. Ersteres ist bereits so gut wie fertiggestellt, Letzteres soll im Frühjahr 2013 abgeschlossen sein. "Der Kreisbauhof ist derzeit damit beschäftigt, eine einheitlich in ganz Bayern gültige Beschilderung für die Radwege aufzustellen." Der Jura-Mühlenradweg, der straßenbegleitend vom Ortsausgang Weismain bis zur Abzweigung nach Niesten verlaufen soll, werde im nächsten Jahr fertiggestellt.

Zudem teilte er mit, dass im Rahmen der Wanderwegekonzeption in Weismain "Nord ic-Walking-Strecken" ausgewiesen werden sollen. "Der Jura rund um Weismain eignet sich aufgrund seiner abwechslungsreichen Topographie mit flachen und steilen Streckenabschnitten, gut für diesen Sport."