Der TÜV Rheinland, Niederlassung Nürnberg, hat eine Liste vorliegen: Rund 40 Häuser am südlichen Ortsrand von Hochstadt und dem nördlichen Rand des Gemeindeteils Wolfsloch werden von seinen Sachverständigen genauer angeschaut. Ein Beweissicherungsverfahren im Zusammenhang mit dem geplanten Trassenbau für die B 173 neu steht an

Das bedeutet, im Auftrag der Planungsbehörde wird der Zustand der nächstgelegenen Häuser dokumentiert. Sollten sich während oder nach dem Straßenbau Schäden zeigen, etwa durch Setzungen des Baugrundes, könnte man mit dieser Bestandsaufnahme belegen, was vorher noch in Ordnung war. Eine vorsorgliche Maßnahme also, durch die es einfacher wäre, Verantwortliche haftbar zu machen. Das ist ein schwacher Trost für die Betroffenen, die sich in den vergangenen Jahren dafür engagiert haben, den inzwischen planfestgestellten Streckenverlauf zu verhindern.

Hinter der Klage gegen diesen Beschluss der Regierung von Oberfranken steht eine breite Mehrheit der Hochstadter Bevölkerung. Die Gemeinde wurde nach dem deutlichen Votum des Bürgerentscheids von 2016 tätig. 62 Prozent derjenigen, die mit abgestimmt hatten, wollten das so. Die Wahlbeteiligung lag bei immerhin 69 Prozent. Als Straßenverhinderer sehen sich auch die in der Bürgerinitiative Aktiven nicht. Man sei sich einig, dass Hochstadt dringend eine Umgehung brauche, dass der Schwerlastverkehr aus dem Ort raus müsse, betonen sie bei jeder Gelegenheit.

Und dass vor Jahren ja einmal ein Trassenverlauf im Fokus gestanden habe, der breite Zustimmung gefunden hätte. Doch die Varianten sind vom Tisch, auch die mit 2+1-Fahrbahnen und geringerem Flächenverbrauch. Der Bedarf für Vierspurigkeit sei festgestellt, heißt es seitens der beiden CSU-Abgeordneten Emmi Zeulner (MdB) und Jürgen Baumgärtner (MdL), und die Südtrasse von allen geprüften Alternativen die mit dem geringstmöglichen Eingriff in die in jenem Abschnitt gelegenen Naturschutzgebiete.

Fakten geschaffen

Dort, wo eine von Mitgliedern der Bürgerinitiative favorisierte "Mitteltrasse" entlanggeführt hätte werden können, wurden inzwischen durch Bebauung Fakten geschaffen. Mit dem Wissen um all diese Punkte sieht man in Hochstadt der Gerichtsentscheidung entgegen. Die Gemeinde verweist in der Klagebegründung auf Verletzung ihrer Planungshoheit, die Lebens- und Umweltqualität werde sich erheblich verschlechtern. Ihr Anwalt Bernd Söhnlein aus Neumarkt wirft noch das Argument in die Waagschale, die Planfeststellungsbehörde habe eine konsensfähige, umweltschonendere Variante mit fehlerhaften Argumenten verworfen.

Am Freitag, 14. Dezember, ab 10 Uhr, werden die Richter am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof sich damit auseinandersetzen. Ein Ortstermin in Hochstadt ist nicht anberaumt. In den Sitzungssaal in die Münchner Ludwigstraße sind am selben Tag aber nicht nur die Vertreter der Gemeinde geladen. Wie eine Pressesprecherin mitteilt, sollen zwei weitere Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss mitverhandelt werden. Darin machen ein privater Grundstückseigentümer sowie die Gemeinde Redwitz ihre Interessen geltend. Eine weitere private Klage sei zurückgenommen worden, ein fünftes Verfahren ruhe. Ob an jenem Tag ein Urteil ergehe oder weitere Verhandlungstage benötigt werden, vermochte die Sprecherin im Voraus nicht zu sagen.

Bürgermeister Thomas Kneipp hat die Anfrage des TÜVs Rheinland bezüglich der nächstgelegenen Häuser zur geplanten Trasse zur Kenntnis genommen. Sein Eindruck: Die Einwände der Bürger werden ernst genommen. Und: "Die Behörden sind sich offenbar vollkommen sicher, dass sie das Verfahren gewinnen werden."

Wäre dann die von Wirtschaft und Politik seit langem geforderte leistungsfähige Verbindung von Lichtenfels nach Kronach schnell realisierbar? Kritiker der jetzigen Planung bezweifeln das. Klaus Kasper, Kreisvorsitzender der Freien Wähler, verweist auf das Nadelöhr Küps und die Gaabsweiher - zwei Problemstellen, die nicht geklärt seien. "Mit der jetzigen Planung lässt sich keine Lösung herbeiführen, die in einem akzeptablen Zeitraum realisierbar ist."

Ein Hochstadter, dessen Haus etwa 120 Meter Luftlinie zur geplanten Südtrasse steht, berichtet, dass es unter denen, die in der Nähe wohnen, durchaus Überlegungen gebe, wegzuziehen. Dass man wenigstens "einen vernünftigen Lärmschutz" erhoffe, wenn die Straße nicht zu verhindern sei.