Im Juli wurde es verkündet, dass es heuer zum ersten Mal nach 2013 wieder einen Politiker als Schirmherrn des Korbmarktes geben wird. Der neue Bürgermeister Andreas Hügerich hatte ab 2014 mit dieser Gepflogenheit gebrochen und setzte ganz bewusst auf Unterhaltungskünstler. Das Komödianten-Duo Heißmann und Rassau machte den Anfang. Es folgten die A-Capella-Band Viva Voce, Bauchredner Sebastian Reich mit Nilpferd-Handpuppe Amanda und vergangenes Jahr Mäc Härder als König der Franken. Es gab von Anfang an Leute, die im Besuch eines politischen Ehrengastes eine Aufwertung des Festes sahen und diesen nun vermissten, aber insgesamt kam das Novum gut an. Jetzt also eine gewisse Kehrtwende. Nicht ganz: Es werden nun zwei Schirmherrschaften vergeben. Am Samstag bleibt es beim Künstler - heuer wird der Kabarettist Chris Boettcher erwartet. Der Auftakt am Freitag soll mit einem hochrangigen Politiker aufgewertet werden.

Diese Änderung kommt in mancher Augen allerdings gerade kurz vor der Landtagswahl zur Unzeit. "Ich bin sicher nicht alleine mit dieser Meinung", stellte Bernhard Christoph (Grüne) in der jüngsten Stadtratssitzung fest, als er nachfragte, wie denn die Schirmherrschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten zustande gekommen sei. Seine Befürchtung, dass von der Bühne herab Wahlkampf gemacht werde, teilte Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) nicht. Die Anregung sei aus dem Stadtentwicklungsausschuss gekommen und im Korbmarkt-Komitee diskutiert worden. Es sei speziell um eine Aufwertung des Freitags gegangen. "Wir haben angefragt und Glück gehabt." Christoph fand den eigentlichen Glücksfall, einen Ministerpräsidenten-Besuch, in dem Fall eher unglücklich. "Es gibt tatsächlich Unmut", pflichtete Monika Faber (SPD) bei. Direkt vor Wahlen sollte man so etwas vermeiden. "Wir haben im Vorfeld zu wenig überlegt - und das hätte ich auch gesagt, wenn ein SPD-Politiker kommen würde." Hügerich versicherte, dass Parteipolitik bei ihm im Bürgermeisteramt nichts zu suchen habe und man bereits jetzt daran sei, Schirmherrschaften für das kommende Jahr fix zu machen. Mit einem aus dem künstlerischen Bereich und einem Politiker.